4 Typen von Charakteren im Fantasyroman

1. Bezugsperson

Romane haben immer Hauptcharaktere und Nebencharaktere. Die Hauptcharaktere sind die Helden, und das sind in der Regel eine bis zwei Personen.

Diese Anzahl an Charakteren im Roman ist natürlich kein Muss. Auch wir haben vier Hauptfiguren, wichtig, wenn man mehrere Helden hat: Der Inhalt, das was man erzählen will, muss es hergeben, dass keine der Figuren unnötig eingeführt wird. Für jeden Charakter muss also genug Stoff vorhanden sein und jeder braucht seine eigene Stimme, eindeutige Probleme, die nur er hat und einen eigenen Willen. Dazu gibt’s weiter unten, bei Punkt 3, noch mehr Infos.

Für uns ist beim Schreiben immer wichtig: Der Leser sollte sich mit der Bezugsperson identifizieren können; meist wird auch aus der Sicht dieser Person geschrieben. Es ist zum Beispiel ungeeignet, aus der Sicht eines Serienmörders zu schreiben. Dieser eignet sich für den Großteil der Leser nicht als Identifikationsfigur. Man kann natürlich im Laufe des Romans einmal in die Sicht des Mörders wechseln, wenn es für den Handlungsverlauf notwendig ist.

Mehr dazu aber unter Mystifizierung der Charaktere, weiter unten bei Punkt Nummer 4.

Es gibt aber auch Autoren, die davon überzeugt sind, dass gerade die Hauptfigur eines Romans ganz anders als die Leser sein sollte, damit sie für den Leser spannend wirkt und das verkörpert, was er gerne wäre, aber nicht ist.

Welcher der beiden Ansätze für einen selbst und die eigene Geschichte am besten passt, muss man letztlich selbst herausfinden.

2. Anzahl der Figuren

Wir haben schon erklärt: Im Normalfall gibt es eine bis zwei Hauptfiguren.

Es sollte natürlich auch Freunde, Familie, Schulkameraden, Arbeitskollegen etc. der einzelnen Figuren geben, aber man sollte immer darauf achten: Nicht zu viele Charaktere! Vor allem sollte man nicht schon in den ersten Kapiteln eine Vielzahl an Personen einführen, denn der Leser wird sich irgendwann kaum noch orientieren können und die Figuren verwechseln.

Ist man schon weiter in der Geschichte fortgeschritten, spricht natürlich nichts dagegen, auch weitere Figuren einzuführen, sofern sie für die Handlung notwendig sind.

3. Facettenreiche Charaktere

Dass es Hauptcharaktere und Nebencharaktere gibt, ist logisch. Trotzdem sollte es auf keinen Fall Figuren geben, die für die Geschichte überflüssig sind. Wenn sie keine Rolle im Roman haben, dann müssen sie gehen. Nichts ist schlimmer, als vier Nebencharaktere zu haben, die der Leser immer wieder durcheinander wirft, weil sie nicht gut ausarbeitet sind. Um das zu vermeiden, kann eine Liste helfen:

  1.     Was treibt die einzelnen Charaktere an?
  2.     Was ist ihr größter Wunsch?
  3.     Welche ist ihre größte Angst?
  4.     Was soll die Figur am Ende erreichen?

4. Mystische Charaktere

Es wird immer aus der Sicht irgendeines Charakters erzählt. Ob der Leser während des Romans nur aus Sicht einer einzigen Person lernt, oder ob er Einsicht in verschiedene Figuren erhält, bleibt dem Autor natürlich selbst überlassen. Aber eines ist wichtig: Umso weniger der Leser aus den Gedanken eines Charakters erfährt, umso unberechenbarer wird er auch für den Leser. Und das ist vor allem dann von Vorteil, wenn eine Person für den Leser zweifelhaft erscheinen soll. Ist die Figur auf der guten Seite? Oder kämpft sie für das Böse? Kann man ihr vertrauen oder nutzt sie den Helden aus? Wenn sich solche Fragen auftun sollen, dann am besten nicht so oft aus Sicht des betreffenden Charakters schreiben.

Und: Vor allem aus Sicht des Bösewichts sollte nicht geschrieben werden. Das würde zu viel verraten und den Kampf des Guten gegen das Böse nicht mehr spannend machen. Ganz spannend ist in diesem Zusammenhang auch dieser, nicht im Buch gedruckte, Prolog aus Cassandra Clares „City of Bones“: City of Bones Deleted Scenes


3 Gedanken zu “4 Typen von Charakteren im Fantasyroman

  1. Es ist zum Beispiel ungeeignet, aus der Sicht eines Serienmörders zu schreiben.

    D’Oh!

    man sollte immer darauf achten: Nicht zu viele Charaktere!

    Ui.

    Und: Vor allem aus Sicht des Bösewichts sollte nicht geschrieben werden.

    Och Menno!

    Na gut, zwei von fünf. Ich hab schon schlechter abgeschnitten.
    Aber hier

    Umso weniger der Leser aus den Gedanken eines Charakters erfährt, umso berechenbarer wird er auch für den Leser.

    meint ihr unberechenbarer, oder?

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    1. Oops, jap, „unberechenbar“, danke 😉
      Das ist ja auch alles nicht unbedingt ein Muss, nur aus unserer Sicht vorteilhaft beim Schreiben. Wenn man mit anderen Elementen besser auskommt, oder einen auch die Sicht der Bösewichter reizt, ist ja auf jeden Fall nichts dagegen einzuwenden, es damit auch auszuprobieren. Nur dann weiß der Leser ja, wie er denkt und kann die Schritte viel einfacher nachvollziehen, was man vielleicht manchmal vermeiden möchte 😉

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      1. Ich fühlte mich auch nicht im Ernst angegriffen, aber es drängt sich in Anbetracht der ersten Regel auf, weil mein allererster Roman ja gleich aus der Sicht einer Serienmörderin geschildert ist. Aber ich kann es auch in der Tat nicht zur Nachahmung empfehlen, denn kürzlich hat ihn beispielsweise eine Agentur mit genau der hier angekündigten Begründung abgelehnt, der Leser könne sich mit so jemandem nicht identifizieren.

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