Lasst uns lesen, was wir wollen!

Wahrscheinlich hat mittlerweile jeder von dem Slate-Artikel gehört, der zu so viel Aufruhr unter YA-Autoren und YA-Lesern geführt hat. (Falls nicht: „Against YA – Read whatever you want. But you should feel embarrassed when what you’re reading was written for children.“ – der Titel sagt eigentlich auch schon alles.) Mittlerweile wimmelt es nur so von Protest-Posts und Gegenargumenten (Twitter-Hashtag: #PromoteaYAinstead), denen ich mich größtenteils nur anschließen kann.

Niemand sollte sich für irgendetwas schämen, das er liest. Und zu sagen, dass Erwachsene kein YA lesen sollten, weil sie eben keine young adults mehr sind, finde ich ein wenig befremdlich. Fordern wir sechzigjährige Männer dazu auf, kein Fußball mehr zu gucken, weil da Zwanzigjährige über das Spielfeld rennen?

Auch, dass YA keine Genrekategorie ist, wurde eigentlich schon ausreichend diskutiert. (Ein guter Post dazu, der auch gleich ein paar YA-Leseempfehlungen beinhaltet, findet sich z.B. hier.)

Ein Punkt, den die Autorin des Slate-Artikels macht, der bei all der Polemik und der Effekthascherei (Ich meine, musste man den Titel so wählen? Immerhin hat er Klicks generiert, was ja wahrscheinlich Sinn der Sache war…) ein wenig untergegangen ist, ist ihre Forderung nach einer breiten Leseliste. Sie schreibt, YA „could plausibly be said to be replacing literary fiction in the lives of their adult readers. And that’s a shame.“ Und an diesem Punkt möchte ich zustimmen. Denn ein gut geschriebenes YA-Buch kann auch Erwachsene bereichern, indem es große, existenzielle Fragen aufwirft, wie sie so oft nur Teenager bewegen können. Was es aber nicht kann, ist die Thematisierung von manch anderer Frage, die sich für young adults (noch) nicht stellt, für older adults aber schon. Simples Beispiel: YA beschäftigt sich oft mit der Entdeckung der Liebe – ein Thema, das uns bewegt, egal, wie alt wir sind. Was aber ist mit dem Verlust der Liebe? Viele Erwachsene haben das langsame Eingehen einer großen Liebe, die doch für die Ewigkeit gedacht war, das Scheitern an Realitäten und Alltag, hautnah erlebt, aber das ist wohl eher kein Thema für YA.

Wir sollten aufhören mit den Genre- und Kategorie-Grabenkämpfen. Wir sollten gute Bücher lesen. Bücher, die uns herausfordern, die unser Weltbild auf den Prüfstand stellen, die uns zum Nachdenken bringen und ja, die uns unterhalten.

In welcher Abteilung der Buchhandlung sie stehen, ist doch eigentlich völlig egal.

Alena


4 Gedanken zu “Lasst uns lesen, was wir wollen!

  1. Ganz deiner Meinung. Was für ein schwachsinniger Artikel. Sehr engstirnige Betrachtungsweise, die ganz allein auf dem subjektiven Empfinden der Autorin basiert. Wenn sie bei YA-Literatur mit den Augen rollen muss, dann soll sie sie nicht lesen. Wenn man sich selbst mit einem Trend oder Hype nicht identifizieren kann, heißt das noch lange nicht, dass er ein schlechter ist. Es hat sich schon zigfach bewiesen, dass gute Kinder- und Jugendliteratur dadurch ihren Wert erhält, dass sie auch von Erwachsenen gelesen werden kann: Beispiel MOMO, SOPHIES WELT etc. Ich meine, dass Kinder- und Jugendliteratur, die in der Lage ist, auch Erwachsene zu bewegen, die bessere ist.

    Ach ja, der Artikel erinnert mich irgendwie an diese verrückten Aufschreie von damals, die HARRY POTTER als Satanistenwerk bezeichnet haben. Diese Leute, die immer Angst haben, dass Leser sich von Romanen so krass den Kopf verdrehen lassen, dass sie realitätsfern werden. Als würden sie wieder zu Kindern werden, weil sie Jugendliteratur lesen. Meine Güte, es gibt Leute, die lesen nichts anderes als kitschige Liebesromane und sind trotzdem lebensfähig …

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  2. Ich muss mich hier absinthefreund anschließen: Flache Fiktion gibt es sicher in jedem Genre, und für alle Altersklassen.
    Und gerade der zitierte Harry Potter beweist, dass die Schwarz-Weiß-Malerei, die die Autorin des Slate-Artikels so bemängelt, nicht allen Jugendbüchern zu eigen ist.

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