10 Tipps für überzeugendere Settings

Schnell, laut, bunt: New York – die ideale urbane Atmosphäre. Foto: Pinterest

Nachdem wir uns mit den Figuren und dem Plot beschäftigt haben, fehlt noch eins – das Setting. Das Setting einer Geschichte lässt sich grob in Zeit+Ort übersetzen, also in den Schauplatz und die Zeit, in der die Handlung in Szene gesetzt wird.

Hier sind meine 10 Tipps, wie wir das Setting besser hinkriegen:

  1. Das Setting muss zu der Art Geschichte passen, die wir schreiben wollen. Wenn das beispielsweise ein Kriminalroman ist, sollten wir uns fragen, ob wir Anonymität und Schnelllebigkeit benötigen, was für ein urbanes Setting spricht; oder ob wir den Ort auf natürliche Weise begrenzen wollen, was eher zu einem ländlichen Setting passt.
  2. Da das Setting auch Zeit mit einschließt, sollten auch folgende Aspekte bedacht werden:
    1. Jahreszeiten: Falls der Plot nicht zwingend eine bestimmte Jahreszeit erfordert (Mord im Schnee = Winter), kann man hier nach atmosphärischen Gesichtspunkten entscheiden. Brauchen wir drückende Hitze oder kalten Nieselregen?
    2. Tag/Nacht: Wann finden die wichtigsten Szenen üblicherweise statt?
    3. Genaue Daten: Unter Umständen brauchen wir genaue Datumsangaben. Dann sollte unbedingt recherchiert werden, ob es an diesen Tagen ungewöhliche Vorkommnisse des Weltgeschehens gab.
    4. Feiertage etc.: So manche Geschichte lässt man am besten zu bestimmten Daten oder (religiösen) Feiertagen stattfinden. Für eine Familienkomödie eignen sich Feste wie Weihnachten oder Ostern üblicherweise sehr gut.
  3. Wenn wir uns für das generelle Setting entschieden haben (urban vs. ländlich, den Kontinent und/oder das Land, etc.), geht es um die Auswahl eines konkreten Orts. Angenommen, wir hätten uns für ein urbanes Setting entschieden: Welche Stadt macht das Rennen? Hier sollte man einen Ort auswählen, an dem man sich möglichst gut auskennt und/oder Lust hat, weiter zu recherchieren. Wenn ich mich für Paris entscheide, dort aber noch nie gewesen bin, wirkt die Stadt im Roman schnell kulissenhaft und blass, während eine vermeintlich weniger aufregende Stadt, die ich gut kenne, atmosphärische Dichte bekommt.
  4. Das Setting muss die Handlung ermöglichen. Hier ist ggf. Recherche gefragt. Wenn ich einen Roman über Wirtschaftskriminalität schreiben will, eignet sich für ein Verbrechen im Finanzsektor möglicherweise Frankfurt besser, für den Mord an einem Start-Up-Gründer Berlin. Der Leser nimmt uns die Geschichte nicht ab, wenn die Handlung an dem von uns gewählten Ort nicht realistisch ist.
  5. Recherche schließt auch das Vertrautmachen mit Details des Orts mit ein. Das kann die Heimatstadt sein oder ein anderer Ort, an dem man gelebt oder an dem man Urlaub gemacht hat. Macht aber auch nichts, wenn man sich auf fremdes Terrain wagen muss. Nie war es leichter, einen Ort kennen zu lernen, ohne sich auch nur vom Schreibtisch zu entfernen. Google StreetView sei an dieser Stelle erwähnt, und ganze Ansammlungen von Bildmaterial sind nur einen Klick entfernt. Die Google-Bildersuche, Pinterest und Flickr reichen da meistens fürs Erste schon vollkommen aus.
  6. Aber was, wenn der Ort kein realer ist? Science Fiction und Fantasy kommen oft ohne die Schaffung einer komplett neuen Welt gar nicht aus. Dabei ist wichtig, das Setting nicht „ins Blaue hinein“ zu entwickeln. Im Detail planen, alles irgendwo festhalten, ob durch Notizen, Zeichnungen, Collagen. Leser bemerken die kleinste Unstimmigkeit, deshalb sollten wir unsere Welt kennen.
  7. Dasselbe wie beim Entwerfen einer fiktionalen Wohnung, eines Arbeitsplatzes, eines Hauses. Hilfreich kann das Arbeiten mit Vorlagen sein. Oft suche ich mir Bilder zusammen, die so ähnlich aussehen wie das, was ich beschreiben möchte, und arbeite von diesem Ausgangspunkt aus weiter. Generell gilt: Je detaillierter ein Ort in unserer Vorstellung existiert, desto realistischer bringen wir ihn auf die leere Seite.
  8. Manchmal gehört zum Setting auch, Gesellschaft, Herrschaftsstrukturen, politisches System etc. zu diskutieren. In einigen Geschichten ist das klar, in anderen muss es erklärt werden.
  9. Gern vergessen werden die Bewegungen der Figuren im Raum:
    1. Plotebene: Wie kommen die Figuren von Plotpoint A zu Plotpoint B? Wenn sie Teenager sind und in einer Großstadt leben, muss eventuell eine U-Bahnfahrt eingeplant werden, der Geschäftsmann hat vielleicht seinen eigenen Fahrer, der Detektiv nimmt ein Taxi. Nicht jeder Weg muss thematisiert werden, aber Figuren tauchen nicht „einfach so“ irgendwo auf. Auf weche Weise erobern sie den Raum, den wir für sie geschaffen haben?
    2. Szenenebene: Während die Figuren Dinge tun oder sagen, die den Plot vorantreiben, existieren sie nicht im luftleeren Raum. Unterhalten sie sich in der Küche? Dann sollten sie auch Dinge tun, die man üblicherweise in einer Küche tut, zum Beispiel essen, kochen, den Abwasch machen. Halten Sie sich im Büro auf? Dann klingelt sicherlich zwischendurch mal das Telefon. Sind sie in einem Restaurant? Dann gibt es dort Geräusche, Gerüche, andere Menschen.
  10. Im Zusammenspiel von Setting und Plot stelle ich mir das Setting gern als Kleidung vor, die der Plot trägt. Und die muss passen! Ihr würdet ja auch nicht in Anzug und Krawatte zum Sport gehen oder im Bikini zur Arbeit.

Habt ihr noch andere Tipps?

 

Alena

 

 

 


6 Gedanken zu “10 Tipps für überzeugendere Settings

  1. Zu Punkt Neun: Irgendwo habe ich mal den Tipp gelesen, Figuren etwas tun zu lassen, während sie sich unterhalten. Ist ja in der Regel auch so im echten Leben, dass Gespräche beim Essen, Arbeiten, Autofahren, Spazierengehen stattfinden. Solche settingbedingten Aktivitäten haben gleichzeitig den Vorteil, dass die Figuren sich nicht dauernd anschauen müssen, was manchen von ihnen sicher entgegenkommt.

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