7 Tipps für bessere Plots

Nachdem mein letzter Post sich mit der Kreation lebendiger Figuren beschäftigt hat, gehen wir heute zum Plot über. Grob gesagt ist der Plot einfach die Handlung einer Geschichte bzw. der Handlungsablauf.

Beim Plotten sieht’s manchmal so aus. Foto: Pinterest

Egal ob man zu der Sorte Schriftsteller gehört, die zuerst plotten und dann loslegen oder eher zu denen, die erst mal schreiben und dann Struktur hineinbringen – einen gut durchkomponierten Plot braucht letzten Endes jeder. Mein Arbeitsprozess gliedert sich grob in vier Phasen, von denen eine intensives (man könnte fast sagen, exzessives) Plotten ist. Aber worauf kommt es bei einem gelungenen Plot überhaupt an?

  1. Zwar kann man alle Plots bis zu einem gewissen Grad auf bestimmte Grundstrukturen zurückführen und die meisten dramatischen Strukturen lassen sich auch direkt durch bestimmte Archetypen beschreiben. Trotzdem ist für Leser nichts langweiliger als das Gefühl, etwas schon tausend Mal gelesen zu haben und einen Plot serviert zu bekommen, den man einfach nicht mehr sehen kann. Tipp: Gut Bescheid wissen über das Genre, in dem man unterwegs ist. Sich auskennen und dann versuchen, sich abzuheben. Dabei kann eine Kleinigkeit den Unterschied machen, kann eine Genre-Kreuzung alles in ein neues Licht rücken.
  2. Struktur ist wichtig. Man kann eigentlich fast sagen: Ohne Struktur geht gar nichts. Die tollsten Figuren und der schönste Schreibstil werden irgendwann langweilig, wenn die Handlung nicht zieht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Plot zu strukturieren – ich orientiere mich zum Beispiel meistens am 3-Akte-Schema. Man sollte sich früher oder später intensiv damit beschäftigen, wo man Plotpoints, also die wichtigen Dreh- und Angelpunkte der Geschichte, hinlegt und wie man sie konstruiert.
  3. Wo wir schon bei Struktur sind: Nicht vergessen, dass es nicht nur die dramatische Handlung gibt, sondern auch die innere Handlung der Figuren. Die Wendepunkte der dramatischen Handlung sollten zumindest gut auf die persönlichen Wendepunkte der Hauptfigur abgestimmt werden. Beispiel: Wenn der Bösewicht sich gegen Ende des zweiten Akts anschickt, die Weltherrschaft zu übernehmen, und der Held unter Zeitdruck gerät, dies zu verhindern, haben wir bereits eine Menge Spannung aufgebaut. Wenn wir aber für den Helden den Einsatz erhöhen, tun wir das auch für den Leser. Wie wäre es, wenn der Bösewicht zugleich eine Figur in seiner Gewalt hat, die der Held liebt? Oder wenn der Held sein eigenes Leben riskieren muss, um alle anderen zu retten?
  4. Und überhaupt, die Figuren: Die Interaktion zwischen den Figuren und das, was dabei entsteht, sollten starke Treiber des Plots sein. Jede Handlung einer Figur sollte eine entsprechende Handlung einer anderen Figur in Gang setzen. Das ist nicht nur realistisch, sondern baut auch Spannung auf.
  5. Strategie ist ebenfalls wichtig. Manche Teile des Manuskripts lassen sich „runterschreiben“, andere erfordern intensive Recherche, wieder andere sind emotional vertrackt, gehen uns unter die Haut, wollen bei zeitintensiver Detailarbeit gedeihen. Ich erstelle immer einen Szenenplan, in dem alle Szenen (ja, alle – jede einzelne von der Eröffnungs- bis zur allerletzten Szene!) aufgelistet sind und der zugleich eine Zeitplanung enthält.
  6. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt, ist es das auch nicht. So einfach. Eine Szene, ein Dialog, ein ganzer Handlungsstrang sitzt erst, wenn er beim Lesen zu 100 Prozent stimmig wirkt. Auch 99 Prozent sind noch zu wenig. Wenn man beim Lesen seines eigenen Texts den Eindruck hat, dass etwas unlogisch ist, dass die Figuren nicht glaubwürdig agieren, dass Schritte in der Handlung willkürlich oder zufällig erscheinen – umschreiben!
  7. Jedes Manuskript ist anders und bei jedem kann man während des Arbeitsprozesses eine Menge lernen. Wenn etwas nicht funktioniert und man nicht weiß, wieso das so ist, dann sollte man der Sache auf den Grund gehen. Feedback von Testlesern ist dabei hilfreich, aber auch all die Tipps und Tricks, die man auf tollen Autorenblogs finden kann, und natürlich die Analyse anderer Bücher. Denn kein Plot ist wie der andere, aber jeder kann toll werden.

Was sind eure Strategien und Tipps für die Plotkonstruktion?

Alena

 

 

 


8 Gedanken zu “7 Tipps für bessere Plots

  1. Unbewusst halte ich die Punkte sogar ein würd ich jetzt behaupten. Bei mir ist es nämlich eher so dass ich erst einmal anfange zu schreiben. Meine derzeitige Geschichte fing an mit einem Traum von mir, worauf hin ich das letzte Kapitel schrieb. Eigentlich sollte es nur eine Kurzgeschichte sein, aber die Charaktere waren mir so ans Herz gewachsen, dass ich sie nicht zurück lassen konnte. Also fing ich an mit dem ersten Kapitel und während dem Schreiben von diesem kam mir die Idee wie ich bis zum Ende kommen könnte, denn das Ende stand ja schon.
    Das ganze wurd dann kurz notiert und in sechs Kapitel gegliedert. Inzwischen habe ich das neunte Kapitel fertig, weil einfach noch so viele Details dazu gekommen sind, aber Hauptsache ist ja, dass der Plot nicht langweilig wird 😉

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  2. Ein wirklich guter Leitfaden, wie ich finde. Nur was mich persönlich stets stutzig macht, ist, dass häufig gerade Geschichten mit einem bekannten Story-Schema bei den Bestsellern herumwandern. Die Ähnlichkeiten sind zwar meist ganz gut mit diversen Details verhüllt, doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man immer wieder Parallelen. Der schmale Grad zwischen „kenn ich bereits“ und „das ist mir neu“ muss eben gut gewählt sein. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass Menschen gerne an Bekanntem festhalten. Aber zu bekannt ist wieder fade wie eine leere Scheibe Brot. Damals, als zB jeder gemeint hat, dass Guardians of the Galaxy ein so toller Film ist, war ich über die Auffassungsgabe mancher ein wenig enttäuscht. Natürlich war er nicht schlecht, aber die Story war mir persönlich zu bekannt. Dieser Film im speziellen hat sich, glaube ich, vor allem mit seinen sehr speziellen und einzigartigen Charakteren gerettet.
    Darüber könnte man jetzt ewig schreiben. Ein Thema, das mich wirklich interessiert eben 😉

    Tut mir leid, falls da jetzt ein wenig unverständliches Zeugs losgelassen wurde. Bin noch etwas schlaftrunken 🙂

    LG,
    VTT

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    1. Der schmale Grad zwischen “kenn ich bereits” und “das ist mir neu” – genau das ist wahrscheinlich der berüchtigte springende Punkt… Danke für deinen (übrigens überhaupt nicht unverständlichen) Kommentar so früh am Morgen 🙂

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