Ein Happy End braucht ein weißes Pferd. Oder?

Und wenn sie nicht gestorben sind, …

Am Wochenende lief auf einem großen deutschen Privatsender ein Disney-Animationsfilm, der auf einem Märchen der Brüder Grimm basiert. Wie er ausging, muss man eigentlich nicht erwähnen. (Sie haben geheiratet. Obwohl kein Prinz darin vorkam. Dafür aber ein weißes Pferd.)

Weißes Pferd. Foto: Florian Lehmuth.

Ich mag keine Pferde, und mit Prinzen habe ich keine Erfahrung, aber ich begann mich zu fragen: Brauchen wir für ein echtes Happy End die (unsterbliche) Liebe (oder irgendwas in der Richtung)?

Um es gleich zu sagen: Für mich gehört in eine gute Geschichte auch eine Romanze. In ihrem Ratgeber Wort für Wort – oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben nennt die wunderbare Elizabeth George fünf Dinge, die sie über ihre Figuren unbedingt wissen muss. Darunter sind das Kernbedürfnis, die Vergangenheit, aber auch die Sexualität der Figur. Ich würde das etwas breiter auslegen und stattdessen auf das romantische Leben der Figur beziehen – also nicht nur Sex, sondern auch die (unglückliche) Liebe, (gescheiterte) Beziehungen, was die Figur von ihrem Liebesleben erwartet. Und wen sie liebt. An wen sie denkt, wenn sie nachts nicht schlafen kann. Wenn das alles fehlt, bin ich meistens ein bisschen unzufrieden.

Aber braucht die Romanze ein Happy End?

Ich hasse es, wenn man mir diese Antwort gibt (besonders, wenn ich mir die Mühe gemacht habe, einen Post bis zum Ende zu lesen), aber: Es kommt darauf an. Ich bin grundsätzlich immer sehr dafür, dass am Ende alle glücklich sind. Manche Figuren jedoch will ich auf eine Reise schicken, die länger ist, als Pferdebeine die Heldin tragen können. (Und manchmal will ich fies sein und die Leser quälen. Das kommt auch vor.) Die meisten Geschichten vertragen eine ordentliche Portion Liebe und Romantik, aber ob die bis zum Ende reicht oder auf den letzten Seiten verpufft (besser: in zerschmetternde, herzzerreißende Dramatik umschwingt), ist eigentlich nicht so wichtig.

Würde sich irgendjemand an Romeo und Julia erinnern, wenn sie glücklich gelebt hätten bis an ihr Lebensende? Eben.

Lasst uns ein paar böse ausgehende Liebesgeschichten schreiben! Wer ist dabei?

Alena

 

 


15 Gedanken zu “Ein Happy End braucht ein weißes Pferd. Oder?

  1. *hebt die Hand* Hier, hier! Bin immer mit dabei, wenn es darum geht, Charakteren das Happy End vorzuenthalten. Die müssen hart dafür arbeiten, dass sie eines bekommen, und manchmal nützt die ganze Arbeit nichts, weil das Leben eben nicht immer fair ist. Es ist nur fairer als der Tod (frei nach William Goldman).

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  2. Ganz ehrlich, kommt drauf an. Tendenziell habe ich bei Hetero-Pärchen weniger Skrupel, die Figuren zappeln zu lassen. Wenn’s nicht passt, passt es eben nicht.
    Aber es gab mal eine Zeit, noch nicht so lange her, da konnten schwule und lesbische Liebesgeschichten niemals gut ausgehen, insofern achte ich in der Regel drauf, dass die betreffenden Paare so gut zusammenpassen, dass das Happy End glaubhaft bleibt.

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    1. Guter Punkt, danke für den Kommentar! Da ich mit schwulen/lesbischen Figuren noch nicht viel gearbeitet habe, war mir dieser Aspekt gar nicht aufgefallen. Im Grunde genommen kommt es ja auch darauf an, etwas zu machen, was den Leser überrascht und zum Nachdenken bringt. Wenn das Happy End die ungewöhnlichere Lösung ist, bin ich unbedingt dafür!

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  3. Ich bin schon dabei! 🙂 Früher ging es mir so, dass ich tragisch ausgehende Liebesgeschichen à la „Romeo und Julia“ nicht ertragen konnte, heute finde ich, gibt es kaum etwas Stärkeres für eine Geschichte.

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