Fanfictions – klare Urheberrechtsverletzung? Kleiner Einblick in eine große Diskussion.

Es gibt Schriftsteller und Verlage, die rechtlich gegen Fanfictions zu ihren Werken vorgehen. Denn Fanfictions greifen auf bestehende Geschichten zurück, auf den „Kanon“, und bedienen sich der Welten, Figuren und Eigenschaften, die der Feder eines anderen entsprungen sind.

Was sind die Facts?

Urheberrechtsverletzung. Foto: Francine D. Ward

Fanfictionportale löschen auf Autorenwunsch Fanfictions (Fanfiction.net auf BBC News: „It is our long standing policy of fanfiction.net to respect the wishes of original writers and will remove or ban fan fiction categories at their request.“) Um gar nicht erst in die Situation zu geraten, etwas wieder löschen zu müssen, gibt es auch Listen mit Namen der Autoren, die Fanfictions verbieten.

Aber Fanfictions bedeuten nicht nur Gefahr und Urheberrechtsverletzung, sondern auch die Chance, gezielt Talente zu suchen und zu fördern. Lindsey Heavon von Penguin sagt dazu:

„Fan fiction and self-published writing sites have provided a very direct and instant way for us to discover new voices quickly, and that’s really exciting. As a trend, it may dominate the publishing news headlines for some time to come.“
(Quelle: Metro.co.uk)

George R. R. Martin, Autor von Das Lied von Eis und Feuer, steht Fanfictions kritisch gegenüber, obwohl er früher selbst welche geschriebenen hat. Doch er sagt:

„[…] but it never dawned on me to write about the JLA or the Fantastic Four or Spider-Man, much as I loved them. I invented my own characters, and wrote about those. […]  The internet has changed everything. Whereas before the fanfic might be published in obscure fanzines with a circulation of a hundred, now tens of thousands, maybe hundreds of thousands, can read these… well, let’s just call them ‚unauthorized derivative works.‘ (Except in cases where the writer has authorized ‚em, which I suppose would be ‚authorized derivative works.‘) More than ever, we need some boundaries here.“
(Quelle: Not A Blog)


Was denke ich?

Es gibt unzählige Pro- und Kontraargumente zum Thema Urheberrechtsverletzung bei Fanfictions. Ja, Autoren dieser Texte nutzen die Idee eines Anderen. Und nein, sie dürfen sie in dieser Form nicht verkaufen. 50 Shades of Grey erinnert mich nicht an Twilight, und The Mortal Instruments erinnern mich nicht an Harry Potter. Man könnte Parallelen sehen zwischen dem Institute und Hogwarts, aber genauso kann man Parallelen sehen zwischen der Gegenüberstellung von Pro- und Antagonist. Soll heißen: Man kann überall Parallelen sehen, wenn man sie sehen will.

Vor allem dann, wenn man im gleichen Genre sucht. Geschichten folgen einem bestimmten Aufbau, so ist das nun einmal. Dass viele Schriftsteller von den kreativen Ergüssen der Fans begeistert sind, zeigen Autoren wie Cassandra Clare oder John Green, die selbst aktiv auf tumblr sind. Sie rebloggen das, was Fans zu ihren Büchern kreieren, treten mit den Lesern in Kontakt und erweitern und festigen damit ihre Fanbase. Das könnten sie allerdings nicht, wenn sie von ihren Verlagen nicht eine gewisse Freiheit bei solchen Handlungen bekommen würden. Denn die Entscheidung, Snippets und Teaser zu posten, liegt nicht beim Autoren, sondern beim Verlag, der die Rechte an der Geschichte gekauft hat. Bereits 1994 schrieb der Wissenschaftler Keith Oatley über die Interaktion zwischen Fan und Schriftsteller:

“[G]reat writers allow readers to respond creatively, to feel moved emotionally, to understand within themselves some of the relations between actions and emotions, and sometimes to undergo cognitive change.“
(Quelle: A taxonomy of the emotions of literary response and a theory of identification in fictional narrative, Seite 53)


Wie kann man Netzwerke durch Fans nutzen?

Die Diskussion über Fanfictions als Urheberrechtsverletzung ist keine einfache und so facettenreich wie es die Geschichten selbst sind. Es ist klar, dass Figuren nicht ohne Weiteres übernommen werden dürfen, denn das verletzt tatsächlich das geistige Eigentum des Schriftstellers. Aber gleichzeitig können Verlage und Autoren von den Werken der Fans profitieren. Anna von Veh, Mitgründern von Say Books, einer digitalen Publishingplattform, schreibt sehr passend:

„However, focusing only on the subject matter and traditional boundary issues obscures what fanfiction has to offer us as publishers: a model for community engagement, online interaction between readers, writers and publishers, and a new way of thinking about and doing business. […] Fanfiction is free marketing for the original content.“
(Quelle: PublishingPerspectives)

Ein offener Austausch der Verlagsindustrie mit den Fans erscheint deswegen als Möglichkeit, produktiv und modern zu arbeiten und zu agieren. Gleichzeitig sind Rücksicht und Feingefühl der Fans gefragt, damit die Grenzen des geistigen Eigentums nicht überschritten werden.

alexa

 

 

 

 

 


2 Gedanken zu “Fanfictions – klare Urheberrechtsverletzung? Kleiner Einblick in eine große Diskussion.

  1. Ich frage mich, ob jemals wer drauf kommt, aus welchem „Kanon“ ich für die Albenbrut geklaut habe …
    Meiner Erfahrung nach scheint Fansein dazu zu führen, dass die Leute mehr Geld für das entsprechende Fandom ausgeben, insofern würde ich das niemandem verbieten. Alerdings würde ich auch nicht lesen wollen, was es an Fanfic zu meinen Sachen gibt, weil manche Fan-Werke doch Hirnbleiche erfordern …

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