Was ich beim Lesen von „The Demon’s Surrender“ gelernt habe (Lehr-Buch #3)

In diesem dritten Post der neuen Kategorie Lehr-Buch (keine Rezensionen, sondern Erkenntnisse aus anderen Romanen) geht es um die Wahl der Perspektive, wann man die falsche Perspektive gewählt hat, und den viel bemühten Spruch „Kill your darlings“. Dafür ist The Demon’s Surrender von Sarah Rees Brennan das perfekte Beispiel.

Foto: Pinterest; Zitat: Twitter@DonnaBaierStein

Um die Erkenntnis vorwegzunehmen: Leser investieren in Bücher. Nicht nur finanziell, sondern auch mit ihrer Zeit und, vor allem, ihrer Aufmerksamkeit und ihrer emotionalen Bindung an die Figuren. Wenn wir mitten in einer Reihe den Fokus auf eine andere Figur legen, die uns vielleicht ans Herz gewachsen ist, in die der Leser aber kein emotionales Investment hat, nimmt er uns das übel.

Vorab: Mir hat die Demon’s Lexicon-Trilogie sehr viel Spaß gemacht und als ich damit durch war, war ich doch ein wenig wehmütig. Teil I habe ich bereits als gutes Beispiel für einen stringenten Plot und eine originelle Hauptfigur besprochen. Und genau deshalb war dieser dritte Teil aus meiner Sicht der schwächste der Reihe (Rezensionen anderer Blogger finden sich hier): Der Roman wurde aus der Perspektive einer anderen Figur erzählt und, sorry Sin, die war nicht halb so interessant.

Um zu verstehen, worum es geht, muss man eigentlich nur Folgendes wissen: Die Hauptfiguren der Trilogie sind die Brüder Alan und Nick, aus dessen Perspektive wir Band I erleben. Nicks Perspekitve ist extrem gelungen und originell (siehe Erkenntnis #2). In Band II wechselt die Perspektive zu Mae, einer engen Freundin beider Brüder.

Bereits das finde ich problematisch. Am Ende von Band I geschieht zwar etwas mit Nick, das es extrem schwierig gemacht hätte, sich weiterhin in seinem Kopf aufzuhalten (was genau lässt sich schlecht erklären, ohne das Buch mit einem riesigen Spoiler zu zerstören). Ich kann deshalb aus inhaltlichen Gründen verstehen, wieso der Perspektivwechsel vollzogen wurde. Aus allen anderen Gründen aber nicht. Spätestens, wenn es darum geht, Geld für ein Buch auszugeben. (Wie, da ist Mae drin? Ich wollte aber Nick haben?! Dann kaufe ich es doch nicht.)

Mae konnte ich als Erzählerin nun gerade so akzeptieren, da sie jederzeit sehr nah an Alan und Nick dran war. Aber dann, in Band III, kam Sin. Sin war aus den vorherigen Bänden zwar bekannt,  spielte aber nie eine bedeutende Rolle. Und ganz ehrlich: Sie war mir vollkommen egal. Nick, Alan und Mae waren meine Referenzpunkte; nun musste ich einen ganzen Roman aus der Sicht dieses Mädchens erdulden, dessen Geschichte im Nachhinein nicht uninteressant war, die mich aber schlicht nicht interessierte. Sin lag Sarah Rees Brennan offenbar am Herzen, aber für das Buch wäre es wahrscheinlich besser gewesen, sie hätte eine andere Lösung gefunden. Nicht zuletzt, weil die Perspektive auch objektiv nicht optimal gewählt ist. Eine Protagonistin, die so oft beobachtend daneben steht, während die anderen Figuren die Handlung vorantreiben oder an irgendeiner Tür lauscht, weil man sie nicht einbezieht, ist mir noch nie untergekommen.

Was ich daraus gelernt habe: Auch bei der Wahl der Perspektive geht es um Relevanz. Sie sollte so gewählt werden, dass der Leser die Geschichte aus all den Blickwinkeln erfährt, die er braucht, um das Bild zusammenzufügen. Alles andere sind Darlings. Und wer keine Darlings töten will, kann sie vielleicht trotzdem so beschränken, dass sie das Leseerlebnis nicht schmälern.

Alena

 

 

 


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