Was ich beim Lesen von “This Is Where I Leave You” gelernt habe (Lehr-Buch #4)

In diesem vierten Post der neuen Kategorie Lehr-Buch (keine Rezensionen, sondern Erkenntnisse aus anderen Romanen) geht es um Entscheidungen und die Psychologie von Figuren. Warum Entscheidungen, die die Figuren zu treffen haben, unser Buch eigentlich nur besser machen können, wissen wir jetzt. This Is Where I Leave You von Jonathan Tropper ist das perfekte Beispiel, um sich das mal in der Umsetzung anzuschauen.

Für alle, die das Buch nicht kennen (wurde vor Kurzem mit dem deutschen Titel Sieben verdammt lange Tage verfilmt), hier eine kurze spoilerfreie Zusammenfassung, bevor ich ebenso spoilerfrei darauf komme, was ich beim Lesen dieses wirklich guten Buches gelernt habe.

The death of Judd Foxman’s father marks the first time that the entire Foxman family-including Judd’s mother, brothers, and sister-have been together in years. Conspicuously absent: Judd’s wife, Jen, whose fourteen-month affair with Judd’s radio-shock-jock boss has recently become painfully public.

Simultaneously mourning the death of his father and the demise of his marriage, Judd joins the rest of the Foxmans as they reluctantly submit to their patriarch’s dying request: to spend the seven days following the funeral together. In the same house. Like a family.

As the week quickly spins out of control, longstanding grudges resurface, secrets are revealed, and old passions reawakened.  For Judd, it’s a weeklong attempt to make sense of the mess his life has become while trying in vain not to get sucked into the regressive battles of his madly dysfunctional family. All of which would be hard enough without the bomb Jen dropped the day Judd’s father died: She’s pregnant.

Quelle: http://jonathantropper.com/books/this-is-where-i-leave-you/synopsis/

Abgesehen davon, dass ich das Buch wahnsinnig gut fand, kann man daran sehen, dass es nicht immer die actiongeladene Handlung braucht, um eine Geschichte spannend, unterhaltsam und fesselnd zu machen.

Die Familie Foxman macht in den sieben Tagen, die alle gezwungenermaßen miteinander verbringen, nicht viel mehr als, na ja, sieben Tage praktisch aufeinander hocken. Ab und zu werden kleine Ausflüge in die Umgebung unternommen, aber insgesamt ist der Roman eher arm an Schauplätzen. Der Stein, der alles ins Rollen bringt – der Tod des Vaters – passiert mehr oder weniger zufällig, aber fast alle darauf folgenden Entwicklungen der Handlung basieren auf Entscheidungen, die die Figuren treffen. Die Handlung lebt davon,

  • wer gerade Ärger mit wem hat;
  • was man sich gerade so an den Kopf wirft;
  • wer mit wem schläft;
  • wer wen beschuldigt, für was, und die sich daraus sofort ableitende Frage, wer sich auf wessen Seite schlägt.

Die universellen Fragen zu Konflikten rund um Familie, gemeinsame Geschichte, erwachsen werden und alles, was damit zu tun hat, lassen sich im Grunde genommen herunterbrechen auf folgende Fragen:

  1. Welche Entscheidungen haben die Figuren getroffen?
    • Was hat das mit ihnen selbst gemacht?
    • Was hat das mit den Menschen gemacht, die sie lieben?
    • Gibt es falsche Entscheidungen?
    • Sind diese Entscheidungen umkehrbar und wenn ja, wie?
  2. Schuld.
    • Wer hat Schuld, und vor allem, wie verändert sich Schuld, wenn man sie aus der Perspektive von verschiedenen Figuren betrachtet?
    • Was kann man anderen Menschen vorwerfen, und für wie lange?
    • Was kann man vergeben und was nicht?
  3. Was wäre wenn?
    • Was wäre passiert, wenn Figur A sich anders entschieden hätte, wenn Figur B anders darauf reagiert hätte, etc.?

Die Dynamik der Gesichte lebt also von alten Konflikten, nicht ausgesprochenen Vorwürfen, Enttäuschungen, und der Tatsache, dass die Figuren sich trotzdem immer wieder aufeinander zu bewegen, sodass Reibung entsteht.

Lektion: Das Netz aus Figuren, das wir knüpfen, wird dichter und hält die Geschichte fester zusammen, wenn wir diese Reibung an möglichst vielen Stellen erzeugen können. Daraus ergeben sich Nebenhandlungen, oder auch einfach nur implizite Charakterisierungen der Figuren. Und jede Geschichte braucht starke, facettenreiche Figuren.


6 Gedanken zu “Was ich beim Lesen von “This Is Where I Leave You” gelernt habe (Lehr-Buch #4)

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