Es geht auch ohne die letzte Minute, muss es aber nicht.

Nachdem ich meine Abschlussarbeit an der Uni eingereicht hatte, schenkte eine Freundin mir eine Postkarte mit folgendem Spruch von Mark Twain darauf:

Foto: Nennmann

Passte natürlich perfekt, und fortan schmückte sie die Wand meiner kleinen Behausung, in bester Gesellschaft neben Karten mit klugen Sprüchen von Goethe und Feuerbach (ja, ich liebe Karten mit schlauen Aussagen…). Vor Kurzem musste ich meine Wanddekoration etwas umgestalten und überlegte, ob ich die Karte abhängen oder sie doch lieber da lassen sollte, wo sie sich befand.

Ich bin niemand (zumindest meistens), der auf die letzte Minute hin arbeitet. Deswegen fand ich den Spruch jetzt doch irgendwie nicht mehr so perfekt passend. Ich bin meistens frühzeitig mit Dingen fertig, ganz besonders, wenn ich schreibe. Meine Devise lautet: Hauptsache, ich habe erst einmal Text produziert innerhalb der Zeit, die mir für die Bearbeitung zur Verfügung steht. Bin ich zwei Wochen vor der Deadline fertig, umso besser! Jetzt habe ich tagelang die Möglichkeit, den Text zu verbessern, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Ich feile, poliere, stelle weiterführende Recherchen an. Das gilt nicht nur für Abschlussarbeiten, sondern auch für Bücher, ganz egal ob Fiktion, Non-Fiktion, Blogposts oder was ich eben sonst so schreibe. Organisation und Projektplanung sind hier zwei meiner Zauberwörter.

Es ist egal, ob wir schreiben, weil das unser Hobby ist, weil es unser Beruf ist – oder weil es unser Hobby ist, das wir zum Beruf machen wollen. Das Projekt planen und es organisieren tut doch jeder irgendwie. Ob er dabei kurzfristig fertig wird, oder in ein paar Jahren, ist davon völlig unabhängig.

Es ist übrigens auch unwichtig, wie wir schreiben. Ich bin beispielsweise eine Plotterin – ich plane meine Geschichten von vorn bis hinten durch, modelliere, passe an. Erst wenn das Gerüst (vermeintlich) perfekt steht, beginne ich zu schreiben. Andere Schriftsteller lassen sich von der Geschichte treiben, überraschen, verführen. Das ist alles okay, und auch gut so. Unabhängig davon, wie wir an einen Text herangehen, ob wir die Planer sind oder diejenigen, die sich treiben lassen: Disziplin ist ein weiteres Zauberwort, wenn wir mit unserem Projekt vorankommen und es auch (erfolgreich) abschließen wollen.

Damit will ich niemandem, der vor Abgabe eine Nachtschicht einlegt sagen, er würde falsch arbeiten. Jeder sollte so arbeiten, wie es für ihn am besten passt, wie er zu seinem besten Ergebnis kommt. Und ob er dabei das gesamte Zeitbudget bis zur letzen Minute ausschöpft oder nicht: Wen interessiert’s? Hauptsache, es passt am Ende für einen selbst!

Und was mich jetzt brennend interessiert: Wie arbeitet ihr denn?

alexa

 

 

 


3 Gedanken zu “Es geht auch ohne die letzte Minute, muss es aber nicht.

  1. Und darum bin ich niemals Autor. Weder Organisation, noch Planung oder Disziplin vorhanden.
    Meine Welt ist die Prokrastination. Solang es noch nicht wirklich nötig ist… oh schau ein Schmetterling.

    Mein ansieht ist es schon, so loszulegen, dass alles entspannt bleibt… aber meist funktioniert das nicht.
    Zumindest beim schreiben. Andere Sachen (meist auf Arbeit) erledige ich in der Regel sofort. Aber dort werde ich dafür bezahlt und nicht fürs „aufschieben“.

    Gefällt 1 Person

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s