Warum man Struktur braucht, um kreativ sein zu können

Gestern saß ich im Auto einer Kollegin, wir unterhielten uns nett über Open-Air-Konzerte und Sommertheater im Park. Und da fiel er wieder, dieser Satz, über den ich mich immer wieder ärgern kann: „Diese Kreativen… das sind unstrukturierte Leute. Wenn man Struktur im Leben hat, kann man eben nicht kreativ sein.“

Was wären wir ohne unsere To Do-Listen? Unstrukturiert!
Was wären wir ohne unsere To Do-Listen? Unstrukturiert!

Da sie ein sehr schönes Auto fährt und ich unbedingt dort ankommen wollte, wo sie mich versprochen hatte abzusetzen, nahm ich davon Abstand, diesen Kampf auszufechten. Aber ich bin keineswegs der Ansicht, dass Kreativität und Struktur einander ausschließen. Zwar trifft man immer wieder auf kreative Ausnahmetalente, die in der Tat vollends unstrukturiert wirken.

Aber für die meisten von uns ist doch Kreativität nur im Rahmen von sehr viel Struktur möglich. (Was ich deshalb noch nie verstanden habe ist die Idee vom Kreativen als Chaot.) Wofür ich Struktur brauche?

Wenn ich nicht die Willenskraft aufbringen würde, jeden Morgen strikt nach Plan um 6 Uhr aufzustehen, um vor der Arbeit eine Stunde zu schreiben, würde ich kein einziges Wort zustande bringen.

Wenn ich keine klaren Regeln hätte, wann neue Blogposts dran sind, wann ich neuen Twitter-Followern zurückfolge, oder wann ich Kommentare beantworte, könnte ich mich nicht mit all den Kreativen vernetzen, die mich bei meinen Projekten weiterbringen und mit denen ich mich austauschen will.

Wenn meine Manuskripte nicht detailliert ausgearbeiteten und strukturierten Szenenplänen folgen würden, hätte ich bei meinem eine-Stunde-jeden-Morgen-Schreibrhythmus schon lange die Übersicht verloren.

Wenn ich mir nicht in den Kalender schreiben würde, bis wann welche Recherchen zu erledigen sind, damit Szene X rechtzeitig fertig wird, wann Bücher aus der Bücherei abzuholen und zurückzubringen sind, wann Szene Y fertig sein muss, damit Szene Z darauf aufbauen kann – dann würde ich überhaupt keine Manuskripte fertigstellen.

Wie sieht’s bei euch aus? Welche Strukturen braucht ihr, damit eure Texte gedeihen können?


20 Gedanken zu “Warum man Struktur braucht, um kreativ sein zu können

  1. Okay, nichts von dem, was du tust, um dein Schreiben zu strukturieren, mache ich. Ich bin Discoverywriterin, kann also meine Recherchen nicht vorab planen, da ich sowieso nicht weiß, was ich recherchieren muss.
    Ich habe auch keine ausgeklügelten Social-Media-Pläne.
    Aber ich bin mir sicher, dass ich auf meine Weise eine perfekt durchstrukturierte Arbeitsumgebung habe (ein Netzwerk, 500 genau durchgeplante Ordner auf dem PC, ein sehr präzises System, nach dem ich rezensiere, nach dem ich lese, nach dem ich bestimmte Teile meines Schreiballtags strukturiere).
    Auf Außenstehende wirkt alles chaotisch.
    Ich kriege die Krise und bin blockiert, wenn irgendjemand meint, etwas an meinem Ablauf ändern zu müssen. Wenn ich genau JETZT schreiben muss, dann passt es mir nicht in den Kram, die Aktivität für NACH dem Schreiben VOR dem Schreiben zu tun. Da werde ich monkig 😉

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    1. Der Kern ist doch: Jeder hat seine eigene Herangehensweise. Von außen sieht manches chaotisch aus, anderes weniger, und grundsätzlich scheint ja fast jeder (auch die, die noch nie wrklich geschrieben haben) eine Meinung darüber zu haben, ob man die „richtige“ oder die „falsche“ Arbeitsweise an den Tag legt. „Ich kriege die Krise und bin blockiert, wenn irgendjemand meint, etwas an meinem Ablauf ändern zu müssen.“ –> Genauso geht’s mir auch 😉

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  2. Für mich ist Struktur auch wichtig. Ich bin gerade dabei, mir einen Schreibzeitplan zu erstellen, der meinen Bedürfnissen entspricht. Wenn ich nicht plane, passiert auch nichts und ich kann ganze Tage verdaddeln, ohne produktiv zu sein. Sobald ich mit der Überarbeitung meines Romans fertig bin, werde ich auch einen Markteingplan erstellen, der alle meine Social-Media-Kanäle abdeckt.
    Ich gehe gerne strukturiert an Aufgaben heran, das Chaos in meinem Kopf will geordnet aufs Papier. Ich halte gar nichts von der Aussage, das alle Kreativen Chaoten sind – das kommt mir wie eine lahme Ausrede vor: „Ach, ich wäre gerne kreativ, aber ich bin zu strukturiert dafür …“

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    1. Schreibzeitpläne finde ich auch wichtig. Manchmal läuft es einfach und ich arbeite ein paar Wochen einfach so drauf los, aber in der Regel komme ich nur dann mit dem durch, was ich mir vorgenommen habe, wenn ich mir eine To Do-Liste mache und dann Stück für Stück abhake, was erledigt worden ist. Finde es außerdem sehr befriedigend zu sehen, wie die Liste immer kürzer wird 😉

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  3. Ich brauche auch eine gewisse Struktur. Genau wie Du, Alena, stehe ich morgens früh auf, um vor der Arbeit an meinen Manuskripten arbeiten zu können. Abends bin ich dazu meist zu müde. Ich stelle mir außerdem einen Plan auf, wie viel ich pro Monat / Woche / Tag schreiben muss, um meine (bisher noch von mir selbst festgelegten) Fertigstellungstermine einhalten zu können. Wenn die Rohfassung der Geschichte geschrieben ist, wird meine Planung lockerer, denn überarbeiten kann ich auch mal zwischendurch. Aber wenn ich beim Schreiben genauso locker wäre, hätte keiner meiner Romane jemals das Licht der Welt erblickt – oder meine Leser hätten inzwischen die Geduld mit mir verloren.

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    1. Wie sympathisch, noch jemand, der morgens schreibt! Abends sind die Ideen einfach nicht mehr so frisch, ich lasse mich von Müdigkeit ablenken oder von irgendwas, was mich auf der Arbeit beschäftigt hat… Und wenn es mal schwierig ist aus dem Bett zu kommen, denke ich einfach an den nächsten Punkt auf meiner To Do-Liste, der geradezu danach schreit, in Angriff genommen zu werden 😉

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      1. Genau! Das motiviert doch. Außerdem kreisen bei mir die Gedanken beim Schlafen oft um Probleme, die ich am Tag vorher nicht lösen konnte, und wenn ich aufwache, weiß ich plötzlich, wie ich den Twist konstruieren muss oder welche Szene fehlt. Mist nur, wenn man dann zur Arbeit aufbrechen muss, und die Geschichte einen im Geiste immer noch nicht loslässt. 🙂

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  4. Nicht ärgern, nur wundern sagt man ja auch so schön. Aber leicht gesagt als getan… Egal, ich setze mich Schreib-Ziele und schaue regelmäßig ob ich ungefähr da bin, wo ich sein sollte oder nicht. Also Struktur in Maßen sozusagen. Gerne höre ich mir auch Ratschläge, Tipps und Ideen an, aber es ist definitiv MEIN Schreib-Weg und ich entscheide! 🙂

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  5. Ich brauch auch Struktur, damit ich irgendwas fertig bringe. Das sind für mich Wochenziele, To Do Listen für die einzelnen Projekte und ein grober Jahres-Zeitplan, an dem ich mich orientiere: Bis wann sollte die Rohfassung fertig sein? Wann muss es spätestens ins Lektorat? Bis wann sollte das Cover stehen? etc.
    Gerade als Kreativer braucht man Struktur, man muss ja meistens um einen Brotjob herumarbeiten.
    Ich kann mir aber vorstellen, dass der Tag eines „Berufskünstlers“ für Leute, die mit dem Thema gar nichts zu tun haben, strukturlos aussieht. Einfach, weil sie nicht von 9 – 5 arbeiten, sondern manchmal nachts, frühmorgens….

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  6. Ich mach’s ganz klassisch: Exposé & Zeitplan, bis wann der Roman geschrieben, lektoriert, NOCH MAL lektoriert, korrigiert und mit Cover veröffentlicht ist. Pro Schreibtag mindestens eine Szene (je nach Länge), besser noch 1,5, um in Schwung zu bleiben. Parallel dazu gibt’s Marketingsachen wie Blogposts, Rezensenten anfragen, Blogseite gestalten, „sozial netzwerken“ u.dgl. mehr. Am besten läuft’s, wenn ich einen Tag schreibe und den nächsten Tag für Werbungplanungen nutze, denn dann weiß ich noch, was die Besonderheiten sind oder wo es bemerkenswerte Entwicklungen gab. Wann ich schreibe? Morgens, bevor der Alltag losgeht.

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    1. Morgens schreiben ist für mich auch einfach perfekt! Und guter Punkt von dir: Mit dem Schreiben ist es ja nicht getan, danach kommen die diversen Korrektur- und Lektoratsschleifen und 1000 weitere Kleinigkeiten. Ohne Plan würde ich da schlicht und einfach die Übersicht verlieren…

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      1. Ich hätte ja fast schon wieder Bock drauf, das irgendwie wettbewerbsmäßig auszuschreiben. Aber das ist denen gegenüber unfair, die sowieso so wenig Zeit haben und sich morgens hinter den Rechner klemmen müssen, um wenigstens ihre eigenen Projekte durchzukriegen. Obwohl … ?

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      2. Das ist leider oft das Problem: Man hätte Lust und Ideen für eine ganze Menge Projekte, aber da die Zeit nun mal begrenzt ist, lässt man es doch lieber sein, weil am Ende nur das eigene „Hauptprojekt“ auf der Strecke bleibt. Mehr Zeit müsste man haben!

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