Weinen, toben, Haare raufen: Wenn Geschichten uns zur Weißglut bringen

Pleasure / Reading
Quelle: David Goehring/Flickr

Wenn das Lesen uns zu Tränen rührt – dazu gab es vor ein paar Wochen im Zusammenhang mit dem viel diskutierten Slate-Artikel einen schönen Artikel im New Yorker. Ist es okay, wenn Bücher uns zum Weinen bringen? Ist es vielleicht sogar erstrebenswert? Stimmt mit uns etwas nicht, wenn wir es tun, oder doch eher, wenn wir es nicht tun?

Mich bringen Bücher nicht leicht zum Weinen, und Filme auch nicht. Okay, als der König der Löwen ins Kino kam, habe ich geheult wie ein Schlosshund, als Mufasa sterben musste. Aber das hat ja jeder. Und ich war ungefähr acht. Und Audrey Niffeneggers Die Frau des Zeitreisenden hat mich auch zum Weinen gebracht. Im ICE von Hamburg nach Frankfurt. Und da war ich nicht mehr acht.

Aber sonst neige ich nicht zu Tränen, eher zu Zorn. Frei nach dem Motto: „Was denn, das Happy End, auf das ich mich gefreut habe, wird mir vorenthalten?“ Sehr schlecht. Nach David Nicholls‘ One Day hatte ich tagelang so schlechte Laune, dass meine gesamte Umwelt mich als unmöglich umpfunden hat.

Allerdings geht es mir nur als Leserin so. Wenn ich schreibe, denke ich mir besonders gern ein böses Ende aus, denn Happy Ends sind nicht selten die langweiligere Alternative. Und ob meine Leser dann weinen, toben, mich hassen, sich die Haare raufen – ist mir eigentlich egal.

Und wenn wir mal ehrlich sind – wollen wir nicht alle ab und zu eine gute Geschichte lesen, die uns leiden lässt? Die negative Gefühle auslöst und uns mit dem Schicksal (der Figuren) hadern lässt? Manchmal tut es gut, ein bisschen zur Weißglut gebracht zu werden.

Alena

 

 

 


5 Gedanken zu “Weinen, toben, Haare raufen: Wenn Geschichten uns zur Weißglut bringen

  1. Also bei Büchern hab ich es glaub ich noch nie gehabt, dass mir die Tränen kamen.Bei Filmen ist das dann schon öfter der Fall… Aber ich finde es gut, wenn man so sehr mit den Charakteren fühlen kann, dass man sogar weint oder auch wenn man sich sehr aufregt, ich finde das zeigt dann schon, dass die Geschichte besonders ist, denn sonst würde es gar nicht zu solchen Emotionen kommen.
    Beim Schreiben geht mir das auch oft so, dass ich einfach mit meinen Charakteren leide. Zum Beispiel habe ich ewig gebraucht um die Todesszene einer meiner Charaktere zu schreiben und als ich dann am schreiben war, kamen mir auch die Tränen. Da fragt man sich ja schon, wieso schreibt man sowas eigentlich, wenn man selbst mit leidet? Ich kann dazu nur soviel sagen: Manchmal entwickeln die Geschichten wirklich ein Eigenleben… Da schreibt man, hat nichts böses vor und plötzlich wird der Charakter verletzt und dann fragt man sich wirklich, wie das immer wieder passiert.

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  2. Beim Lesen weinen; das ich erst einmal und da nur, weil ich so gerührt war und so beindruckt von dem Schreibstil des Autors. Walter Moers und seine Stadt der träumenden Bücher, war das Werk nebenbei.

    Wut empfinde ich hingegen immer, sobald ich „Das Lied von Eis und Feuer“ lese. Wie kann man nur solch hassenswerte Charaktere erschaffen, wie dieser Mensch? 😀

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  3. Na, ich heule schon gelegentlich über Fiktionales, wobei ich zugeben muss, dass seltener Bücher schuld sind als tragische Opern oder Filme. Wütend … bin ich entweder über Autor*innen, weil ich völlig offene Enden in Romanen gar nicht mag. Nachtzug nach Lissabon, irgendwer? Oder, häufiger, auf diejenige Person, welche lektoriert hat. Letzte Stilblüte: In einem Roman von Tanya Huff hatte das Autokorrekturprogramm einige Male aus dem Namen „Darvish“ ein „Danish“ gemacht, also ein Gebäckteilchen, und keine*r hat’s gemerkt.

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