Generation Harry Potter – 8 Gründe, warum Hogwarts mich nicht loslässt

Ich zähle mich zur Generation Harry Potter – denjenigen, denen die Bücher begegnet sind, als sie noch keine Teenager waren, und die ungeduldig das Erscheinen jedes neuen Bandes erwartet haben, bis sie als junge Erwachsene endlich lesen durften, wie es ausging. Dieses Wochenende habe ich einen überteuerten Abstecher in die Harry Potter-Ausstellung in Köln gemacht, und kam finanziell gesehen ärmer, aber an Nostalgie reicher wieder heraus.

Foto: halle stoutzenberger

Die Harry Potter-Bände sind ohne Frage die Bücher, die meine Teenager-Zeit am stärksten geprägt haben, so wie wahrscheinlich die von vielen anderen jungen Schriftstellern heute. Aber was bedeutet das für unsere Wahrnehmung von Geschichten und, letztendlich, für unser Schreiben?

  1. Magie
    Waren Hexen und Zauberer vorher schon so cool? Wenn ja, habe zumindest ich es nicht bemerkt. Das Harry Potter-Universum hat uns zwei Dinge gezeigt: Zauberer sind nicht immer kauzige alte Männer mit langen, weißen Bärten. (Nur manchmal.) Und sie sind nicht immer die Bösen. Wie viele Märchen, in dem die böse Hexe den Protagonisten Angst eingejagt hat, haben wir nicht alle gelesen? Harry Potter hat einen neuen Blickwinkel auf Hexerei und Zauberei geboten, wo die Fähigkeit, Magie auszuüben, nicht beängstigend war, sondern erstrebenswert. Denn Hand aufs Herz: Wer von uns hat nicht sehnsüchtig auf den Brief aus Hogwarts gewartet?
  2. Freundschaft
    Geschichten über die Freundschaft hat es schon immer gegeben, und wir werden ihrer nicht überdrüssig. Dennoch ist die Freundschaft zwischen Harry, Ron und Hermine ein besonderes Beispiel von Loyalität, Zusammenhalt und der Bereitschaft, für den jeweils anderen den Kopf hinzuhalten. So wie in Der Herr der Ringe. Nur ohne das ganze unnahbare Heldentum, sondern zum Identifizieren. Eben die Art Freundschaft, die man sich als fünfzehnjähriger Bücherwurm gewünscht hat.
  3. Der Kampf von Gut gegen Böse
    In Harry Potter wird der Kampf gegen das Böse, ebenfalls ähnlich wie in Der Herr der Ringe, auf der ganz großen Leinwand ausgefochten. Das absolut Böse droht, ein die ganze Welt vernichtendes Ausmaß anzunehmen, und das muss verhindert werden. Die Last, die Welt zu retten, ruht auf den Schultern eines Teenagers. Was für eine Botschaft, wenn man selbst einer ist und sich fragt, ob mehr in einem stecken könnte als die fragwürdige Fähigkeit, fünf Seiten Englischvokabeln in weniger als einer halben Stunde auswendig zu lernen.
  4. Schule ist cool
    Oder hätte es zumindest sein können, wenn man Hogwarts besucht hätte statt das nächstbeste renovierungsbedürftige Gymnasium einer nicht ganz so zauberhaften deutschen Stadt.
  5. Love Story
    Liebe ist ein großes Thema im Harry Potter-Universum, aber wir bekommen nicht die klassische Love Story als gleichberechtigten Handlungsstrang oder gar Haupthandlung. Als wir, die Generation Harry Potter, in unseren frühen Zwanzigern zusehen durften, wie die neuen Teenager, die Generation Twilight, sich schmachtend mit so wenig Handlung auf so vielen Seiten Text zufrieden gab, war der eine oder andere von uns doch eher konsterniert. Keine Frage – ich bin immer sehr für eine gute Love Story. Aber zuallererst sollten die Helden die Welt retten, bitte schön.
  6. Details und Ansprüche an eine fiktionale Welt
    J.K. Rowling hat uns vorgemacht, mit wie vielen Details man sein fiktionales Universum ausstatten kann. In Bezug auf die Schauplätze, die Backstory, die Requisiten, die einen Ort erst lebendig machen. Das hat nicht nur von Anfang an die Magie ausgemacht, die uns an Harry Potter so angezogen hat, sondern auch Ansprüche an fiktionale Welten geweckt.
  7. Liebe zu Reihen
    Das Warten auf den nächsten Band, die Überraschung, wenn ein Faden aus einem früheren Band später wieder aufgegriffen wurde, die Gewissheit, dass noch nicht Schluss ist (bis dann leider Schluss war): alles Teil der Harry Potter-Erfahrung. Große Geschichten dürfen mit vielen Wörtern erzählt werden, auf unzähligen Seiten. Herrlich. Und fast ein wenig überraschend, wenn ein Buch ohne Nachfolger auskommt.
  8. Die Liebe zu YA
    Harry Potter hat YA – Jugendliteratur – deutlich salonfähiger gemacht und die Maßstäbe verändert. Ganz sicher einer der Gründe, warum ich YA lese und schreibe.

Was bedeutet Harry Potter für euch? Teilt eure Harry Potter-Erfahrung!

Alena

 

 

 


9 Gedanken zu “Generation Harry Potter – 8 Gründe, warum Hogwarts mich nicht loslässt

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Die ersten beiden Bände von Harry Potter hab ich noch in der Grundschule gelesen, quasi als ich grade mal lesen konnte und schande über mich, bis ich die weiteren gelesen hat, hat doch etwas gedauert… Ab dem dritten Band hab ich erst gelesen, nachdem ich schon die Filme bis zum sechsten gesehen hatte. Aber ich bin so froh, dass ich sie noch gelesen hab, zwar sind die Filme auch schon geil, aber die Bücher erst! Ich könnt sie immer wieder lesen! Mit Harry Potter hab ich sogar mal versucht mein Latein zu verbessern, deshalb steht Der Stein der Weisen auf Latein in meinem Regal. Nur um ein Buch in einer Sprache lesen zu können sollte man doch etwas mehr von dieser Sprache können als das was ich in Latein konnte xD Immerhin habe ich es bis zum zweiten Satz geschafft, bis ich nichts mehr verstanden habe .___.
    Viel gelaber für meine eigentliche Aussage:
    Harry Potter ist und bleibt die beste Reihe die ich je gelesen habe oder jemals lesen werde (zumindest schätze ich das, da J.K.Rowling die Latte doch sehr hoch gelegt hat.)

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  2. Wow. Alles haargenau auf den Punkt getroffen. Aber ich würde hier noch hinzufügen, dass es einfach der Wahnsinn war, mit jedem einzelnen Charakter zu wachsen. Das Dinge wirklich bis zum Schluss durchgezogen wurden und die Atmosphäre immer komplett passend zum jeweiligen Band war. Bis heute hat es kein anderes Buch geschafft mich zum weinen zu bringen wie Harry Potter, Dumbledores Tod, Sirius Tod, Lupins und Tonks Tod. Wobei ich sagen muss, dass ich es ihr einfach nicht verzeihen kann, dass sie einen der Zwillinge hobs nimmt. Ich denke mir bis heute: Entweder beide oder keiner. 🙂

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