10 Schritte zur Überarbeitung des Manuskripts

  1. Take it easy. Mit einfachen Aufgaben beginnen. In jedem Manuskript gibt es Szenen, die so gut wie keiner oder nur sehr geringer Überarbeitung bedürfen. Damit anfangen! Man kommt zügig voran und hat sofort Erfolgserlebnisse.
  2. Das Beste kommt nicht zum Schluss. Lieblingsszenen überarbeiten macht deutlich mehr Spaß als die Arbeit an ungeliebten oder schwierigen Szenen. Deshalb zwischendurch immer wieder an etwas feilen, das man selbst mag, auch wenn es von der Reihenfolge her nicht notwendigerweise dran wäre.
  3. Nicht unterkriegen lassen. Mindestens jeden zweiten Tag fragt man sich, was man da eigentlich tut. Man will das Manuskript endlich zu Ende bringen, mit etwas Neuem beginnen, oder auch einfach nur vor lauter Frust das Handtuch werfen. Wir haben uns immer wieder aufgerafft und es bisher noch nie bereut.
  4. Realistische Ziele setzten. Lieber weniger vornehmen und die eigenen Erwartungen übertreffen, als sich zu hohe Ziele zu stecken und am Abend frustriert sein.
  5. Konzentration. Das Entwickeln von Szenen und das Schreiben funktionieren manchmal am besten in einem chaotischen, kreativen Umfeld. Das Überarbeiten nicht. Man braucht dafür Ruhe und Zeit. Schreiben macht Spaß, überarbeiten – wie der Name schon sagt – Arbeit.
  6. Das Feilen am Text. Auch Word korrigiert nicht alle Fehler und liegt manchmal sogar falsch. Sofern man nicht schon beim Schreiben akribisch darauf geachtet hat, ist spätestens jetzt der Moment gekommen, Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik zu überprüfen. Am besten hat man den Duden auf dem Schreibtisch liegen (alternativ kommt man auch mit www.duden.de weiter). Der Duden 2, das Stilwörterbuch, kann manchmal Wunder wirken, so man ihn erst einmal aufschlägt. Kritisch zu hinterfragen sind allzu umgangssprachliche Formulierungen, aber auch zu „steif“ sollte der Text nicht wirken. Auf Anglizismen achten. Im Zweifelsfall Testleser nach ihrer Meinung fragen oder über Google versuchen, andere gute und schlechte Beispiele für die Verwendung eines Ausdrucks zu finden. Und: Nur, weil etwas anderswo geschrieben steht, ist es noch lange kein guter Stil.
  7. Kill your darlings. Ein Spruch, den jeder Schriftsteller schon mehrmals gehört hat, und der ebenso hassenswert wie wahr ist. Es gibt unzählige Dialoge, Beschreibungen, Wendungen und manchmal sogar ganze Szenen, Kapitel oder Figuren, die vollkommen überflüssig sind. So sehr man an ihnen hängt – weg damit. Denn auch wenn einem das Herz blutet – danach ist das Manuskript fast immer besser geworden, und das spornt an.
  8. Liebe deine Figuren. Und tue für sie, so viel du kannst. Sie in einem unfertigen Manuskript zu belassen fanden wir nie besonders nett, und sie nur halbherzig mit Leben zu füllen auch. Man sollte überarbeiten, bis die Welt, in die man sie „hineingeschrieben“ hat, optimal passt – in gewisser Weise schuldet man es ihnen.
  9. Ganz praktisch: Zwischenspeichern, Backups machen, ordentlich archivieren. Virenscanner kann auch nie schaden.
  10. Do what you love, love what you do. Denn deswegen hat man das Buch doch geschrieben, oder?

4 Gedanken zu “10 Schritte zur Überarbeitung des Manuskripts

  1. Mit 7. hatte ich schon immer so meine Schmerzen.
    Im Grunde ist jede Geschichte rundweg überflüssig, man könnte sie also ganz streichen.
    Mir als Leser gefallen häufig die Teile einer Geschichte am besten, die nicht direkt zum Plot beitragen.
    Aber andererseits kaufe ich meine Geschichten sowieso nicht, deshalb hat es für mich relativ wenig Sinn, sich an mir als Leser zu orientieren…

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  2. Du hast natürlich völlig recht – wieso schreiben wir die Geschichten überhaupt? Ich sehe es so: Uns selbst sind alle kleinen Teile der Geschichte im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen, weil wir wissen, wo/wann/wieso sie entstanden sind. Unsere Leser kennen diese „Geschichte der Geschichte“ nicht und müssen von dem, was sie in der Endfassung lesen, überzeugt und berührt werden. Wenn eine scheinbar unwichtige Plotline das schafft (obwohl sie vielleicht nicht viel zur Handlung beiträgt), lasse ich sie meistens drin. Wenn sie ehrlicherweise einfach nur mir gefällt, aber sonst weder Relevanz hat noch auf besondere Weise direkt zum Leser spricht, werfe ich sie raus.

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