Gute Mädchen und Bad Boys

Eine klassische und allseits bekannte Plot-Formel ist die Einteilung der weiblichen Haupt- und Nebenfiguren in die guten und die bösen Mädchen. Die guten Mädchen kriegen am Ende den tollen Kerl, und die bösen Mädchen haben es nicht verdient. An sich ist das nicht schlimm – wollen wir nicht alle, dass die Helden am Ende das Spiel gewinnen? Die Bösen sollen untergehen, so ist das. Komisch ist nur, dass böse Mädchen und böse Jungs mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen werden. Die weibliche Nebenfigur ist eine Schlampe, wenn sie so viel Sex hat wie der männliche Held; was die weiblichen Figuren zu bösen Mädchen macht, ist für die männlichen Figuren oft total okay.

So weit, so klischeehaft. Erstaunlich ist eher, dass man immer noch so viele Beispiele für den Gebrauch dieser eher lahmen Plot-Formel finden kann. Beispiel aus gegebenem Anlass: Vor ein paar Tagen habe ich diesen neuen Film mit Zac Efron im Kino gesehen, Für immer Single? – typische romantische Komödie eben. Zac Efrons Figur ist Single und hat (ziemlich oft) Sex mit (ziemlich vielen) verschiedenen Frauen (den bösen Mädchen), die er wieder abkickt, sobald sie Ansprüche stellen. Bis er Imogen Poots‘ Figur (das gute Mädchen) kennen lernt, die er nach diversen Irrungen und Wirrungen erst abbekommt, als er sich – geläutert – zu ihr und der Beziehung bekennt. Unterm Strich: Der Frauenheld kriegt letzten Endes das tolle Mädchen rum, nachdem er sich ein wenig angestrengt hat. Der beste Freund von Zac Efrons Figur dagegen, ein netter Typ, der seine College-Freundin geheiratet hat, muss erfahren, dass sie ihn mit dem Scheidungsanwalt betrügt. Unterm Strich: Der nette Typ geht leer aus. Bei den Damen ist es genau umgekehrt: Während die „freizügigen“ Mädels am Ende keine Chance beim Helden haben, entscheidet er sich für die moralisch Erhabene.

Ich will hier nicht diesen Film schlechtmachen – bis auf die schreckliche hyper-kitschige Ansprache gegen Ende war der nämlich ganz unterhaltsam. Er hat mich aber dazu gebracht, mich selbst dazu zu ermahnen, meine Figuren mit den gleichen Maßstäben zu messen, egal ob männlich oder weiblich.

Und wie wäre es denn mal mit einer Geschichte, wo das böse Mädchen den guten Typen rumkriegt? Zumindest zeitweise – muss ja nicht gleich ein Happy End geben 🙂 Ich habe überlegt, ob mir dazu ein gutes Beispiel einfällt. Erinnert sich jemand daran, wie Carrie Bradshaw (könnte man wohl zu den bösen Mädchen zählen) in Sex and the City den guten Typen (Aidan) abbekommt? Allerdings betrügt sie ihn, und am Ende angelt sie sich doch den bösen Typen (Mr. Big). Scheint fast so, als wollten alle Mädchen, die guten wie die bösen, nur die fiesen Typen haben. Die guten Typen dagegen werden von ihren Ehefrauen betrogen (siehe oben).

Wenn das wirklich stimmt, spricht es wirklich gegen uns Frauen. Wenn das nicht stimmt, spricht es gegen all die Leute, die sich diese Geschichten ausdenken. Wollen die uns etwa glauben machen, dass Bad Boys die einzig wahren Männer sind? Und dabei sind die so anstrengend. Aber es macht wahnsinnig Spaß, über sie zu schreiben 🙂


6 Gedanken zu “Gute Mädchen und Bad Boys

  1. Es würde gegen uns Frauen sprechen? Das ist mehr als bloßes Klischee oder Plotformel. Das ist dieser ewige Hollywood-Sexismus! Oh, bei dem Thema fängt mein Blut schnell zu kochen an. 😀
    Mich langweilen sowohl „gute“ Mädchen als auch „böse“ Jungs. Ich finde, die besten sind die, die beides in sich vereinen. So ist es ja nicht nur im echten Leben, darüber zu lesen und zu schreiben ist genauso spannend. Denn bei allem anderen weiß die Leserschaft doch von Anfang, worauf es hinauslaufen wird. Überhaupt, die Betitelung „gut“ und „böse“: Wer sexuell sehr umtriebig ist, kann doch ein toller Mensch sein, ebenso gibt es ganz schön viele enthaltsame Arschlöcher.

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    1. Das eigentlich Kuriose ist ja, dass die gut/böse-Einteilung, wie sie so oft vorgenommen wird, sowieso nur für weibliche Figuren gilt. Wenn die „freizügig“ sind, gilt das gleich als moralisch fragwürdig – bei männlichen Figuren ist das entweder gar kein Thema, oder macht sie sogar zu den besseren Männern. Figuren wie Carrie oder Samantha sind Jahre nach SATC immer noch die Ausnahme. Und dass so oft in Plotlines suggeriert wird, dass man als Frau moralisch erhaben sein soll und dann vom tollen Kerl gefunden wird, wodurch der Sinn des Lebens sich praktisch automatisch und augenblicklich von selbst ergibt, geht mir einfach auf die Nerven. Das Thema bringt nicht nur dein Blut zum Kochen 🙂

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  2. Bissl zu spät auf der Party … aber als Mensch ohne Wunsch nach romantischer Zweierbeziehung komme ich mir manchmal schon ein bisschen seltsam vor. Menschen, die über ihre Partner*innen nur meckern oder schon geschieden sind, bemitleiden mich. Allgemein vermittelt der Rest der Welt mir das Gefühl, dass, egal was ich sonst so erreiche, das alles nicht so viel wert ist, wie mir irgendeine arme Seele zu angeln, die es nachher mit mir aushalten muss. Das ist traurig – erstens für mich, da unangenehm, und zweitens für alle, die offenbar so abhängig sind von dem Selbstwertgefühl, das ihnen die Partnerschaft vermittelt.
    Aber so lange, wie die Menschheit vor selbstbestimmten Frauen Angst hat … die könnten ja nachher keine Kinder bekommen, was dann unvermeidlicherweise zum Untergang der Kultur führen wird. Oder so.

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