Über die Hass-Liebe zum ersten Entwurf

Geben wir’s zu: Den ersten Entwurf des Manuskripts hassen wir alle zumindest ein bisschen. Denn zwangsläufig folgt mindestens ein zweiter, und vielleicht sogar ein dritter oder – Gott bewahre! – ein vierter, bevor wir mit dem Manuskript auf der Zielgeraden sind.

Foto: Pinterest

4 Gründe, wieso ich dem ersten Entwurf trotzdem eine besondere Zuneigung entgegen bringe:

  1. Es stehen noch alle Türen offen. Na ja, fast alle. Aber es gibt genug Freiraum, sich auch noch mal umzuentscheiden, einen Handlungsstrang rauszuwerfen, einen neuen mit hineinzunehmen.
  2. Er ist frisch, roh, und unverfälscht. Sprachlich ist er zwar oft noch nicht lupenrein (und ab und zu sogar unterirdisch). Aber immerhin haben wir Text auf die Seite gezaubert. Und danach können wir sie liebevoll garnieren mit Bildern, Gefühlen, dem Drumherum.
  3. Er beschert das erste Hochgefühl. Das Manuskript ist fertig! (Dann kommt der erste Downer  – Ach nee, ist es doch nicht… – aber das kann man ja zeitweilig ignorieren.)
  4. Der härteste Teil der Arbeit liegt hinter uns. Wir haben alles auf der Seite stehen – und wenn es einmal da steht, kann es nur besser werden. Jetzt kommt die kleinteilige, spaßige Spielerei am Plot, an der Sprache, an der Psychologie der Figuren.

Wie steht ihr zum geliebten, verhassten ersten Entwurf?


15 Gedanken zu “Über die Hass-Liebe zum ersten Entwurf

  1. Er ist wie die berühmte Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt. 😉 Habe schon vor Entzücken und vor Abscheu geschrien beim Lesen zwei Tage später. Daraus erschließt sich auch mein Tipp: Immer mindestens 48 Stunden liegen lassen.

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  2. Ohne den ersten Entwurf wäre ich vollkommen aufgeschmissen. Meistens schreib ich meine Texte zu einer Zeit, zu der ich eigentlich schlafen sollte bzw will oder im Unterricht oder so. Naja im Unterricht und nachts sind meine Formulierungen manchmal doch sehr… nicht gelungen. Bei mir dauert es aber immer noch eine Zeit, bis ich den ersten Entwurf abtippe, sodass ich erst mal alles verdauen kann und weil ich meist so unmotiviert zum Abtippen bin. Wenn ich dann aber mal abtippe wird in der Regel auch noch ziemlich viel geändert. Bis ich dann die handgeschriebenen Entwürfe wegwerfe dauert es dann nochmal länger, weil ich meine Entwürfe zumindest manchmal noch ganz gern griffbereit habe.

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    1. Ha ha so hab ich das auch immer gemacht – aufgeschrieben, später abgetippt. Bis meine Faulheit siegte 😉 Mittlerweile schreibe ich nur noch direkt am Computer, oder falls Ideen mich spontan irgendwo „überfallen“ tippe ich sie ins Handy ein und schicke es mir selbst per Mail, damit ich alles per Copy+Paste ins Manuskript einfügen kann und garantiert nichts abtippen muss 😉 Dabei ist Abtippen für den Arbeitsprozess gar nicht so schlecht – die abgetippte Version ist immer schon eine Überarbeitung und damit Verbesserung. Ich bin trotzdem zu faul dafür ^^

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