Inspiration: Was eine U-Bahn-Fahrt so alles kann.

Als ich letzte Woche morgens in der U-Bahn saß, auf dem Weg zu Arbeit, konnte ich wieder einmal etwas Spannendes beobachten. Okay, vielleicht liegt das auch daran, dass in meinem Kopf immer sofort Geschichten entstehen, sobald ich was beobachte. Aber letztlich kommt es ja doch auf’s Gleiche hinaus: Es war spannend. Ich stieg ein, setzte mich und blickte umher. Da sah ich ein Pärchen, beide würde ich auf Mitte Zwanzig schätzen. Während sie ihm etwas erzählte, mit den Schnüren seiner Kapuze spielte und ihn immer wieder anlächelte, hatte er eine versteinerte Miene und gab offensichtlich nur einsilbige Antworten. Jetzt weiß ich natürlich nicht, über was die beiden gesprochen haben, und das Gespräch vielleicht einsilbige Antworten erforderte. Aber spätestens in dem Moment, als sie ein bisschen näher kam (und es sah ungelogen sehr, sehr, sehr danach aus, dass sie ihn küssen wollte) und er einen Schritt zurück machte, wurde das Ganze erst recht spannend.

Traveling Together: 藍川芥 aikawake. Flickr Creative Commons-Lizenz

In meinem Kopf begann die Geschichte: Was war da los? War der Typ einfach nur Morgenmuffel, hatte ihr schon tausend Mal gesagt, dass sie nicht an den Schnüren der Kapuze spielen sollte, oder hatte er vielleicht eine wichtige Prüfung vor sich? Oder wollte er womöglich überhaupt nicht mit ihr zusammen sein? Nein, so etwas Fieses wollte ich gar nicht denken, aber als die Bahn hielt, und die beiden ausstiegen, flitzte er durch die Tür, sie hinterher. Es hatte sich ein Mann zwischen die beiden gedrängelt, sodass der Typ sichtlich genervt am Bahnsteig auf das Mädchen warten musste und dann im sicheren Abstand von mindestens einem Meter schräg vor ihr her lief. Wieso tat er denn so etwas Gemeines, und auch noch so offensichtlich, dass es anderen (also mir) auffallen konnte? Die Bahn verließ die Station, ich fuhr weiter. Stunden später, ich hatte die Szene schon fast wieder vergessen, fuhr ich nach Hause. Und, huch, da stieg das Mädchen ein, mit einem Typen (erinnert mich irgendwie an meine Bahnfahrt mit den Teenie-Girls). Sie lächelte ihn genau so glücklich an wie noch am Morgen. Und er erzählte fröhlichen Tons von Umstrukturierungen im Unternehmen, welches Team was tun wird und so weiter (sie standen hinter mir, ich konnte nichts dafür, dass ich alles gehört habe 😉 ). Als ich ausstieg, musste ich natürlich sicher gehen, dass das der gleiche Typ von vorher war. Ich drehte mich um, aber: Er war es nicht. Neue Geschichte in meinem Kopf: Der Typ am Morgen war ihr Freund, sie mussten nur auf dem Hinweg zusammen los gehen. Er hatte einfach nur schlechte Laune, sie quasselte ihm das Ohr weg und war froh, dass am Ende des Tages jemand ihr das Ohr wegquasselte. Das ist aber, ehrlich gesagt, langweilig. Bin ich Fantastik-Schriftstellerin, oder was? Also: Fantastische Geschichte in meinem Kopf: Der Freund des Mädchens wurde von einem Gnom befallen, der ihn dazu gebracht hat, schlechte Laune zu verströmen. Das Mädchen wurde nicht von dem Zauber beeinflusst, weil sie eine geheime Gabe hat, die sie wie ein Schutzschild umgibt und nichts Übernatürliches an sie heran lässt. Als sie merkte, was mit ihrem Freund los ist, und es keine Hoffnung auf Umkehr gab, hat sie sich kurzerhand einen neuen Freund gesucht. Sie verbrachte den ganzen Tag damit, einen Gegenzauber zu finden. Sie fand auch einen, wandte ihn auf ihren Freund an. Der wirkte durch die neu gewonnene Fröhlichkeit wie ein anderer Mensch (sagt man doch immer, oder?) und sie erlebten ihr Happily-Ever-After. Und wer noch mehr meiner morgendlichen Geschichts-Abenteuer lesen mag: Hier gibt’s noch eins. Sogar mit Zauberstäben. alexa


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