Wir müssen auch Fehler machen

In einem meiner aktuellen Lieblingsbücher How to Fly a Horse beschreibt Kevin Ashton, dass wir manchmal von Ideen Abstand nehmen müssen, auch wenn uns das absolut nicht passt:

Abandoning an idea can seem like loosing a limb. But it is not nearly as serious, and it has to be done. […] Innovation is whatever remains when all our failures are removed.

Es kann sich anfühlen, als würden wir ein Körperteil verlieren, wenn wir eine Idee begraben, schreibt Ashton. Aber das sei nicht einmal annährend so ernst wie der tatsächliche Verlust eines Körperteils und ohnehin sei etwas wirklich Innovatives, etwas Neues das, was übrig bleibe, wenn wir all unsere Fehler hinter uns gelassen haben.

So ist das auch mit Szenen, Figuren, ganzen Buchprojekten. Der Ausdruck Kill your Darlings dürfte einigen bekannt sein. Wir sollen unsere Lieben töten. Das ist irgendwie noch schlimmer, als „nur“ ein Körperteil zu verlieren…

Foto: Pinterest.

Kreative Projekte haben immer etwas damit zu tun, dass wir Zeit investieren und die Projekte lieb gewinnen. Deswegen ist es manchmal umso schwieriger einzusehen, wenn etwas nicht funktioniert. Gedanken wie „Alles nur Zeitverschwendung“, „Ich kann es sowieso nicht besser“ oder einfache Frustration wollen uns einerseits davon abhalten, das Projekt zu beenden bzw. neu zu beginnen. Und andererseits sagen sie uns die Wahrheit: Es ist noch nicht das Beste, was du rausholen kannst. In der Management-Theorie des anglo-amerikanischen Raumes ist es üblich, Fehler als etwas anzusehen, das Menschen weiterbringt. In Deutschland herrscht eher die Angst des Scheiterns. Ich finde, wir sollten uns nicht nur in der Arbeitswelt und im Management etwas mehr davon abschneiden.

Eines meiner ersten Schreibprojekte ist mittlerweile in einer Schublade versenkt worden, und da soll es auch bleiben. Mir wurde klar, was ich alles besser hätte machen können. Welche Figuren zu flach waren und warum. Ich wollte alles umschreiben, um meine geliebten Charaktere nicht zu verlieren.

Ich habe mich (gefühlt) ewig gedrückt und versucht, darum herum zu kommen, sie in ihrer Welt zu belassen und überhaupt nichts von ihnen mitzunehmen in eine neue Geschichte. Ja, es war hart, das einzuhalten. Aber: Es war nur so lange wirklich hart, bis ich ernsthaft mit etwas Neuem angefangen habe.

Und dann merkte ich: Die Figuren aus der ersten Geschichte haben mir so viel beigebracht, dass ich es ihnen schuldig bin, sie so sein zu lassen, wie sie sind. Und mit dem, was ich von ihnen gelernt habe, brillante neue Figuren zu erschaffen. Und die liebe ich jetzt auch. Genau so wie das neue Projekt. Ich habe all meine Fehler (okay, vielleicht nicht alle, aber viele), die ich beim Schreiben gemacht habe, hinter mir gelassen. Zurück geblieben ist ein neues, frisches Projekt, das funktioniert und Spaß macht.

Wie ist das bei euch: Lasst ihr Projekte schnell los, oder hängt ihr ihnen eher lang nach?

 

alexa

 

 

 

 


4 Gedanken zu “Wir müssen auch Fehler machen

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s