Bibliotheken: Eine der besten Erfindungen überhaupt.

Cornell Library. Foto: patrix99

Wie im Bücherhimmel, jede Woche vollbepackt bis unter die Hutschnur durch die Straßen ziehend: Ein Bild, das den ein oder anderen Nachbarn bestimmt häufig zum Schmunzeln gebracht hat. Als Kind hatte ich immer einen Bibliotheksausweis und stopfte so viele Bücher und Kassetten, wie ich nur irgendwie tragen konnte, in den mitgebrachten Stoffbeutel. Sie mussten schließlich bis zur erneuten Jagd in der darauffolgenden Woche reichen. Das Tolle: Man bekam so viel, und das alles kostete nicht einmal etwas. Okay, der Ausweis schon. Aber erstens war der günstiger als es ein einzelnes Buch gewesen wäre, zweitens hatte man spätestens in Woche zwei nach der alljährlichen Entgeltentrichtung sowieso vergessen, dass man jemals etwas für den Berg Bücher bezahlt hatte. Und drittens: Man hatte ja gar nicht dafür bezahlt, sondern die eigenen Eltern.

Abgekommen vom rechten Weg – so ist wohl der Lauf der Zeit – saß man dann plötzlich nachmittags am Schreibtisch über Hausaufgaben oder sogar noch im Unterricht statt vorm Bücherregal und fragte sich, wie man da nur gelandet war. Meine routinierten Bibliotheksgänge wurden seltener, bis ich sie irgendwann komplett vergaß. Gibt bestimmt sowieso nichts Neues, sagte ich mir. Wahrscheinlich, um mir mein schlechtes Gewissen selbst auszureden. Denn natürlich gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Oder vielmehr: Hätte es gegeben.
Später, während meiner Studienzeit, erzählten Freunde, dass sie Bücher, CDs, Filme und Hörbücher stets ausliehen, gar nicht alles kauften. Stimmt, wieso noch mal leihe ich nichts aus?, fragte ich mich. Ich konnte mir keine Antwort geben und beschloss, das Projekt „Bibliothek“ erneut anzugehen. Geplant, getan.

Das Paradies auf Erden. Wahnsinn, wie viel man kreuz und quer lesen kann. Auch einfach mal in Genres reinlesen, die man eigentlich nicht mag. Überzeugen die Bücher, spricht ja nichts dagegen, sie dann doch zu kaufen und ins heimische Regal zu stellen. Wenn sie nicht überzeugen: Umso besser, dass man sie nicht gekauft hat und sich jetzt fragt, was man eigentlich mit diesen ungeliebten Stücken machen soll. Und dann gibt es auch viele, viele Bücher, die wir zu lesen genießen aber nicht haben müssen. Das sind nette Geschichten, es ist Zeitvertreib, aber wir würden sie ohnehin kein zweites Mal lesen. Umso besser, dass wir sie weder gekauft haben, noch dass sie unser Bücherregal unnötig füllen oder womöglich zu Staubfängern würden. Es tut nicht weh, ein Buch aus der Bibliothek auch einfach nach der Hälfte wegzulegen, wenn es einen langweilt. In unserer digitalen Buch-in-einem-Klick-kaufen-Welt vergessen wir manchmal, dass es diese analogen, realen Orte, in denen wir Bücher in Regalen finden, die wir leihen dürfen, noch gibt (meistens gibt’s ja sogar auch eBook-Versionen in Bibliotheken zum Download). Es ist super, dass wir jederzeit Zugriff haben auf digitale Versionen der Bücher, Leseproben en masse laden und dann entscheiden können, was uns eigentlich interessiert. Wir dürfen uns aber auch stets bewusst darüber sein, was für eine geniale Einrichtung Bibliotheken eigentlich sind, und sie auch gebührend nutzen.

alexa


5 Gedanken zu “Bibliotheken: Eine der besten Erfindungen überhaupt.

  1. Vielen Dank für diesen schönen Eintrag. Da geht einem Bibliotheksmitarbeiter das Herz auf. Wir bedauern es es jedes Jahr aufs Neue, wenn wir mitbekommen, dass doch immer mehr auf Amazon gekauft wird, hören uns an, wie wenig Platz in den Regalen zu Hause eigentlich ist und dass es ja so viel einfacher ist ein eBook zu holen. Tatsächlich wissen viele nicht einmal wo ihre Bibliothek in der Stadt eigentlich ist. Sagen wir dann bei uns könne man auch eBooks ausleihen und vielen, viele Bücher, die neuesten Bestseller, DVDs, CDs – dann freue sich alle, sind interessiert. Hören sie aber, dass es eine kleine Anmeldegebühr gibt, tja, dann wollen sie nicht mehr, weil es ja viel zu teuer sei. Dass man diese Gebühr mit einem einzigen, ausgeliehenen Buch bereits zwei mal wieder gut hat, sieht keiner.
    Darum nochmals, vielen Dank für diesen Post. 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s