English titles auf deutschen Büchern – no thanks!

Letzte Woche war ich mit Alena in einem Buchladen unseres Vertrauens, da ich mir (zum gefühlt tausendsten Mal) die Rosemary Beach-Reihe von Abbi Glines anschauen wollte. Die Cover sind einfach so schön und jedes Mal hoffe ich, dass der Klappentext mich doch irgendwann endlich überzeugen wird. Tat er leider nicht, und auch die erste Seite zog mich nicht in die Geschichte. Leider. Okay, dachte ich mir, okay, suche ich eben was, das so ähnlich klingt. Nur besser. Ich schlich also um sämtliche Büchertische in der Romanabteilung herum, in der Hoffnung, etwas zu finden. Dass ich Alena bei meinem Rundlauf mehrmals auf ihrem eigenen Rundlauf begegnete, sagt eigentlich alles über unseren Besuch in der, wohl gemerkt sehr großen, Filiale einer deutschen Buchhandelskette aus.

Wir lesen viel, wir lesen viel Verschiedenes, und wir probieren auch gerne aus. Aber was tun wir, wenn uns nicht einmal Cover oder Titel irgendeines Romans anspricht?
Wie kann es überhaupt sein, dass einen vermeintlich nichts anspricht? Als ich in den Buchladen betrat, war mir danach, etwas Leichtes, Fröhliches zu lesen. Ich hatte die Auswahl  zwischen rosafarbenen und hellblauen Büchern mit herzförmigen Wolken darauf oder solchen, auf denen sich orchideenartige Blütenblätter mit Wassertropfen tummelten. Und dann gab es noch nie, in denen ein junges Mädchen, elternlos, von dem attraktiven Draufgänger erobert wird…der sich dann als der böse Junge entpuppt, und den das Mädchen dann im Laufe des Romans ganz bestimmt zum Besseren verändern wird. Variation? Fehlanzeige.

Ich suchte weiter. Das ganze Regal. Nächste Erkenntnis: Die Hälfte (okay, ich übertreibe, aber ein Großteil) der Bücher trägt englische Titel (hier, hier oder auch hier zu sehen). Entschuldigung, liebe Verlage, aber wenn ich ein Buch mit englischem Titel lesen will, dann – Newsflash!1 – nehme ich ein englisches Buch in die Hand und lese es gleich ganz auf Englisch. Was ich oft tue, weil ihr euch keine Mühe mehr bei den Übersetzungen gebt. Aber dass ihr euch nun nicht einmal mehr Mühe dabei gebt, die Titel zu übersetzen oder knackige deutsche zu finden?

Das Börsenblatt hat erst letzte Woche einen Blick in die Branchenstatistik veröffentlicht. Die traurige Wahrheit:

Übersetzungen der Verlage 2004-2013 (Erstauflagen). Quelle: Börsenblatt
Übersetzungen der Verlage 2004-2013 (Erstauflagen). Quelle: Börsenblatt.

Diese Flut an Übersetzungen kann nicht in einer erhöhten Titelproduktion begründet liegen, wie eine weitere Statistik des Börsenblatts zeigt. Denn die ist nicht so rasant gestiegen wie die Übersetzungen, sondern erlebt ein Auf und Ab:

Titelproduktion der Verlage 2004-2013 (Erstauflagen). Quelle: Börsenblatt
Titelproduktion der Verlage 2004-2013 (Erstauflagen). Quelle: Börsenblatt.

Liebe Verlage, ich wünsche mir ein wenig mehr Mut. Ich brauche keinen englischen Titel auf einem Roman, dadurch kommt er mir weder attraktiver noch spannender vor. Und wieso, um Himmels willen, übersetzt ihr nur noch? Ja, ich weiß, weniger Risiko bei Titeln, die schon in anderen Ländern erfolgreich sind. Aber trotzdem. Es gibt doch auch so viele tolle deutsche Autoren, und außerdem so viele tolle Ideen und Geschichten (aus vielen Ländern), die über das liebe Mädchen und den bösen Jungen und hellblaue Cover hinausgehen.

alexa

 

 

 

 

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Die Ironie des Englischen versteht sich an dieser Stelle hoffentlich von selbst.


4 Gedanken zu “English titles auf deutschen Büchern – no thanks!

  1. Du sprichst mir aus der Seele, und das sage ich als Anglistin, die die englische Sprache liebt. Ich kann es noch bei Titeln nachvollziehen, die eine Marke sind und international vermarktet werden, meist mit Verfilmungen im Hintergrund, wie die „Hunger Games“-Trilogie, aber selbst Neuerscheinungen von deutschsprachigen Autoren haben immer öfter englische Titel, was ich massiv irritierend finde. Wenn dann noch das Cover das gleiche ist, muss ich nach Verlag, Untertitel oder Klappentext schauen, um mich zu vergewissern, dass es wirklich die deutsche Ausgabe ist.

    Was die Variationen angeht – ich warte auf die Trendwende, wo statt dem Bad Boy der Good Boy ins Rampenlicht rückt und statt den Alphas die Betas kommen.
    Ich finde es bedenklich, wie viele iunge Frauen imaginäre Figuren anhimmeln, um die man im echten Leben aufgrund ihrer obessiven Tendenzen, latenten Gewaltbereitschaft und Stalkings einen großen Bogen machen würde. Es ist nicht romantisch, wenn einem ein Mann überall hin folgt, die Freunde ausspioniert und Zutritt zur Wohnung verschafft. Selbst wenn er dort Rosen auf dem Bett deponiert, ist das kein Liebesbeweis, sondern ein Besitzanspruch. Und downright creepy, um hier wieder den Bogen zu Englisch zu schlagen 😉

    Bei deutschen Büchern habe ich was gegen englische Titel, sofern es sich nicht um unübersetzbare Wortspiele handelt, aber in Blogs stört mich das überhaupt nicht. Also schreibt ruhig weiter News aus der Welt des Publishing und postet sie auf eurem Blog 🙂

    Gefällt 1 Person

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