Was Marshmallows mit dem #NaNo14 zu tun haben

Von Walter Mischels Marshmallow-Experiment haben die meisten schon einmal gehört: Man gibt einem Kind eine Belohnung, zum Beispiel ein Marshmallow, und sagt ihm, dass es die Süßigkeit entweder gleich aufessen kann, oder es wartet und bekommt eine zweite. Auch die Werbung hat dieses Experiment schon als Setting benutzt. (Der Überraschungsei-Spot, man erinnert sich?) Ergebnis der dem Experiment folgenden Studien: Die Kinder, die genug Geduld aufbrachten und die erste Süßigkeit nicht gleich aufaßen, waren erfolgreicher im Leben, auch als Erwachsene noch.

Marshmallows
Marshmallows. Foto: John Morgan

Was hat das mit dem NaNo zu tun? Folgendes Gedankenexperiment: Stellen wir uns das Wortlimit als Marshmallow vor.

Bevor wir mit dem Schreiben losgelegt haben, haben wir uns eine Liste gemacht und für jeden Tag ein Wortlimit festgelegt, das es zu knacken gilt, um am Ende die 50.000 Wörter geschrieben zu haben. Jeden Abend dürfen wir ein Häkchen machen, wenn wir unser Soll erfüllt haben, und jedes Häkchen ist ein kleiner Teil des großen Marshmallows.

50.000 Wörter sind unser Marshmallow. Aber wie wäre es, wenn wir die Geduld aufbrächten für ein zweites Marshmallow? Wie wäre es, wenn wir am Ende nicht einfach nur 50.000 Wörter hätten, sondern einen Roman? Wie wäre es, wenn wir einen Roman hätten, statt einfach nur ein Marshmallow?

Denn Romane entstehen, indem man das Wortlimit auch mal nicht knackt. Indem man dem Drang widersteht, am Ende des Tages genügend Wörter geschrieben zu haben (Quantität) und stattdessen die eine Szene, die sowieso nie richtig funktioniert hat, wieder rauswirft (ganz schlecht für’s Wortlimit) und eine neue schreibt und aufpoliert (Qualität)?

Das Fixieren auf das Wortlimit kann den Blick vom Wesentlichen ablenken und uns vorgaukeln, dass wir etwas geschafft haben, das wir in Wirklichkeit noch leisten müssen. Eine aktuelle Studie hat beispielsweise herausgefunden, dass zu viel positives Denken unsere Leistung schmälert. Wir brauchen gleichzeitig einen kritischen Blick auf unsere Ziele und das, was uns an Arbeit bevorsteht.

50.000 Wörter in nur einem Monat zu schreiben ist trotzdem eine tolle Leistung. Aber dabei sollten wir nicht vergessen: Ein Roman an Weihnachten, oder an Ostern, oder im Sommer nächstes Jahr ist immer noch besser als ein Marshmallow am 30. November. Darauf sollten wir hinarbeiten.

Alena

 

 

 

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8 Gedanken zu “Was Marshmallows mit dem #NaNo14 zu tun haben

  1. Ein sehr interessanter Gedanke!
    Ich gebe zu, ein leises Stimmchen in mir ermahnt mich auch manchmal, Szenen aus meinem NaNo-Output, den man manchmal leider auch NaNo-Auskotz nennen könnte, zu streichen, weil ich schon weiß, dass ich sie später ohnehin rausschmeiße. Ich tue es aber trotzdem nicht, denn ich gehöre zu den NaNo-Schreibern, die immer ein ganzes Stück hinterherhinken und sich an jeden Motivationsstrohhalm klammern. Trotzdem hast du natürlich recht damit, dass der Marshmallow-Roman am Ende des Novembers eben nur das ist: weich und unförmig, vielleicht sogar farblos und die wahre Kunst erst danach beginnt.

    Was mich persönlich angeht, so kann ich kaum erwarten, meinen Roman mit Anfang, Mittel und Schluss vor mir zu sehen, egal, in welchem Zustand er da noch ist. Bei so vielen angefangenen und nicht beendeten Geschichten wird das ein echt großes emotionales High, yeah!
    Den „Quality-NaNo“ kann ich mir ja dann fürs nächste Mal vornehmen, wenn ich ein Romanschreib-Experte bin.

    Ich habe dich übrigens mal gestalkt auf der NaNo-Website, ich hoffe das war in Ordnung. 🙂 Aber ich sehe gar keinen NaNo-Roman für dieses Jahr, was ist da los? 😀

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