Warum Schriftsteller Sonnenbrillen tragen sollten

Foto: Pinterest

Wir haben an der einen oder anderen Stelle über  Inspiration und Ideen gebloggt. Die beste von allen ist aber die: Leute beobachten.

So geschehen vor ein paar Tagen, als ich in reizender Begleitung (möglicherweise war das Alexa) in einer mittelgroßen europäischen Stadt unterwegs war. Wir waren in eine angeregte Unterhaltung vertieft, als eine Gruppe sich an den Tisch gegenüber setzte.

Es waren 2 Jungs und 2 Mädels, vielleicht im Studentenalter, und wenn ich das alles genau so in einem Roman verwendet wäre, würde man mich gnadenlos für das Verwenden von Stereotypen abstrafen. Aber die Gruppe bestand tatsächlich aus

  • dem wahnsinnig gutaussehenden, wahnsinnig eingebildeten Kerl,
  • seinem weniger gutaussehenden Sidekick, der sich permanent um die Mädels bemühte, insbesondere um
  • die hübsche Blondine mit den Modelmaßen, die ihn ganz offensichtlich zappeln ließ, und die, obwohl sie wirklich ziemlich hübsch war, nur so ins Auge fiel wegen
  • ihrer besten Freundin, die objektiv betrachtet ja auch ganz hübsch war, aber neben der Blondine eben doch nur eine graue Maus, die nur dort zu sein schien, weil jede Hauptfigur eine Nebenfigur braucht.

Unsere Unterhaltung verstummte und wir begannen, uns auf das Schauspiel zu konzentrieren, das sich ankündigte, als

  • die zweite Blondine, im schulterfreien Top, dazu stieß, die Aufmerksamkeit der Herren auf sich zu ziehen begann und dafür gehässige Blicke von der ersten Blondine erntete.

(Dass wir es mit unserem Interesse etwas übertrieben hatten, wurde uns klar, als der wahnsinnig gutaussehende Typ uns auf einen Drink einlud. Er hatte unsere faszinierten Blicke wohl missverstanden. Deshalb mein Plädoyer für Sonnenbrillen. Dann fällt es weniger auf.)

Solche Geschichten, oder Schatten von Geschichten, begegnen uns jeden Tag, überall. Die Kolleginnen, die sich morgens in der U-Bahn von ihrem Wochenende erzählen. Die Frau, die vor uns in der Schlange steht und sich mit der Kassiererin über ihren Schwiegersohn unterhält. Der Mann, der neben uns an der Haltstelle wartet und sich am Handy mit seiner Freundin streitet.

Das echte Leben da draußen ist der Fundus, aus dem wir als Schriftsteller schöpfen können. Und deshalb sollten wir manchmal – trotz Szenen, die geschrieben werden wollen, obwohl die nächste Überarbeitungsrunde noch nicht fertig ist – einfach mal den Laptop zuklappen und rausgehen.

Aber Sonnenbrille nicht vergessen.

Alena


8 Gedanken zu “Warum Schriftsteller Sonnenbrillen tragen sollten

  1. Die Frage ist jetzt: Habt ihr die Einladung zum Drink angenommen?

    Nein, ehrlich, ich ertappe mich auch ständig beim Starren auf faszinierende Menschen und würde mich wohler fühlen, wenn es von ihnen unbemerkt bleiben würde. 😉

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    1. Wir haben abgelehnt…Und damit den Typen ziemlich verärgert, weil er offenbar nicht damit gerechnet hat, dass eine Frau (und nun waren wir sogar zwei!) ihm und seinem Blick widerstehen kann. Kurzzeitig haben wir überlegt, das Genre zu wechseln und nur noch Psychothriller zu schreiben. Mit ihm als Protagonist, versteht sich. 😉

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