Warum Leser sich an Figuren binden, und wie wir das für uns nutzen können

Über die letzten Wochen haben wir uns mit Figuren, Plot und Setting beschäftigt. Alle drei Elemente sind wichtig für eine gute Geschichte. Und trotzdem: Jeder kennt den Moment, in dem man das Buch nur zu Ende liest, weil man wissen will, wie es dieser einen Figur, die man so ins Herz geschlossen hat, am Ende ergeht. Bei TV-Serien ist es nicht anders: Wenn man Suits eigentlich nur wegen Mike Ross schaut, Game of Thrones nur wegen Tyrion Lannister, True Blood wegen Eric Northman.

Aber wieso binden Leser (und Zuschauer) sich so sehr an Figuren? Ein Grund sind sogenannte parasoziale Beziehungen. Das sind einseitige „Beziehungen“ zu Schauspielern, Stars oder eben auch fiktionalen Charakteren.

Teamwork
Foto: Dennis Skley (flickr), CC license

Warum ist das interessant? Weil wir unseren Lesern ein unterhaltsames Leserelebnis bieten wollen, das im Gedächtnis bleibt und sie dazu animiert, unser Buch zu empfehlen und unser nächstes Buch ebenso gern lesen zu wollen. Kurz: Unsere Geschichte soll die beste sein, die wir zu bieten haben und unsere Leser sollen sie lieben.

Nun können wir Leser nicht in Beziehungen zu unseren Figuren hineinzwingen, aber wir können dafür sorgen, dass alle Voraussetzungen zum Aufbau von Beziehungen zwischen Lesern und Figuren gegeben sind. Hier ein paar Tricks, die ich so oft wie möglich anzuwenden versuche:

1. Die Figuren mit so vielen Ecken und Kanten ausstatten, dass sie geradewegs wie reale Personen daherkommen. Wenn ich die Wahl habe zwischen a) neue Figur einführen und b) bereits eingeführte Figur detaillierter ausarbeiten, dann wähle ich immer b). Auch wenn das bedeutet, dass manche Figuren mehrere Rollen im Laufe des Plots spielen müssen.

2. So viel Interaktion zwischen den Figuren aufkommen lassen wie möglich. Dialoge sind in der Regel spannender als Gedanken, und außerdem treibt das den Plot voran. Jede Handlung einer Figur kann eine entsprechende Handlung einer anderen Figur in Gang setzen. Das ist nicht nur realistisch, sondern baut auch Spannung auf.

3. Die innere Handlung der Figuren gut auf die Wendepunkte der dramatischen Handlung anpassen. Dadurch erscheint der Einsatz in dem gefährlichen Spiel, das die Handlung ist, höher. Und der Leser kann gemeinsam mit den Figuren auf emotionale Berg- und Talfahrt gehen.

4. Nah am Inneleben der Figur schreiben. Das wird auch oft Deep Point of View gegannt und eine hervorragende Anleitung, wie man es macht, findet sich hier. Ich versuche immer, so tief in der Perspektive der Figur zu sein, mit allen Einschränkungen, die deren persönliche Wahrnehmung nach sich zieht.

5. Figuren in ein möglichst realistisches Netz aus (Liebes-) Beziehungen einbetten. In der Regel fällt das zwar etwas übersichtlicher aus als im realen Leben, aber auch Figuren brauchen Familie, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen. Das bietet außerdem die hervorragende Möglichkeit, das Verhalten und die Charakterzüge der Figur in Aktion zu zeigen statt sie steckbriefartig aufzulisten.

6. Nah an der Zielgruppe schreiben. Zwar sollte man mit Moden vorsichtig sein, da ein Buch schnell veraltet erscheint, wenn man zu viele Bezüge zu aktuellen Trends aufgreift, die in drei Jahren schon vollkommen out sein werden. Wenn die Protagonisten aber beispielsweise Teenager sind, sollte man sich genau überlegen, was Teenager in ihrem Alltag so tun oder welche Themen für sie Bedeutung haben.

 

Alena

 


3 Gedanken zu “Warum Leser sich an Figuren binden, und wie wir das für uns nutzen können

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