8 Gründe warum wir YA lesen (und schreiben)

An der Uni bekommt man beigebracht, dass man zuerst seine Begriffe definieren soll. Also fange ich damit an. Ich verwende den englischsprachigen Begriff Young Adult (YA) für Jugendliteratur. Erstens natürlich, weil er kurz und und knapp ist. Zweitens aber auch, weil „young adult“ das Wort „adult“ einhält und damit schon impliziert, dass die Bücher, die die Kategorie enthält, sich auch an junge Erwachsene richten. Cassandra Clare hat zu dem Thema einmal geschrieben:

„There are a lot of adults who read YA, because they like a good story, no matter the age of the protagonist. And there are other people who dismiss those readers as stupid and the books as inferior because they’re about teenagers. And I think that’s silly. […] I genuinely think the best thing to do is judge a book on its individual merits, and not the age group you perceive it as being marketed at.“ (Quelle: Cassandra Clares Tumblr)

Überhaupt gefällt mir die Idee, dass die Altersangabe, die mit YA einhergeht, eigentlich keine Begrenzung darstellt (zum Beispiel 12-18), sondern vielmehr eine Art Einstiegsalter beschreiben sollte.

Hilfreich sind auch Veronica Roths Gedanken dazu. Punkt 3 auf ihrer Liste Reasons Why Your Non-Writer Friends Think You’re Crazy (ich liebe diese Liste!) heißt „You read Young Adult books. Is this some kind of childhood regression thing? Are you trying to get in touch with your inner child? Can’t you watch Disney movies instead?“ Nicht irre machen lassen vom Rest der Welt!

Der Punkt ist wahrscheinlich, dass YA mittlerweile weitgehend „Crossover“- oder „All-Age“-Literatur ist, die von verschiedenen Altersgruppen gelesen werden kann und auch gelesen wird (auch wenn das noch nicht jeder begriffen hat). Dabei sind Bücher mit Teenagern als Protagonisten nicht notwenigerweise weniger anspruchsvoll als solche, die sich an Erwachsene richten und von Erwachsenen erzählen. Veronica Roth hat auch dazu einen interessanten Beitrag geschrieben in dem sie berichtet, wie sie selbst als Autorin sich davon gelöst hat, ihre Arbeit als weniger ernstzunehmend zu begreifen, nur weil ihre Bücher sich an Jugendliche richten.

Und deshalb lesen (und schreiben) wir YA:

  1. Gibt es eine spannendere Lebensphase? Ich selbst könnte zwar darauf verzichten, nochmal 16 zu sein. Aber damals erschien alles wichtig. Die Entscheidungen, die man trifft, scheinen so viel Tragweite zu haben. Man muss überlegen, wer man ist und wer man sein will. Und alles scheint möglich. Deshalb gilt auch:
  2. Probleme sind nicht weniger als weltbewegend. (Als Teenager dachte ich mehr als einmal, die Welt würde untergehen – und das nicht nur, weil das zur Zeit der Jahrtausendwende war.)
  3. Es darf auch mal das ganz große Drama sein. Und YA ist sich nicht zu schade dafür. Das macht es vor allem eins:
  4. Ehrlicher. Die Protagonisten in YA-Büchern müssen Probleme lösen, die auch Erwachsenen nicht fremd sind. Themen wie die eigene Identität, die Liebe, Ziele und Wünsche können mit Teenagern als Protagonisten oft viel offener und ehrlicher angesprochen werden.
  5. Und manchmal ist YA auch unrealistischer, aber auf eine gute Art und Weise. Geschichten werden schließlich gelesen, weil sie gerade nicht so sind wie unser Alltag. Hier tut YA es sich oft leichter.
  6. Teenager sind vielleicht naiver, aber auch idealistischer. Daraus lassen sich spannende Konflikte stricken und es macht die Figuren überaus interessant. Man kann sie in Situationen werfen, aus denen sie nicht mehr so einfach herauskommen, weil sie sich in ihren eigenen Idealen verheddern, oder man schickt sie durch die Hölle um zu sehen, ob sie daran festhalten können. (Der Punkt, den ich machen will: Figuren mit Idealen zu quälen macht mehr Spaß.)
  7. Teenager sind oft wagemutiger, und sie neigen dazu, sich selbst zu überschätzen. Das macht es leicht, sie in lebensgefährliche Situationen zu bringen. Das liest man gern, und man schreibt es noch lieber.
  8. In YA ist es nicht verwerflich, zu unterhalten. Ein Buch, das nicht „reinzieht“, wird nicht gelesen. Das gilt zwar grundsätzlich für alle Bücher, aber in der Erwachsenenliteratur wird auch so einiges gelesen, weil es gute Literatur ist. Damit kommt man in YA nicht so weit. Anspruch sollte also sein, eine gut geschriebene Geschichte so zu gestalten, dass sie unterhalten und gleichzeitig eine Botschaft transportieren kann.

Wer hat andere Gründe? Wo stimmt ihr zu, wo widersprecht ihr?

Wen interessiert, warum andere Autoren YA schreiben, findet hier ein paar interessante Gedanken:

„Why I Write YA“ von Kate Hart
„Why I write YA“ auf Untethered Realms
„The Millennials, or; Why I Write NA (and YA)“ von Jen McConnel
„25 Things You Should Know About Young Adult Fiction“ von Chuck Wendig
„Why I write young adult fiction“ von Malinda Lo
Thalia Book Club Camp and Why I Write for Teenagers“ von Phoebe North


6 Gedanken zu “8 Gründe warum wir YA lesen (und schreiben)

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