Wenn Romanfiguren zu Vorbildern werden

Letztens habe ich mich gefragt ob es seltsam ist, wenn man die eigenen Romanfiguren zitiert.

 

Foto: Pinterest.

Lustiger Weise habe ich mich das noch nie für die Romanfiguren anderer gefragt – immerhin gibt es riesige Fandoms, die Figuren aller möglichen Formate zitieren (Bücher, Filme, Serien usw.). Je mehr ich darüber nachgedacht habe, umso mehr glaube ich: Nein, es ist nicht seltsam. Zumindest nicht zwangsläufig: Wenn ich den Massenmörder meines Romans zitieren und seine Blutgelüste ernst meinen würde, dann müsste ich wahrscheinlich an meinem Verstand zweifeln. Wenn ich aber die Gedanken oder Meinungen einer „ganz normalen“ Figur anwende, um etwas in meinem Alltag zu benennen, finde ich das nicht seltsam, sondern sogar gut: Denn steckt nicht in jeder Figur irgendwie etwas von dem, wie man ist, sein könnte, sein würde, wie man denkt, denken könnte oder würde? Zumindest in irgendeiner Abstufung lässt sich bestimmt in den meisten Figuren und Plotstrukturen ein biografischer Anteil am Text finden, und mag er noch so klein sein. Und wenn wir diesen in unserem alltäglichen Leben ausgraben und nutzen, dann ist das doch gut.

Vor Kurzem beschwerte eine Freundin sich bei mir, sie würde gern andere Kleidung tragen, um sich schöner und attraktiver zu fühlen – bis sie dann selbst sagte: Aber andererseits, ich kann mich auch in das Outfit dieser Schaufensterpuppe stecken, und wenn ich dann so rumlaufe wie jetzt, ändert sich auch nichts. Ich brauche Selbstbewusstsein und keinen neuen Pulli. Wahre Schönheit kommt doch sowieso von innen.

Genau deshalb ist es nicht seltsam, wenn wir (ab und zu unsere eigenen) Romanfiguren zitieren. Denn sie sind auf gewisse Art und Weise das, was wir denken, wie wir uns fühlen, wenn wir ungeachtet der Persönlichkeitsgrenzen Anderer denken und handeln dürfen. Uns auf unsere Figuren und deren Meinungen zu besinnen, kann also manchmal ein ganz schöner Ego-Boost sein. Und, seien wir ehrlich: Manchmal brauchen wir den einfach.

 

alexa


6 Gedanken zu “Wenn Romanfiguren zu Vorbildern werden

  1. Das kenne ich.
    Mein bisheriger Liebling ist: „Ich muss gar nichts. Außer sterben.“
    Die Dame entspringt meinem Erstling und hat daher noch nicht das Licht der Öffentlichkeit gesehen, aber im Grunde könnte selbiges Zitat auch Alea aus der Albenbrut angelastet werden. Was soll ich sagen? Meine eigene Punk-Attitüde ist immer noch nicht tot.

    Gefällt 1 Person

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