Der Einstieg in den Roman: Warum der erste Eindruck zählt und wie man ihn richtig hinbekommt.

Über den Jahreswechsel, bei all den Feiertagen, stellte sich mir folgendes gravierendes Problem: Ich hatte nichts mehr zu lesen (oder jedenfalls nichts, wonach mir der Sinn stand). Und da beschloss ich, etwas auszuprobieren.

In Schreibratgebern und Kursen werden Schriftsteller immer wieder darauf hingewiesen, dass Buchkäufer ein Buch wieder weglegen, wenn sie der erste Absatz oder sogar der erste Satz nicht überzeugt hat. Auf diesem Blog gibt es einen Post über den Kickstart in den Fantasyroman mit ein paar Beispielen.

It is a truth universally acknowledged...
Quelle: Flickr ( conejoazul Creative Commons-Lizenz)

Da ich normalerweise keine Spontankäuferin bin und sehr gezielt aussuche, wovon ich bereits gehört oder gelesen habe, konnte ich dieses Erster-Satz-Phänomen bei mir als Leserin bisher nicht feststellen. Ich dachte, es wird mal Zeit. Ein Selbstversuch.

Nachdem ich meine Liste zu lesender Bücher, meine zweite Liste zu lesender Bücher und meine mentale Liste an Büchern, die man mir empfohlen hat, konsultiert hatte, lud ich eine kleine Sammlung von Leseproben in meine Kindle-App.

Ich öffnete die Leseproben eine nach der anderen, und las jeweils so weit, wie ich mich in die Geschichte hineingezogen fühlte. Im längsten Fall dauerte dies über die gesamte Leseprobe, in der Regel das erste Kapitel, an und ich lud anschließend das eBook herunter oder habe mir das Buch gemerkt, um es bei der nächsten Gelegenheit zu lesen.

Andere Leseproben löschte ich, ohne sie überhaupt zu Ende gelesen zu haben. Warum?

  1. Der Stoff schien überhaupt nichts Neues zu sein. In einer Leseprobe war die Protagonistin eine etwas nerdige High School-Schülerin, die gerade in eine neue Stadt gezogen war und dort einen Typen kennen lernte, der zwar irgendwie fies zu ihr war, aber der am besten aussehende Mann, der ihr je untergekommen war. Déjà-vu, anyone?
  2. Die Erzählstimme gefiel mir überhaupt nicht. Und wer hat schon Lust, sich einen ganzen Roman von einer Stimme begleiten zu lassen, die einen schon nach fünf Seiten aufregt?
  3. Der erste Satz war Mist, und es wurde nicht besser. In einer Leseprobe hat mir bereits der allererste Satz überhaupt nicht gefallen – ich fand ihn abgedroschen und bemüht komisch, obwohl er das keineswegs war – und als ich der Fairness halber den ersten Absatz zu Ende las, wurde es auch nicht besser.

Am Ende hatte ich nicht nur gefunden, was ich lesen wollte und was nicht. Ich stellte auch fest, dass Kindle-Leseproben das ideale Trainingsmaterial für jeden Schriftsteller sind. Man kann sich quer durch Kategorien und Genres die ersten Seiten von Romanen ansehen, daraus lernen, vielleicht sogar die eigene Leseliste erweitern und – es ist umsonst! Man sieht schnell, welcher Einstieg ansprechend ist, welche Schnitzer irritieren und dazu bringen, das Buch wieder wegzulegen, und vor allem: wie wenige Seiten man hat, um den Leser von seinem Buch zu überzeugen.

Ein bisschen beängstigend, ja. Aber der wichtigste Realitätscheck, dem man sich als Schriftsteller stellen muss.

Alena

 

 

 


5 Gedanken zu “Der Einstieg in den Roman: Warum der erste Eindruck zählt und wie man ihn richtig hinbekommt.

  1. Als Selbstversuch habe ich das noch nicht gemacht, aber ohne Leseprobe kaufe ich kein Buch – entweder per Kindle, oder ich blättere im Laden rein. Bis heute habe ich zum Beispiel die „Hunger Games“ nicht gelesen, weil mich die Erzählstimme so nervt …

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