Über Hobbitfrauen, Zwergenfrauen, Elbenfrauen – und moderne Frauen

Foto: freeparking 😐

Adventszeit ist Herr der Ringe-Zeit. Wenn mir das Fernsehen die Filme nicht sowieso mundgerecht vorsetzt, krame ich fast immer irgendwann die DVDs heraus. Und zu meiner großen Freude darf man dann auch noch einen neuen Hobbit im Kino anschauen. Leider hat die Herrlichkeit mit dem Kino bald ein Ende und ich muss mich ganz auf meine DVD-Sammlung verlassen. Hach.

Was ich an beiden Filmreihen mag: Sie sind keine schlechteren Versionen der Bücher, sondern eine Hommage an Tolkiens Werke. Da, wo sie von den Büchern abweichen, gelingt das in sinnvoller und stimmiger Weise. Meine Lieblingsabweichung: In den Filmen dürfen mehr Frauen größere Rollen spielen. Mit Ausnahme der mutigen Éowyn, die einen Nazgûl besiegt, sind in den Büchern heroische Taten größtenteils den männlichen Figuren vorbehalten. Hobbitfrauen dürfen bei den Feierlichkeiten zu Anfang und Ende der Filme fröhlich durchs Bild tanzen, Zwergenfrauen sind so gut wie kein Thema. Sogar Arwens Geschichte findet in den Büchern so richtig erst im Anhang statt. Tauriel, die in den Hobbit-Filmen die vielleicht wichtigste weibliche Figur ist, kommt im Buch gar nicht vor.

Wo ich sonst skeptisch bin – wie kann ein Film es wagen, vom Buch abzuweichen? – war ich hier stets dankbar, dass Tolkiens wundervolle Welt, vor mehr als einem halben Jahrhundert zum Leben erweckt, durch die Filme ein wenig zeitgemäßer und zugänglicher geworden ist. Denn eine gute Geschichte braucht heute Diversität; ihre Welt muss mit unterschiedlichen Figuren jeglicher Hintergründe bevölkert werden. Mit einer etwas besseren Geschlechterverteilung in Mittelerde zu beginnen, scheint kein schlechter Anfang.

Alena


7 Gedanken zu “Über Hobbitfrauen, Zwergenfrauen, Elbenfrauen – und moderne Frauen

  1. Was hier vor allem zu sagen ist, neben der sinnvollen Integrierung von Frauen in die Geschichte, ist, dass Peter Jackson Tolkiens doch recht steifen Schreibstil (*Euphemismus off*) wirklich schön gestaltet und an unsere Zeit anpasst. Dadurch werden Passagen, die in den Büchern vielleicht weniger spannend sind, in den Filmen gleich wesentlich interessanter. Allerdings gibt es auch Änderungen, die ich nicht wirklich begreife. Warum wurde in den Filmen Tom Bombadil ausgelassen? Warum werden Sarumans Orks als Uruk’Hai bezeichnet (was sie nicht sind)? Ansonsten bin ich hier aber auch mehr Fan der Filme als der Bücher 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Tom musste wegen des prüden drogen“freien“ Amerika weichen. Ich meine mich zu erinnern, da p.j. selbst sagte, er dürfte keinen hippie in den Film einbauen.

      Die mich die blödeste Änderung ist und bleibt Faramir. Im Buch so herrlich unspektakulär und dich mein absolut liebster underdog.

      Gefällt 1 Person

  2. Ja… aber: Elfen. Lieben. Keine. Zwerge!

    Das geht rein von der Entstehungsgeschichte nicht! Außerdem finde ich es sehr störend, dass diese starken Frauen dann letzten Endes doch noch stärkeren (vermeintlich) Männern hinterherhecheln und damit klassische Strukturen reproduzieren. Mehr weibliche Stärke… gerne. Aber kein Hollywoodweib bitte.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich fürchte, du erwartest zu viel: Starke Frauen mit eigenen Rollen, und dann auch noch vollkommen gleichberechtigt mit den männlichen Figuren? Leider offensichtlich in der Mainstream-Unterhaltung immer noch nicht wirklich umsetzbar. Oder eher: Die, die es umsetzten könnten, sind nicht willig, es zu tun.

      Gefällt mir

      1. Das Ding ist, dass ich gar keine „starken“ (im Sinne von maskulin) Frauen will. Oder schwache Männer. Ich möchte authentische Personen.

        Tauriel ist nicht überzeugend, wenn sie im Stakkato Orks enthauptet, erdolcht oder sonstwas. Tauriel ist eine Elbin, ein Mitglied der ältesten Rasse Mittelerdes. Den Iluvatar näher als den sterblichen Völkern. ..
        Da wird nicht gewimmert wie eine Bauernmagd. Da zeigt das Gesicht nicht viel Regung über Kleinigkeiten. Zumindest nicht wenn man sich auf Tolkien bezieht. Und ich meine, dass der Hobbit das tut.

        Was ich sagen will ist: eine Frau ist (für mich) nicht stark wenn sie den Fantasien eines Mannes mit skurrilem Geschmack entspricht (ich finde blanken Stahl an Frauen in knappen Ledertangas ja auch voll emanzipiert).

        Aber ja, vermutlich hat so etwas keinen Platz im Mainstream. Und für mich als Mann ist es ja meist reizvoll gestaltet. Wenn ich meine Erziehung und Bildung ausblenden kann. 😉

        Gefällt 1 Person

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s