Die Woche in fünf Kategorien – 09.02.2014

Schriftsteller sein bedeutet, jeden Tag zu schreiben. Schriftsteller sein bedeutet aber auch, viel zu lesen und sich überall inspirieren zu lassen. Diese Woche hat uns Folgendes besonders inspiriert und gefallen.

1. Artikel der Woche: A list of reasons why our brains love lists.

Maria Konnikova schreibt dazu:

[… I]t promises a story that’s finite, whose length has been quantified upfront.
(Why our brains love lists.)

2. Buch der Woche: Schiller, Lotte und Line von Ursula Naumann.

Ich werde ja nicht müde zu schreiben, dass man als Schriftsteller auch andere Genres lesen soll (zum Beispiel hier oder hier). Das Buch dieser Woche kommt aus einem Genre, wie es entfernter zu dem, was wir so schreiben, nicht sein könnte:

Schiller, Lotte und Line – Eine klassische Dreiecksgeschichte von Ursula Naumann. Foto: insel taschenbuch EUR 8,00

Schiller, Lotte und Line – Eine klassische Dreiecksgeschichte von Ursula Naumann ist eine Sammlung von (Liebes-) Briefen des Dichters Friedrich vom Schiller, zwischen ihm und seiner (zuerst noch Freundin, später Ehefrau) Charlotte von Lengefeld und deren (verheirateter) Schwester Caroline. Weitere Dokumente, wie Zeichnungen, Gedichte und Briefwechsel mit Bekannten und Freunden beschäftigen sich ebenfalls mit der Liebe Schillers zu den beiden Damen. Schon damals gab’s also ein klassisches Love-Triangle. Nur, dass es nicht ausgedacht, sondern echt ist. Ein zweites Love-Triangle gab es übrigens bei einer Freundin von Charlotte und Caroline: Caroline von Dachböden bandelte mit Carl von La Roche und Wilhelm von Humboldt an (weiter unten gibt’s heute noch was zu seinem Bruder, beim Film der Woche).
Von all diesen Dreieckskonstellationen und Intrigen, bei denen auch Charlotte von Stein und Charlotte von Kalb heftig mitgewirkt haben, erzählen die Briefe.
Ursula Naumann hat eine Sammlung erstellt, die sie an der ein oder anderen Stelle ergänzend kommentiert. Eine sehr spannende Zusammenstellung, die sich für jeden lohnt, der Lust hat, einmal eine „bislang nur wenig bekannte Seite des Dichters“ (Suhrkamp) kennenzulernen.
Caroline von Dacheröden heiratete später übrigens Wilhelm von Humboldt.

3. Accessoires der Woche: Notizbuch Whitelines Link von Leuchtturm.

Bei diesen Notizbüchern mit grauem Hintergrund und weißen Linien lassen sich per Hand geschriebene Geschriebene mit einer Smartphone-App  digitalisieren, speichern oder versenden.

4. Film der Woche: Die Vermessung der Welt.

Nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann.
Regie: Detlev Buck.
Drehbuch: Detlev Buck, Daniel Kehlmann und Daniel Nocke.
Besetzung: Albrecht Abraham Schuch (Alexander von Humboldt) und Florian David Fitz (Carl Friedrich Gauß).
Kinostart: 25.10.2012.

Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß machen sich Anfang des 19. Jahrhunderts auf, die Welt zu entdecken. Ihre Methoden könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Naturforscher Humboldt reist in ferne Länder, um die Welt zu vermessen. Der Mathematiker Gauß bleibt zu Hause, um sie zu berechnen.

Albrecht Abraham Schuch als Alexander von Humboldt auf Reisen. Foto: Warner Bros. Entertainment GmbH

Schon die Kindheit der weltbekannten Wissenschaftler Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß trennt die beiden: Während Humboldt aus einer Adelsfamilie stammt und Privatunterricht erhält, wächst Gauß in prekären Verhältnissen auf. Doch das mathematische Genie des kleinen Jungen bleibt nicht unerkannt, und der Herzog von Braunschweig fördert ihn mit einem Stipendium. Auch der kleine Alexander – weniger genial veranlagt als Gauß, aber aufgeweckt und voller Entdeckungsfreude – kommt in den Genuss der herzoglichen Zuwendungen. Beide Kinder werden die Welt entdecken, doch unter höchst unterschiedlichen Vorzeichen.

Der Naturforscher Humboldt lässt die stickige Enge seiner Heimat hinter sich und reist in ferne Länder, um die Welt zu vermessen. Immer an seiner Seite ist der wissenschaftliche Kollege Aimé Bonpland, dessen französisches „Laissez-faire” von dem Preußen Humboldt ein wenig beneidet wird. Gemeinsam erforschen sie fremde Kulturen, exotische Tiere, traumhafte und lebensfeindliche Landschaften. Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß legt unendliche Weiten in seinem Kopf zurück, erfasst die Flächen der Erde mit den Mitteln der mathematischen Abstraktion. Ihm zur Seite steht seine Frau Johanna, die mit ihren einfachen Fragen die Antwort auf so manches mathematische Rätsel gibt und damit Gauß, der keinen ebenbürtigen Gesprächspartner kennt, zumindest in Teilen verstehen kann. 

Florian David Fitz als Carl Friedrich Gauß. Foto: Warner Bros. Entertainment GmbH

Leider stirbt Johanna viel zu früh. 1828 begegnen sich die beiden Wissenschaftler bei einem Naturforscherkongress in Berlin. Beide sind Koryphäen auf ihrem Gebiet. Humboldts Sammlungen exotischer Tiere werden bewundert, man hört seinen Vorträgen begeistert zu. Er plant und entwickelt neue Projekte und verwaltet seinen Ruhm. Gauß hat sich zurückgezogen, sein Meisterwerk „Disquisitiones Arithmeticae” war zu revolutionär, als dass es die Zeitgenossen verstehen könnten. Er wird bewundert, aber nicht verstanden. Sein Sohn Eugen begleitet ihn, da Gauß das Reisen hasst. Die Begegnung zwingt die beiden Geistesgrößen, ihre festgefahrenen Strukturen aufzubrechen – wider Erwarten wird die Reise zu einem Neuanfang.
(Quelle: Die Vermessung der Welt.)

Mir gefällt der Film, weil er auf eine spannende Art und Weise die unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden der Naturwissenschaften zeigt und dabei trotzdem nicht zu einem Lehrstück wird, sondern den Zuschauer mitnimmt auf eine Reise. Eine Reise, die von Deutschland nach Amerika führt, eine Reise, die auch in die untersten Schichten der Gesellschaft im 19. Jahrhundert führt und eine Reise zu sich selbst. Sehr schön!

 5. Und zum Schluss: Das Zitat der Woche.

Foto: Pinterest

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