Was ich beim Lesen von “The Sherlockian” gelernt habe (Lehr-Buch #6)

In diesem Post der Kategorie Lehr-Buch (keine Rezensionen, sondern Erkenntnisse aus anderen Romanen) geht es um die Konstruktion separater Handlungsstränge. Das Beispiel, von dem man meiner Meinung nach eine Menge lernen kann: The Sherlockian von Graham Moore.

Wen eine detaillierter Zusammenfassung interessiert, der kann sich das Video zum Buch* anschauen. Kurz und knapp: Handlungstrang 1 folgt Arthur Conan Doyle, dem Schöpfer von Sherlock Holmes, auf ein Abenteuer, das dieser im Jahr 1900 erlebt. Der Handlungsstrang 2 dreht sich um Harold White, einen Sherlock-Holmes-Experten, der 2010 versucht, einen Mord aufzuklären und ein verschollenes Tagebuch von Arthur Conan Doyle zu finden.

Beide Handlungsstränge verlaufen parallel nebeneinander her und überschneiden sich nicht. Wieso fügen sie sich für den Leser trotzdem so gut zu einer stimmigen Handlung zusammen?

Foto: Hachette Book Group

1. Der Leser weiß von Anfang an, dass die Periode aus Arthur Conan Doyles Leben, die Handlungstrang 1 abdeckt, auch Gegenstand des verschollenen Tagebuchs ist. Handlungsstrang 2 nährt damit die Erwartungen an einen „Knaller“ in Handlungstrang 1.

2. Der dramaturgische Verlauf beider Handlungsstränge ist weitgehend aufeinander angepasst.

3. Abgesehen davon, dass die Sprache an das jeweilige Jahrhundert angepasst wurde, scheinen Harold White und der fiktive Arthur Conan Doyle ähnlich zu denken und sich ähnlich auszudrücken. Die Handlungsstränge erscheinen dadurch ab und zu wie Echos des jeweils anderen.

4. Das Ende des Romans bietet eine Art verketteter Auflösung: Die Auflösung von Handlungsstrang 1 geht sozusagen in Handlungsstrang 2 über, indem das verschollene Tagebuch gefunden wird und Harold White am Ende alles weiß, was der Leser im Verlauf des Romans auch erfahren hat. Damit werden die so separat gehaltenen Handlungsstränge am Ende doch zusammengeführt und die Auflösung fühlt sich ganzheitlich an.

Learning: Separate Handlungsstränge, und seien sie auch durch mehr als ein ganzes Jahrhundert getrennt, funktionieren super. Man muss sich nur überlegen, wie man sie letzten Endes zusammenführt – irgendwie müssen wir dem Leser schließlich erklären, wieso sie in einen gemeinsamen Roman gehören und nicht in zwei verschiedene.

 

Alena

 

 

 

 

* The Sherlockian von Graham Moore


2 Gedanken zu “Was ich beim Lesen von “The Sherlockian” gelernt habe (Lehr-Buch #6)

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