Was mit Medien machen und Meinungen vertreten!

Was mit Medien machen, das ist ein nicht selten gewählter Ausdruck, wenn man – genau – etwas mit Medien macht. So ist der Titel eines Medienmagazins Was mit Medien, eine Kreativagentur heißt Wir machen was mit Medien und auch Universitäten wählen den Ausdruck für sich (Slogans der Medienfakultät der Uni Weimar: „Stimmt. Wir machen was mit Medien.“). Wir machen auch was mit Medien, wenn wir schreiben, bloggen, lesen, filmen, fotografieren.

Anlässlich der Verleihung der Lead Awards 2014 in Hamburg, wobei Beiträge und Veröffentlichungen von Zeitungen geehrt werden, hat Außenminister Steinmeier eine Rede zur Lage der Medien und deren Zukunft gehalten. Was hat die Krise der Zeitungshäuser zu bedeuten, wer kauft wann warum welchen Verlag auf, wer verkauft sein Medium an wen und warum? Aber auch: Was erwartet die Bevölkerung vom Journalismus, wie sollte er sein, wie kann er sein? Besonders wichtig, wie ich finde, sagte er in diesem Zusammenhang:

„Vielfalt ist einer der Schlüssel für die Akzeptanz von Medien. Die Leser müssen das Gefühl haben, dass sie nicht einer einzelnen Meinung ausgesetzt sind.“

und:

„Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen, wenn sie Informationen gewichten und einordnen. Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch.“

(Quelle: Rede von Außenminister Steinmeier anlässlich der Verleihung der Lead Awards in Hamburg, 14. November 2014).

Genau daran musste ich heute Morgen denken, als ich die Zeitung aufschlug und einen Bericht über den Amerikaner Julien Blanc las. In Auf die üble Tour schreibt Christian Schlüter über den Pick-up-Artist, der anderen Männern erklärt, wie man Frauen anspricht aufreißt. Nur dass es dabei nicht darum geht, Frauen kennen zu lernen und Zeit mit ihnen zu verbringen, sondern sie ins Bett zu kriegen. Für Sex, und sonst für nichts. Erwähnenswert ist dieser Artikel nicht nur, weil er auf ein widerliches Geschäftsmodell aufmerksam macht. Sondern auch deshalb, weil er, so finde ich, genau das tut, was Steinmeier manches Mal zu vermissen scheint: Er zeigt Meinung, und das nicht zu wenig. Denn wenn ein Redakteur in einem einzigen Artikel das Geschäftsmodell des Porträtierten nacheinander als Bullshit, Aufruf zur Vergewaltigung, Bockmist, menschenverachtendes Programm und pervertierten Teil der ubiquitären Vertrauenserschleichungsindustrie bezeichnet, dann ist das etwas, was selten vorkommt. Dann weiß ich, was er von vom dem Beschriebenen hält. Und wenn der Bericht dann mit einer Beschreibung solcher Pick-up-Artists endet („hyperventilierender, dauerquasselnder, hochdynamischer Testosteron-Troll“), die diese Männer ins Lächerliche zeiht, dann ist die Sache endgültig klar.

Natürlich, Zeitungen sollten den Bürger sich seine eigene Meinung bilden lassen (genau wie Schriftsteller lernen müssen, dem Leser seine Freiheiten zu geben). Aber, und das ist ganz wichtig: Sie sind auch dafür da, dem Leser ein Bild dessen zu geben, was sie ihm liefern, ihm eine Entscheidungshilfe zu sein, auch einmal wertend zu sein, und damit die Diskussion anzuregen. Dass Schlüter in seinem Artikel offen gegen die „Kunst“ der Pick-up-Artisterie schreibt, ist wichtig. Denn er hat damit seinen Standpunkt offen gelegt, dem nun jedem freisteht zuzustimmen oder zu widersprechen. Zur Meinungsbildung und damit Vielfalt hat er damit allemal beigetragen.

alexa

 

 

 

 


3 Gedanken zu “Was mit Medien machen und Meinungen vertreten!

  1. Die Krise des Journalismus ist auch eines der Hauptthemen bei uns im Studium, auch wenn man hierbei eigentlich von einer Krise des Journalismus sonder vielleicht eher einer Krise der Zeitung sprechen sollte, denn Journalismus wird man nicht so leicht ausrotten können. Die Zeitungen haben einfach nur das Problem, dass sie sich nicht auf die Gegebenheiten einstellen können/wollen.

    Was das mit den subjektiven Passagen in Artikeln betrifft, kann ich dir leider nicht zustimmen, zumindest nicht in solchem Ausmaß, dass Leute beleidigt werden, wie es zum Beispiel immer wieder im VICE geschieht. Natürlich sind gewisse Menschen minderbemittelte Arschlöcher, nur ist die Frage, ob ich das auch publizieren sollte. Ein gewisser Grad an Objektivität sollte meiner Meinung nach schon übrig bleiben, vor allem in Artikeln, die keine Kommentare sind.

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