Warum es egal ist, ob Katzenöhrchen sexy sind

Letzte Woche habe ich mir das Musikvideo zu Meghan Trainors All About That Bass angesehen. Der Titel stürmt derzeit die Charts, steht in Deutschland auf Platz eins, in Großbritannien auf Platz eins und in den USA auf Platz – genau: eins!

Es dürfte also kaum jemanden geben, an dem der Song vorbeigegangen ist, in dem Trainor darüber singt, dass Frauen ihren Körper so lieben sollen, wie er ist. Der Text des Songs sorgt zwar nicht nur für Zustimmung, sondern auch für kontroverse Diskussionen. Etwa, wenn Lena Rittmeyer vom Schweizer Tagesanzeiger in ihrem Artikel Dick ist voll okay fragt, warum übergewichtige Frauen als etwas Besonderes im Vergleich zu schlanken genannt werden müssen und nicht ganz einfach wie in Lena Dunhams Girls „sowohl wohlgeformte Frauenkörper als auch körperliche Makel nebeneinander existieren“ können.

Wobei allein dieser Satz eine Kontroverse für sich auslösen könnte, wie ich finde: Makel, ernsthaft? Sind ein paar Kilo ein Makel? Was Rittmeyer wohl meint, und das wird auch in anderen Artikeln zum Song hervorgehoben: Es ist schade, dass das gängige Schönheitsideal Frauen immer wieder dazu bringt, ihren eigenen Körper als schön darstellen zu wollen im Vergleich zu anderen, von denen sie sich dann distanzieren. Was Trainor aber zu sagen versucht ist nicht, dass wir uns distanzieren sollen, weil wir mehr wiegen als andere, oder eine Kleidergröße mit einer höheren Nummer tragen. Sondern dass wir liebenswert sind, so wie wir sind.

Währen die letzten Töne von All About That Bass  aus den Boxen klangen, stoppte das Video auf meinem Bildschirm und mir wurde ein neuer Titel vorgeschlagen: Ariana Grande auf dem iHeartRadio Music Festival. Ariana Grande, 19-jährige US-Schauspielerin und Sängern, stürmt derzeit ebenfalls die Charts, für ihren Song Problem wurde sie in den USA für 4.000.000 verkaufte Exemplare mit 4-fach Platin ausgezeichnet, in Deutschland mit 400.000 verkauften Exemplaren immerhin mit Gold.

Grande verkörpert das absolute Gegenteil von dem, worüber Trainor singt. Sie kommt in hochhackigen Stiefeln auf die Bühne, mit irrwitzig kurzen Röckchen und Kleidchen, bei denen manchmal der Stoff ausgegangen zu sein scheint, sodass man nicht umhin kommt, Grandes Bauch zu bewundern. Dazu trägt sie einen Haarreif mit Katzenohren und bewegt sich zwischen den schnelleren Sequenzen im Song immer wieder aufreizend zu den langsameren Sekunden.

Aber vielleicht tue ich Frau Grande unrecht, wenn ich so über sie schreibe, denn vielleicht haben die Ohren einen tieferen Sinn? „I don’t know, I think I just like them, I’m always cat for Hallooween“ist Grandes Antwort auf die Frage. Mmh, nicht wirklich tiefgründig, oder?

Foto: Glamour/ Getty Images

Während ich darüber nachdachte, ob das alles vielleicht gar nicht so schlimm ist, schnappte ich mir die Zeitschrift Glamour vom Regal. Plötzlich: DIE Überschrift für mich: Schluss mit den Öhrchen. Purista Schäfer fragt in ihrem Beitrag, warum Frauen sich zu Halloween immer sexy verkleiden müssen und wünscht sich Ladies mit mehr Standing und Humor statt dem Drang, Haut zeigen zu wollen.

Brauchen wir denn die hautengen, silberglänzenden, paillettenbesetzten Fetzen? Katzenohren, Hasenohren oder Mausohren? Vielleicht sollte man nicht nur in der Literatur über die Frauenrolle nachdenken, sondern auch in der Musik. Und auf Partys. Und im Alltag. Vielleicht einfach generell. Eine Frau ist sexy, „from the bottom to the top“, wie Trainor singt. Da braucht sie keine Tierohren, die sie niedlich machen.

Aber – und das ist wohl der Punkt – wem die albernen Dinger gefallen, dem sei’s gegönnt. Wenn es ums Styling geht, sollte doch Folgendes gelten: Wir müssen gar nichts, aber wir dürfen alles.

alexa

 

 

 


3 Gedanken zu “Warum es egal ist, ob Katzenöhrchen sexy sind

  1. Ich als ein Mann, der ich mit der sozalisierten Positionierung von Frauen durchaus meine Probleme habe, muss dir zustimmen. Ich finde es gerade zu Halloween und Karneval immer wieder schockierend, wie viele Kostüme an Frauen dadurch bestechen wollen, dass sie vor allem eins sind: knapp bemessen. Ob jetzt mit Öhrchen oder einfach mit breitem Gürtel. .. erm kurzem Rock.
    Abgesehen davon ist es aber auch „normalen“ Frauen (wie in denkenden, sich nicht verkleidenden Frauen im Alltag) oft nicht möglich ohne ein Mindestmaß an „aufhübschen“ aus der Tür zu gehen.
    Besonders kluge Exemplare von Frau kontern die Frage „Warum machst du das Überhaupt, ich finde dich auch ohne das alles schön“ (was tatsächlich meine Meinung ist) ganz lässig mit „Ich mach das für mich, ich finde mich sonst nicht schön“…
    Und ich salutiere, für mich, vor den Männern und Frauen der letzten Generationen, die dieses Denken so selbstverständlich in nahezu jede Frau auf dieser Welt indoktriniert haben, dass es ein ureigener Wunsch sein soll sich zu verkleistern, und damit natürliches Auftreten bereits eine Verkleidung geworden ist.

    Andererseits… http://youtu.be/MCDfAku1WmQ

    Gefällt 1 Person

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s