Nicht für dumm verkaufen (lassen)!

Ich habe vor Kurzem einen spannenden Post gelesen von Graham Moore, dem Drehbuchautor von The Imitation Game. Am besten an dem Beitrag hat mir eine Passage in der Einleitung gefallen, die ich so zutreffen fand, dass ich mit der Hand auf den Tisch hauen und laut „Genau!“ rufen wollte, als ich sie las. Leicht gekürzt ist sie das (Hervorhebungen sind meine):

Our character is a scientist of some kind. […] Our scientist character delivers a brief, relatively reasonable paragraph of technical dialogue. He explains some plot point to the other characters in the scene, which serves to explain it to the audience as well. He throws in a few obscure, jargon-y scientific words for verisimilitude, but the basic point he makes is quite clear and comprehensible. […] But then, after our scientist has finished, the camera turns to a second character. […] This guy makes an incredulous face in response to the scientist’s technical language. And then he says the following line:

“WHOA, Doc. Say that again in English!”

[…] I find this moment to be extremely condescending to its audience. The moment essentially signals to the viewer that all of that mumbo-jumbo that this smarty pants has been blathering on about, well, we filmmakers do not understand a word of it. Moreover, we don’t care to. And we have no interest in your understanding it either.

It’s a moment of casually cynical anti-intellectualism. It’s a joke predicated on the idea that only some geeky sex-less egghead would ever bother to care about what some dotty scientist says. The moment treats neither its characters nor its audience with respect.

(Quelle: Graham Moore, „How to Write About Characters Who Are Smarter Than You“)

Foto: Pinterest

Genau das dachte ich schon unzählige Male, wenn ich in Filmen, Fernsehserien und zum Teil sogar Büchern eine ähnliche Szene erdulden musste. Nun dürfen wir in Büchern und Filmen die Gesellschaft des einen oder anderen intelligenten Helden genießen (man denke an die BBC-Serie Sherlock, Das Rosie-Projekt oder The Universe Versus Alex Woods). Aber viel zu oft fragt man sich doch trotzdem noch: Wieso halten Filmemacher uns für zu blöd, eine knappe, gut verständliche Unterhaltung über wissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen? Wieso ist es nahezu suspekt nerdig, wenn man sie trotzdem versteht? Und wieso ist es cool, sie nicht zu verstehen?

Was ich als Leserin einfordere, ist, nicht für dumm verkauft zu werden. Als Schriftstellerin ist es deshalb eine meiner goldenen Regeln, meine Leser nicht für dumm zu verkaufen. Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass meine Leser mindestens genauso intelligent sind wie ich selbst.

Und wenn ich dann eine Figur hinkriege, die noch ein bisschen cleverer ist als wir alle zusammen – dann habe ich mehr Spaß beim Schreiben, und alle anderen dürfen sich beim Lesen die Zähne daran ausbeißen.

Weil ich glaube, dass intelligente Figuren nicht einfach verschrobene Nerds sind. Sondern toll.

Alena

 

 

 


8 Gedanken zu “Nicht für dumm verkaufen (lassen)!

  1. Hmm. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Zitat aus dem Avengers-Film ein.

    Dr. Bruce Banner gibt eine wissenschaftliche Erklärung.
    Tony Stark sagt: „Finally, someone who speaks English!“

    Nerds unter sich, und ein Grund dafür, warum ich den Film mag.

    Gefällt 2 Personen

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