Die Qual der Wahl? Warum Entscheidungen das einzig Wahre sind.

Soll ich meinen besten Freund verraten, um das Spiel zu gewinnen? Soll ich mich den Bösen anschließen, um die Weltherrschaft zu erlangen? Soll ich mich verstecken, oder soll ich eine Heldin sein?

Es gibt unzählige Entscheidungen, die wir unsere Figuren treffen lassen können, und jede einzelne kann unser Buch ein bisschen besser machen. Richtig eingesetzt können Entscheidungssituationen jeweils die Doppelfunktion erfüllen, den Plot voranzutreiben und eine implizite Charakterisierung der Figur zu liefern.

Es gibt in einer Geschichte nichts, was mich so sehr langweilt wie Zufälle, und es gibt wenig, das mich so sehr interessiert wie Entscheidungen. Im Beziehungsgeflecht zwischen Figuren rückt das Setting der Geschichte in den Hintergrund – soll heißen, ob wir Sci Fi, Fantasy oder Chick Lit schreiben ist eigentlich egal – während die Psychologie der Figuren die Handlung bestimmt.

Während das erste Event, das den Stein der Handlung ins Rollen bringt, oft nur ein von außen kommender Zufall sein kann, ist es wichtig, die Handlung danach über die Aktionen der Figuren voranzutreiben. Wenn wir die Figuren aktiv entscheiden und handeln lassen, machen wir die Handlung zu etwas Aktivem, das durch die Figuren getrieben wird im Gegensatz zu etwas, das den Figuren mehr oder weniger zufällig passiert. Die Figuren reagieren nicht nur, sie agieren auch. Und müssen mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben.

Beispiel:

Eine Frau liebt den besten Freund ihres Mannes. Eines Morgens verlässt der Mann das Haus und wird auf dem Weg zur Arbeit von einem Bus überfahren. Nun steht der Liebesgeschichte der Frau und des besten Freundes ihres verstorbenen Mannes eigentlich nichts mehr im Weg, aber der Todesfall überschattet die Beziehung, die leise in die Brüche geht und unglücklich endet.

Foto: Pinterest

Schon ein ziemlich gefühlsgeladener Plot. Aber wie wäre es damit:

Eine Frau liebt den besten Freund ihres Mannes. Eines Morgens entscheidet sie sich, ihrem Mann diese Liebe zu gestehen. Es kommt zum Streit, der Mann verlässt wutentbrannt das Haus und wird auf dem Weg zu seinem besten Freund, dem er eine reinhauen will, von einem Bus überfahren. Die Frau ist der festen Überzeugung, dass die Entscheidung, ihrem Mann reinen Wein einzuschenken, zu seinem Tod geführt hat und fühlt sich schuldig. Zugleich beginnt sie, den besten Freunde ihres verstorbenen Mannes zu hassen, denn wenn der nicht gewesen wäre, wäre das alles nicht passiert. Das ruiniert die Beziehung, die laut und voller Schuldzuweisungen endet.

Das zweite Szenario wird nur minimal anders angestoßen. Aber die Tatsache, dass der Stein, der alles ins Rollen gebracht hat, die aktive Entscheidung einer Figur war, bringt eine viel intensivere Dynamik in das Wechselspiel der Figuren. Denn Entscheidungen ziehen mitunter Schuld nach sich. Und Schuld ist für das Bauen neuer Handlungsstränge ein regelrecht hervorragender Nährboden.

Wie sind eure Erfahrungen mit der Bedeutung von Entscheidungen im Aufbau der Handlung?

Alena

 

 

 

P.S.: Mehr zum Thema Entscheidungen und Psycholgie der Figuren in meinem nächsten Post der Kategorie Lehr-Buch


5 Gedanken zu “Die Qual der Wahl? Warum Entscheidungen das einzig Wahre sind.

  1. Ein Zufall ist am Anfang okay – das wäre in diesem Falle der Bus. Zufälle weiter hinten: kommt auf den Text an. Dinge, die wie Zufälle aussehen, aber keine sind: immer gern.

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