Vom Pinselstrich zum Meisterwerk: Wie wir beim Schreiben nicht die Übersicht verlieren

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Quelle: Alexa Coletta Instagram

Letzte Woche habe ich mir die Ausstellung „Monet und die Geburt des Impressionismus“ angeschaut. Ich kann nicht behaupten, eine Expertin in Sachen Kunst zu sein, aber Impressionismus hat mir schon immer gefallen.

Ich lauschte also freudig der netten Audiokommentar-Stimme, als mir eine Sache auffiel, die sie bei mehreren Bildern sagte: Je näher man rangeht, desto weniger erkennt man. Von ganz nah sieht man nur Pinselstriche.

Genau dasselbe passiert bei einem Roman. Die einzelnen Kapitel, Szenen, bis hinunter auf die Ebene des einzelnen Satzes – alles Pinselstriche. Aber wie stellen wir fest, ob sie sich zu einem großen Ganzen zusammensetzen? (Man kann die Seiten ja schlecht an die Wand hängen und gucken, ob sie gut aussehen.)

1. Mit einem Szenenplan arbeiten.
Dieser sollte jede einzelne Szene enthalten, sodass wir übersichtlich aufgelistet haben, was wann passiert und auf einen Blick sehen, ob der Ablauf sinnvoll ist. Ich schreibe kein Wort ohne vorher einen Szenenplan gemacht zu haben.

2. Den Plot strukturieren.
Egal ob man zu der Sorte Schriftsteller gehört, die zuerst plotten und dann loslegen oder eher zu denen, die erst mal schreiben und dann Struktur hineinbringen – einen gut durchkomponierten Plot braucht letzten Endes jeder. Woher soll man sonst wissen, ob der Spannungsbogen passt? Hier helfen Tools wie das 3-Akte-Schema.

3. Visualisieren.
Manchmal hilft es, sich Zusammenhänge optisch zu vergegenwärtigen. Beim Arbeiten an einem Roman hatte ich einmal das diffuse Gefühl, dass meine Figuren zu viel sinnlos unterwegs sind. Ich habe in einem Pfeildiagramm aufgemalt, wie viele Orte die Hauptfiguren innerhalb von ca. fünf Kapiteln besuchten. Es waren siebzehn, und damit viel zu viele. Vor allem, da oft zwischen verschiedenen Orten hin- und wieder zurückgelaufen wurde, nur um die Prozedur ein Kapitel später zu wiederholen. Ich habe das Problem gelöst, indem ich nicht wirklich nötige Stationen gestrichen und andere zusammengelegt habe.

4. Mit Sprache arbeiten.
Worte sind wie Pinselstriche. Je nach Situation und Erzählstimme muss manchmal dick aufgetragen werden. Manchmal reichen aber auch zarte Tupfer. Es ist okay, wenn der erste Entwurf sprachlich eher suboptimal ist – dafür lieben wir ihn schließlich. Aber danach muss aufpoliert werden! Niemand will lange, erzählende Sätze lesen, wenn die Action einsetzt: Je spannender und aufgeregter es wird, umso prägnanter und kurzer dürfen und sollten die Sätze sein.

Man muss einen Roman als das Gesamtwerk sehen, das er ist – so sehen ihn schließlich die Leser. Die eigentliche Arbeit aber liegt in den einzelnen Pinselstrichen.

Alena

 

 

 

 

 


3 Gedanken zu “Vom Pinselstrich zum Meisterwerk: Wie wir beim Schreiben nicht die Übersicht verlieren

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