Über Agenten und schräge Ideen

“ […] I’m also always looking for that new paranormal or urban fantasy that just sucks me in and truly stands out from the slush pile.“
(Quelle: LITERARY AGENT INTERVIEW: TAYLOR MARTINDALE OF SANDRA DIJKSTRA LITERARY AGENCY)

Letzte Woche habe ich versprochen, einen Beitrag dazu zu schreiben, dass wir uns nicht weiterentwickeln, wenn wir nur das schreiben, was sich gerade gut verkauft. An dem obigen Zitat der US-amerikanischen Literaturagentin Taylor Martindale lässt sich das, wie ich finde, sehr schön zeigen. Es geht ihr nicht darum, Urban oder Paranormal Fantasy zu vertreten, weil einige solcher Werke gerade die Bestsellerlisten bevölkern (zum Beispiel Cassandra Clares Shadowhunter-Serie, Charlaine Harris‘ Sookie Stackhouse-Bücher). Sondern es geht darum, dass es sich um ein Werk handeln sollte, das anders ist als das, was man so kennt.

Das, was Geschichten spannend, aufregend und neu macht ist das Unerwartete. Warum war die Twilight-Serie so erfolgreich? Weil es Stephenie Meyer gelungen ist, glaubwürdig darzustellen, dass Vampire doch gar nicht so schlecht sind. Das hat eingeschlagen. Aber klar, wenn wir fünf, zehn, fünfzehn Reihen gelesen und gesehen haben, in denen der heiße, männliche Vampir sich in das unschuldige, hässliche, menschliche Entlein verliebt, dann wird das langweilig. Und wir stagnieren (wenn wir uns nichts Neues überlegen – aber dazu könnt ihr hier mehr lesen).

Auch Literaturagentin Shira Hoffman sucht Schriftsteller, die ausgefallene Ideen haben, sich etwas trauen, aber gleichzeitig nicht den Fokus der Zielgruppe verlieren. Sie sagt:

“ […] Kids really connect to the grotesque, and I’d jump at the chance to have a writer on my list who can give me goose bumps, but still be appropriate for MG readers.“
(Quelle: AGENT ADVICE: SHIRA HOFFMAN OF MCINTOSH & OTIS, INC.)

Das, was Leser (und auch Agenten) suchen, ist das Neue. Ideen, die sie überraschen; Wendungen, die sie nicht erwarten. Genau so, wie vor der Twilight-Serie wahrscheinlich nur wenige (außer vielleicht denjenigen, die L.J. Smiths The Vampire Diaries-Bücher kannten) geglaubt hätten, dass wir uns in Vampire verlieben könnten. Und wer hätte gedacht, dass wir Sympathie empfinden könnten mit einem Zombie in dystopischem Setting, bevor wir R aus Warm Bodies von Isaac Marion kennengelernt haben?

Im Internet tummeln sich (vor allem englischsprachige) Literaturagentenblogs, Interviews und Agentenwunschlisten. Was sie alle gemeinsam haben: Es ist das Besondere, das gewinnt. Es darf schräg sein, und auch aufgeregt. Wir dürfen an uns zweifeln und unsere Geschichte kritisch hinterfragen. Aber wir sollten uns nicht davon abbringen lassen, zu experimentieren, vielleicht ganze Genres zu kreuzen und über das Ausgefallene zu schreiben.

Wer auf Twitter ist, kann übrigens unter dem Hashtag #MSWL (steht für Manuscript Wish List) verfolgen, was verschiedene Agenten derzeit suchen. Das lohnt sich in jedem Fall und kann sehr inspirierend sein!

Veronica Park Twitter
Foto: Veronica Parks Twitter
Carly Watters Twitter
Foto: Carly Watters Twitter

 


3 Gedanken zu “Über Agenten und schräge Ideen

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