Heldinnen

Zum Thema starke weibliche Figuren konnte man zuletzt einige gute Beiträge lesen. Wir wissen, dass es nicht ausreicht, eine weibliche Figur mit einer Waffe und ein paar Kampftechniken auszustatten, damit sie stark daherkommt. Wir wissen auch, dass sie schnell von einer beliebten zu einer sehr unbeliebten Figur mutieren kann, für alles mögliche, vor allem aber für zu viel Stärke. Und dann gab es da noch die Idee, dass eine weibliche Figur vielleicht nicht einfach nur stark sein sollte, sondern, genau wie männliche Figuren übrigens auch, über eine Menge Eigenschaften verfügen, die ihr Tiefe geben.

Am wichtigsten ist dabei sicherlich, ihr Handlungsspielraum zu geben und sie ihre eigenen Entscheidungen treffen zulassen. Es gibt aber auch den einen oder anderen Handlungsstrang, den wir einfach mal sein lassen könnten, um unsere weiblichen Figuren nicht in aussichtslose Situationen zu bringen, die dann unweigerlich dazu führen, dass sie handlungsunfähig werden und/oder gerettet werden müssen.

Diese Plots kann ich einfach nicht mehr sehen:

  • Das Love-Triangle. Dass ich diese ganzen Dreieckgeschichten seit geraumer Zeit satt habe, habe ich schon mindestens einmal kundgetan. (Oder öfter.) Besonders ärgerlich sind sie, wenn eine weibliche Figur drei Viertel der Geschichte mit nichts anderem zubringt, als zu versuchen, sich zwischen zwei Männern zu entscheiden. Und dann wieder umzuentscheiden. Gibt es nichts Anderes, das diese Figur im Leben erreichen könnte?
  • Mädchen trifft gutaussehenden, geheimnisvollen Fremden (okay – so weit, so hot), wird schlecht von ihm behandelt (das ist ein Problem), was sie sich gefallen lässt (das ist ein größeres Problem) und schickt sich an, den Bad Boy zu läutern (ganz dumme Idee), was ihr dann auch noch gelingt (geht’s noch?! unrealistisch!), sodass der böse Junge zum Rest der Welt zwar immer noch böse ist – aber nicht mehr ganz so sehr – aber zu ihr gaaaaanz lieb (genau). Wieso suggerieren wir unseren Leserinnen da draußen, dass sie Geduld haben sollen mit einem Kerl, der sie zwar schlecht behandelt, sie dafür aber angeblich aufrichtig liebt, und dass sie ihn schon zum Besseren verändern werden, wenn sie sich nur genug Mühe geben? Lösungsvorschlag: Typen suchen, der zwar weniger geheimnisvoll ist, dafür aber ein besserer Mensch. Im realen Leben klingt es doch auch logisch. Können dann bitte die weiblichen Figuren ab und zu einer ähnlich gesunden Logik folgen?
  • Mädchen ist/ fühlt sich/ ist bekannt als hässlich. Trotzdem (denn seit wann haben hässliche Figuren ein Recht auf romantische Neben- geschweige denn Haupthandlungen?) verliebt sich ein toller Typ in sie. Und findet sie dann hübsch. Oder so ähnlich. Schönheit ist immer noch ein so verdammt großes Thema, das könnte man mal lassen. Oder runterfahren. Nicht immer, wohlgemerkt. Aber manchmal schon.
  • Wenn ich noch einmal lese, dass Junge zu Mädchen sagt „Ich liebe dich, aber wir können nicht zusammen sein, weil meine Anwesenheit dich in Gefahr bringt und um dich zu schützen, muss ich dich leider hier und jetzt und sofort verlassen“, woraufhin sie eigentlich nichts macht, außer in Liebeskummer zu ertrinken – dann, liebe Leute, flippe ich aus.
  • Und was mir höllisch auf die Nerven geht: Frauen und Mädels, die Siegertypen
    Eher unpraktisch… Foto: Pinterest

    sein sollen, sind oft super-sexy, rennen auf High Heels durch den Schlamm, besiegen dabei den Bösen eigenhändig, indem sie ihm den Absatz ihres Stilettos ins Auge bohren, und wenn sie das alles erledigt haben, ist noch nicht mal das Make-up verschmiert. Wenn ich losziehe, um die Welt zu retten, ist mir dabei doch egal, wie ich aussehe. Die Zeit, den Lippenstift nachzuziehen, nehme ich mir jedenfalls tendenziell eher nicht. Obwohl ich Lippenstift liebe. Und dass man auf High Heels nicht rennen kann weiß jeder. Versucht mal, damit die Bahn zu erwischen. Wenn das schon nicht klappt, wie will man dann die Bösewichter damit fangen? Gebt Heldinnen heldinnengerechte Outfits!

Was sagt ihr dazu?

Alena

 

 

 


10 Gedanken zu “Heldinnen

  1. Großartig. 😀 Das musste echt mal gesagt werden. Vor allem Punkt zwei (50 Shades of Grey) und vier (Twilight) sind sowas von ausgenudelt – und eine ganze Generation von Mädchen wächst mit der Vorstellung auf, dass genau das richtig sexy ist. Nicht.

    Gefällt 3 Personen

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s