Bin ich Schriftsteller oder Autor?

Ich habe einen Artikel von Chris Nolde auf Vorsicht Buch gelesen, in dem er unter anderem diese Frage stellt:

Wann ist man Schriftsteller? Mit Erscheinen der ersten Publikation? Oder mit der zweiten? Bei der ersten nennenswerten Kritik?
(Quelle: Chris Nolde: Nach sechs Semestern Schriftsteller?)

Ein Thema, über das ich schon oft nachgedacht und auch schon viel gelesen habe. Und als ich den Beitrag von Chris Nolde gelesen habe, wollte ich auch auf Geteiltes Blut einmal zur Diskussion zu dem Thema anregen. Denn für mich ist es vielmehr die Frage: Wann ist man kein Schriftsteller? Klar, wenn man nichts schreibt, dann ist man auch kein Schriftsteller.

Aber:

  1. Jemand zeichnet gerne oder erstellt Bilder am Computer und stellt die Bilder auf den eigenen Blog. Ist er ein Künstler?
  2. Jemand dreht Kurzfilme, in seiner Freizeit, die er Freunden vorspielt oder die in Museen gezeigt werden. Ist er Regisseur?
  3. Jemand treibt Sport, im Wald, im Verein, alleine. Ist er Sportler?
  4. Jemand spielt ein Musikinstrument, geht zum Unterricht, spielt im Orchester. Ist er Musiker?

Für mich in allen Fällen ein klares Ja. Das heißt aber auch: Es ist kein Hochschulabschluss, der einen dazu befähigt, sich „Schriftsteller“ nennen zu dürfen. Schriftsteller ist jeder, der schreibt. Autor ist jeder, der mindestens ein veröffentlichtes Werk vorweisen kann (das sehe nicht nur ich so, sondern auch einige Verlage).

Elizabeth Gilbert schreibt beispielsweise:

I’m a runner. Doesn’t matter that I’m not an Olympian. I’m doing it, period.
(Quelle: Facebook Elizabeth Gilbert)

Und auch John Hansen schreibt in seinem Beitrag Why There Is No Such Thing as a Teen Writer:

My point being: when you write, you’re a writer.
(Quelle: teenscanwritetoo.wordpress.com)

Genau so sehe ich das auch! Was denkt ihr darüber? Wer ist Schriftsteller, wer Autor? Wie seht ihr euch, was sagt ihr über euch?

alexa

 

 


4 Gedanken zu “Bin ich Schriftsteller oder Autor?

  1. Hallo ! Bin gerade zufällig auf diesen Eintrag gestoßen. Ein interessantes Thema, worüber ich auch schon häufiger nachgedacht habe. Immer wenn mich Leute fragen: Was machst du? Das passiert schon beim Zahnatzt, wenn ich eine Berufsbezeichnung angeben muss. Als ich in den USA gelebt habe, habe ich gesagt: I’m a writer. Das trifft es, denn das ist es, was ich hauptsächlich tue. In vielen Formaten. Eigentlich sagt man in den USA nie: I’m an author. Man sagt nach „writer“ dann vielleicht noch: I’m writing screenplays, or I’m a TV-writer etc.. Aber hierzulande scheint mir der Ausdruck Schriftsteller manchmal so behäbig, ernst und fast einer anderen Generation zugehörig, was natürlich Quatsch ist. Thomas Mann ist ein Schriftsteller, aber ich? Allerdings bin ich Autor, weil ich Texte, Bücher, Aufsätze veröffentlich und meistens sage ich dann hier: Ich bin Autor. Aber das trifft es eigentlich nicht, denn dann geht es nur um die Dinge, die man im Verlag veröffentlicht hat und ich weiß, dass ich vor ein paar Jahren, als ich „nur“ Sachbücher veröffentlicht habe, erst Recht nicht wußte, mir immer wie ein Hochstapler vorkam, was natürlich auch Blödsinn ist.
    Aber genau wie du sagt, sagt man in den USA ja auch immer: I’m an artist, wenn man eben AUCH Kunst macht (und sonst Lehrer ist oder was auch immer).Ich denke, es wäre schön, wenn einem hierzulande das „Schriftsteller“ wieder leichter über die Lippen ginge. So, jetzt schreibe ich selbst schon so lange – eigentlich wollte ich nur sagen: dein Beitrag spricht mir aus der Seele…

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    1. Liebe Julia,
      danke dir für deinen Beitrag! Ich freue mich, dass dich der Blogpsot anspricht.
      Ich habe mich auch gefragt, wieso writer es in den USA einfacher über die Lippen bekommen, sich als das zu bezeichnen, was sie sind und über das zu definieren, was sie tun. Ich komme zu dem Schluss, dass es zu einem Großteil das Selbstverständnis eines jeden ist, das er in dieser Bezeichnung unterbringt. Die US-Amerikaner, mit denen ich Kontakt habe, finden per se erst einmal alles irgendwie erreichbar und diese Haltung erinnert doch immer noch sehr an den American Dream. In Deutschland dagegen habe ich das Gefühl, dass „kreative Träumerei“ nicht genauso selbstverständlich ist. Das heißt auf der einen Seite, dass andere uns vielleicht nicht ernst nehmen, wenn wir sagen „Ich bin Schriftsteller.“ Auf der anderen Seite heißt es aber auch, und das finde ich viel wichtiger, wir trauen es uns selbst nicht zu, uns so zu nennen. Ich glaube, das ist das eigentliche „Problem“. Wir als Schriftsteller, Autoren oder wie wir uns nun nennen wollen, sollten das auch mit Gewissheit tun und selbst dahinter stehen.

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