Sind Handys im Abfluss der einzige Weg zu Konzentration?

Foto: Michael Dales

Wem ist schon einmal das Handy ins Klo gefallen? Absichtlich, oder unabsichtlich? Nein, das ist keine komische Frage, zumindest nicht dann, wenn man sich befreien will von Social Media und Apps, und es anders nicht gelingt. Okay, Spaß beiseite. Aber, wie Javier Espinoza in seinem Artikel Is it Time for a Digital Detox? feststellt, ist das die sicherste Methode überhaupt, endlich Ruhe zu bekommen. Was sich vielleicht lustig anhören mag, ist für einige purer Ernst: Sie sind süchtig danach, das Smartphone zu checken, öffnen grundlos Facebook, Twitter & Co., während sie eigentlich arbeiten wollen (oder sollen) und geraten in panikartige Zustände allein bei dem Gedanken daran, ein paar Stunden vom Netz abgeschnitten zu sein.

Es gibt verschiedene Apps für Smartphones, die einen davor bewahren sollen, wieder andere Apps zu lange zu nutzen, oder gar zu öffnen.
Und in so einer Zeit erblickt die Hemingwrite das Licht der Welt: eine moderne Schreibmaschine, die ein E-Ink-Display wie ein E-Reader hat, auf der Evernote, Google Docs und Dropbox laufen, und die Texte via WLAN in eine Cloud lädt. Distraction-free writing nennt sich dieses System: Schreiben, ohne abgelenkt zu werden.
Irgendwie sieht sie cool aus, die Hemingwrite, und als Schriftsteller denke ich mir da: Uh, cool. Könnte ich die eventuell vielleicht irgendwie gebrauchen? Sie würde sich bei mir sicher wohl fühlen… Aber dann denke ich wieder: Brauchen wir das? Brauchen wir dieses ganze Reglement, müssen wir uns selbst austricksen, um uns noch konzentrieren zu können?

Ich bin immer der Meinung, wir sollten das selbst schaffen. Wir sollten keine Apps brauchen, die uns darauf hinweisen, das Smartphone wegzulegen. Wir sollten in der Lage sein, an unserem Manuskript zu arbeiten, ohne ständig Facebook checken zu wollen. Und ich glaube, dass wir, wenn wir es ernst meinen mit der Schriftstellerei, das auch können. Denn dann ist es keine lästige Sache, dass wir die Szene noch schreiben müssen, damit das Kapitel Sinn ergibt. Dann wollen wir diese Szene schreiben. Natürlich, schreiben macht nicht jeden Tag genau so viel Spaß wie am Tag zuvor. Und es ist auch nichts dagegen einzuwenden, Pausen zu machen, auf’s Handy zu schauen, eine Facebook-Nachricht zu beantworten oder einen Tweet in die Welt hinaus zu schicken. Aber wie das bei (fast) allen Dingen so ist: Es ist das Maß, das zählt. Zu viel Social Media zerstört den Schreibfluss, hält uns von der Arbeit ab. Was nicht heißt, dass wir sie aus unserem Schreiballtag komplett verbannen sollten, denn immerhin können wir so mit anderen Schriftstellern in Kontakt treten, uns austauschen, für unsere Texte recherchieren.

Was denkt ihr dazu – habt ihr Apps, die euch daran erinnern, mehr zu schreiben und weniger zu surfen? Könnt ihr euch konzentrieren, wenn ihr an eurem Computer schreibt, oder benutzt ihr vielleicht sogar Stift und Papier?

alexa

 

 

 


7 Gedanken zu “Sind Handys im Abfluss der einzige Weg zu Konzentration?

  1. Also eine App, die mich daran erinnert mehr zu tun brauch ich nicht. Wenn ich wirklich mehr tun muss, dann tu ich das auch (und das obwohl ich ein wirklich fauler Mensch bin .__.).
    Zugegeben ich lasse mich viel von meinem Handy oder dem PC ablenken, nur wenn ich mir zB vorgenommen habe zu lernen (damit meine ich wirklich vorgenommen, weil bald eine Klausur ansteht), dann lass ich mich auch nicht ablenken. Was das ganze beim Schreiben angeht, so ist es ja „nur“ ein Hobby von mir, deshalb mach ich mir da auch nicht so den Stress unbedingt weiter zu kommen. Vor allem wenn ich eine kreative Phase hab und wirklich weiß was ich schreiben möchte, dann lasse ich mich auch nicht ablenken. Nur wenn ich halt nur gern weiter schreiben will und eigentlich nicht weiter weiß, dann ist es ja auch irgendwo klar, dass ich schnell wo anders abgelenkt werde.
    Aber zugegeben, am leichtesten fällt es mir immernoch ganz klassisch mit Stift und Papier zu schreiben, dann hab ich zwar plötzlich wieder einen Stapel zum abtippen, aber was soll’s 😛

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  2. Ich habe gemerkt, dass ich meine Geschichten besser aufschreiben kann, wenn ich dies ganz klassisch mit Stift und Papier mache. Schreibe ich von Anfang an am Laptop, fange ich mit dem Verschlimmbessern an, noch bevor ich irgendwas zustande gebracht habe, das verunsichert mich dann, bringt mich aus dem „Fluss“, verdirbt mir den Spaß und dann ist die Schreiblust erstmal wieder hin! Ich habe das Gefühl, wenn ich eine erste Version mit der Hand schreibe, gestehe ich mir erst selbst zu, dass es genau das ist – eine erste Version, noch nicht das überarbeitete Werk. Das hilft mir im Schreibprozess ungemein.

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    1. Das ist spannend, denn ich plotte in einem ersten Stadium auch gern im Kopf, dann auf Papier. Da gibt’s dann stetig wachsende Mind-Maps, Diagramme, Spannungsbögen und so weiter. Aber sobald ich zu schreiben beginne, mache ich das am Computer. Schon allein deshalb, weil ich beim Schreiben permanent noch etwas einfüge, die Szenen wieder verschiebe, Teile lösche oder sie umwandle. Das ist mir auf Papier viel zu anstrengend. Umso schöner finde ich es, dass wir hier wieder einmal sehen: Jeder hat seinen eigenen Weg, und jeder kommt damit zu seinem Ziel. Das finde ich super!

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  3. Ich schreibe lage Texte (und ich fabriziere ja fast nur solche) nur am Computer. Ich habe halt zwei Computer. Der eine ist ein alter Herr, der noch mit Windows Vista läuft und deshalb nicht ans Internet darf. Dann komme ich auch nicht in Verlegenheit, nur mal eben bei Wikipedia …
    Andererseits habe ich eher wenig Probleme, mich um soziale Interaktionen im Netz zu drücken. Manchmal muss ich mich regelrecht in den Hintern treten, damit ich mich bei Facebook anmelde. (Ich weiß. Ich bin ein bisschen seltsam.)

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    1. Ich habe auch schon Erinnerungsnachrichten von Facebook bekommen, ob ich nicht doch wieder mal vorbeischauen mag (wollte ich nicht, ich saß am Strand im Urlaub).
      Die Idee mit dem Zweitcomputer finde ich auch gut, das habe ich schon ab und an gehört, dass das eine sehr gute Alternative dazu sein kann, seine Geräte im Klo zu versenken.

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