Weniger ist mehr: Bessere Dialoge schreiben

Am Wochenende war ich auf einer 20er-Jahre-Party. Wenn man sich dafür fertig macht, ist mehr tatsächlich einfach mehr. Glitzer-Haarband, Klunker an den Ohrläppchen, die mich fast zum Vornüberfallen gebracht hätten, doppelte Schicht Make-up.

Mehr ist aber nicht immer mehr. Wenn es ums Schreiben geht, kann weniger auch mal mehr sein. (Bei 20er-Jahre-Partys übrigens auch: Die Handschuhe waren mir dann doch too much.) Ein Fehler, den man gerade als Anfänger gern macht: Dialoge überladen.

Quelle: Pinterest

Beispiel 1:
Es soll doch authentisch klingen, richtig? Und dann schreiben wir alles hin, was der normale Mensch so sagt, wenn man ihn anspricht.

– „Hast du gesehen, dass ich Erdbeeren gekauft habe?“
– „Ja.“
– „Haben sie geschmeckt?“
– „Ich hab sie noch nicht gegessen.“

So oder so ähnlich sieht eine normale, reale Unterhaltung aus. Sofern sich in diesen vier Zeilen kein für die Handlung immens wichtiges Detail verbirgt, lässt sie sich im Roman eindampfen auf diese zwei Zeilen:

– „Haben die Erdbeeren, die ich gekauft habe, geschmeckt?“
– „Ich hab sie noch nicht gegessen.“

Alltäglich und authentisch klingende Dialoge wirken geschrieben oft langatmig und zum Teil unnötig. Mein Tipp: Erst alles hinschreiben, genau so, wie man es sagen würde. Dann noch mal durchgehen und kürzen. In fast jedem Dialog lässt sich mindestens ein Drittel an unnötigem Text einsparen.

Beispiel 2:
Der Leser soll alles wissen, und zwar sofort! Deshalb überfrachten wir Dialoge mit Informationen oder Autorenkommentar.

– „Da bist du ja. Ich habe mich schon gefragt, wo du bleibst, da wir ja verabredet waren.“
– „Opa, du weißt doch, dass ich in dem neuen Job so viel zu tun habe.“

Wenn wir in einem Dialog allzu oft „ja“, „doch“, „(wie) du weißt“ verwenden müssen, ist das ein todsicherer Indikator dafür, dass es eine bessere Alternative gibt. Niemand spricht so! Auch extrem unschön: Wenn Figuren sich selbst auf eine Art und Weise bezeichnen, die vollkommen unrealstisch ist. Aussagen wie „Als deine Tochter…“, „Da du nun mal meine Schwester bist…“, „Da ich ja gerade XYZ erlebt habe…“ sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Diese Zusammenhänge sind den Figuren bewusst, sie würden sie also nicht extra äußern.

Beispiel 3:
Oft wird vergessen, dass ein Roman ein Werk ist, das sich aus vielen kleinen Einzelteilen zusammensetzt. Jeder einzelne Satz trägt zum Gesamteindruck bei, auch das, was die Figuren sagen. Ab und zu braucht es zwar vermeintlichen „Leerlauf“, sonst nimmt das Erzähltempo irre Dimensionen an. Dialoge, in denen nicht über die unmittelbare Handlung gesprochen wird, eignen sich allerdings hervorragend, um an Beziehungen zwischen Figuren zu arbeiten oder in bester „Show, don’t tell“-Manier zu zeigen, was eine Figur ausmacht.

– „Wieso hast du mich gestern Abend nicht von der Party abgeholt?“
– „Du bist doch eine emanzipierte Frau.“

Wir wissen nun, dass die Frau am Abend allein auf einer Party war, dass sie gern abgeholt worden wäre, dass der Gesprächspartner sie aber mit der Begründung, sie sei emanzipiert, nicht abgeholt hat. Über ihn haben wir erfahren, dass er abholen eher ablehnt, aber aus diesen beiden Zeilen lässt sich nicht ableiten, ob er das nur als Entschuldigung vorschiebt, weil er zu faul ist, oder ob es seinem Frauenbild tatsächlich nicht entspricht.

Über den Charakter der Frau könnten wir nun mehr lernen, je nachdem, wie sie antwortet. „Aber alle meine Freundinnen wurden abgeholt“ würde darauf hindeuten, dass es ihr um die Geste ging und/oder um ihr Ansehen vor anderen Leuten. „Aber ich habe mich unsicher gefühlt“ würde eher darauf hindeuten, dass sie sich von der anderen Figur Schutz wünscht.

Dialog darf nie dazu dienen, lediglich „Hintergrundgeräusch“ zu produzieren. Er muss authentisch klingen, auch wenn er künstlich den letzten Schliff bekommt, er darf nicht missbraucht werden, um Info-Dumping zu betreiben und er sollte dazu dienen, die Handlung voranzubringen oder alternativ die Figuren zu charakterisieren.

Habt ihr Tipps zum Thema Dialoge?

Alena


7 Gedanken zu “Weniger ist mehr: Bessere Dialoge schreiben

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