5 Kriterien des Romanaufbaus

Heute haben wir wieder ein paar Schreibtipps für die Autoren unter unseren Leserinnen und Lesern zusammengestellt. Es geht um das Handwerk des Schreibens, um einige Grundregeln, die wir beim Schreiben selbst formuliert haben oder die wir in literarischen Schreibkursen gelernt haben. Natürlich muss man das nicht alles umsetzten, aus unserer Sicht kann es beim Schreiben aber vorteilhaft sein, sich an die Regeln zu halten.

Viele Menschen haben Fantasie und fast genau so viele Menschen wollen aus dieser Fantasie ein Buch entstehen lassen. Aber nicht alles, was einem in den Kopf kommt, lässt sich einfach aufschreiben und ist dann für andere, außer für einen selbst, spannend.

Abgesehen davon, dass es sich um eine ziemlich gute Idee handeln sollte, damit möglichst viele Leute die Story lesenswert finden, sollte sie auch so erzählt sein, dass andere Spaß an ihr haben. Deshalb sollte der, der ein Buch schreiben will, einige Regeln des Handwerks Schreiben beachten. Ein paar der wichtigsten Grundregeln haben wir hier aufgelistet.

1. Kickstart

Die Geschichte sollte den Leser sofort reinziehen. Welche Situation haben wir am Anfang der Geschichte? Zeit, Ort? Hier sollte eine Unmittelbarkeit gelingen, also keine umständliche Einleitung!

Märchen fangen meistens so an: „Es war einmal … und dann, als … und danach …“ Dahinter steckt ein Ordnungsprinzip, das durchaus nützlich sein kann. Aber häufig kommt es dadurch zu umständlichen Konstruktionen, weil man zu viel erklären, zu weit ausholen muss („denn damals war es so dass … begab es sich …“).

Den idealen Anfang kann man sich wie die Abfahrt eines Zuges vorstellen: Man setzt sich in Bewegung, und zwar nicht träge wie eine alte Lokomotive, sondern schnell. Mit einem Kickstart. Und genauso schnell geht es weiter, immerzu.

Ein Beispiel:

„ ‚Du willst mich wohl verarschen’, sagte der Türsteher und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust.“

Das ist der Anfang des ersten Kapitels aus City of Bones – Chroniken der Unterwelt von Cassandra Clare.

Der Leser ist sofort in der Handlung, mitten im Dialog. Allein die Tatsache, dass mit wörtlicher Rede angefangen wird, hilft oft schon für den Kickstart zu sorgen.

Im Zitat von Cassandra Clare spricht ein Türsteher mit jemandem, dem er wahrscheinlich gerade den Zugang zu etwas verweigert. Der Leser fragt sich: Mit wem redet der Türsteher? Wer ist das, der den Türsteher „wohl verarschen“ will? Wie kommt der Türsteher überhaupt darauf, dass er verarscht wird? Und wo will die Person hinein? Warum wird ihr der Zugang womöglich verwehrt? Warum will die Person dort hinein?

Bei so vielen Fragen, die der Leser beantwortet wissen will, ist es wahrscheinlich, dass er weitelesen wird. Und genau das ist das Ziel des Kickstarts.

Mehr zum Kickstart haben wir aber auch noch einmal im Kapitel „Der Einstieg in den Fantasyroman: Ein Kickstart“ zusammengestellt.

2. Fahrt aufnehmen

Nach dem Kickstart geht es mindestens genau so schnell mit der Handlung weiter. Der schnelle, zügige Start ist nur der Vorwärmer für den eigentlichen Start, für das, was uns in die Welt des Romans bringt.

Der Roman wird vom Kickstart angezogen, aber dann läuft er selbst weiter. Nach dem Kickstart sollte man durchstarten. Jede Geschichte in der Geschichte, jede Szene, trägt dazu bei, dass der Roman zu dem Ziel geführt wird, wo er hin soll.

Daher sollte bei jeder Szene und bei jeder Passage geprüft werden: Nimmt die Geschichte Fahrt auf? Ist dieser Abschnitt handlungsrelevant? Gibt es einen Kick? Und teilt sich dieser Kick auch meinen Lesern mit?

Wenn Passagen nicht zielführend sind, nicht ziehen, nur plätschern, dann werden sie umgeschrieben oder werden gelöscht. Und auch dann, wenn wir sie lieben. Denn jeder Abschnitt trägt einen Teil des Romans in sich (zumindest ist das das Ziel). Deswegen sollte man sich immer wieder fragen: Hat jede Szene meiner Geschichte eine Bedeutung im Gesamtzusammenhang? Was soll mit der Szene gezeigt und erreicht werden?

Diese Fragen sollte man im Kopf behalten. Denn das ist das Eigentliche, das man beim Schreiben beachten sollte. Sprachliche Verbesserungen am Text können zum Schluss folgen. An erster Stelle geht es um den Inhalt.

3. Stimmung aufbauen

Kann man sich dorthin versetzen, wo die Handlung stattfindet? Kann man sich in die Personen hineinversetzen, sich mit ihnen identifizieren, ihre Probleme erkennen? Es sollte eine Komposition entstehen, es geht um die Organisation unterschiedlicher Teile der Geschichte. Für Stimmung sorgen ein stetiger Fluss in der Handlung, Berührungspunkte der Szenen untereinander, aber auch Beschreibungen von Orten. Zum Beispiel lässt die Beschreibung der Geräusche, des Dufts oder Kaffees eines Wiener Kaffeehauses dem Leser die Möglichkeit sich zu fühlen, als wäre er genau dort. Oder wenn man über Paris schreibt, dann heißt die U-Bahn Métro, befindet die Handlung sich in London, dann ist es die tube.

Man kann aber auch bestimmte Wortwahlen treffen, um Stimmung aufzubauen: Wiederholungen, Vergleiche, Bilder durch Worte erstellen, ein bestimmter Satzbau sorgen für das Gefühl zum Text.

4. Show, don’t tell

Ganz wichtig: Nicht so viel erklären, sondern die Figuren handeln lassen. Zeige durch ihre Aktionen die Eigenschaften der Figuren und vermittle dadurch, was sie antreibt. Erkläre nicht, wie die Umgebung aussieht, sondern lasse deine Figuren die Umgebung erleben. Das ist viel spannender und liest sich nicht wie eine Vorlesung oder Rede.

Dazu gibt’s hier auch noch einen tollen Beitrag: Show, Don’t Tell—But How?

5. Adjektive vermeiden

Keine Adjektive, bitte. Also natürlich nicht gar keine Adjektive, aber solche Sätze sollten unbedingt vermieden werden:

Langsam schob Natalie die alte Dame in dem schweren Stuhl den grünen Gang entlang. Er war um diese späte Zeit wenig benutzt und am Ende hing ein großer Spiegel. Natalie suchte in ihrer abgegriffenen Tasche nach einem kleinen Block und drückte ihn, nachdem sie ihn gefunden hatte, in die zittrige Hand der alten Dame. Ein kurzes Flimmern in deren Augen verriet, dass sie verstanden hatte.

Adjektive lassen sich zwar wie Ornamente nutzen, man kann sie zur Verzierung der Geschichte einbauen. Aber in jedem Fall sollte mit ihnen sparsam umgegangen werden. Wir müssen unseren Lesern zutrauen, dass sie sich das, was unsere Figuren sehen, vorstellen können. Dass sie durch die Gefühle, die wir ihnen über die Handlungen unserer Charaktere vermitteln, in die von uns geschaffene Welt eintauchen. Und dafür braucht man keine Adjektive, sondern eine spannende, gut erzählte Handlung die den Leser mitreißt und berührt.


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