Warum der #NaNo15 super ist, und warum ich trotzdem nicht mitmache

Es ist soweit – wir haben November, und das heißt: Es ist wieder NaNo! Stellt sich immer wieder die Frage: mitmachen oder nicht?

Frohes Schaffen und viel Erfolg, liebe NaNoisten! #nano15 #nationalnovelwritingmonth ✏️📚

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Warum ich den NaNo einfach super finde:

  • Es wird über das Schreiben geredet. Und ist das beste am NaNo nicht das ganze Drumherum? Die ganzen Schreibtipps, die Motivationsreden, das plötzlich aufkommende Geimeinschaftsgefühl?
  • Es wird auf ein Wortlimit hingearbeitet. Mit dieser klaren Zielvorgabe ist es einfacher, den inneren Schweinhund in Schach zu halten und einfach immer weiter zu machen.
  • Das Wortlimit schafft Erfolgserlebnisse. Man setzt sich Ziele, man erreicht sie – die Motivation kommt nahezu von selbst.
  • Am Ende hat man die Rohfassung seines nächsten Romans in der Hand. Und ein erster Entwurf ist herrlich, um mit der Überarbeitung so richtig loszulegen.
  • Der Gruppenzwang treibt einen voran. Wenn es doch mal hapert mit der Motivation, trägt einen die Gruppe weiter, als man allein je gekommen wäre.
  • Die lokalen Treffen bringen einen in Kontakt mit einer gleichgesinnten Community. Man fühlt sich nicht allein mit seinem Projekt, kann auf Feedback hoffen und nette Menschen kennenlernen.

Warum ich trotzdem nicht mitmache:

  • Es wird über das Schreiben geredet. Wenn man über das Schreiben redet, schreibt man nicht. Wir verfügen alle über ein begrenztes Zeitbudget, und ich will, dass von meinem möglichst viel fürs eigentliche Schreiben an meinem nächsten Buch übrig bleibt.
  • Es wird auf ein Wortlimit hingearbeitet. Und um das zu schaffen, muss es immer vorwärts gehen, nie zurück. Kurz: Es gibt keine Zeit innezuhalten oder zurückzugehen im Text und neu zu starten.
  • Das Wortlimit schafft Erfolgserlebnisse. Das Fixieren auf das Wortlimit kann den Blick auch vom Wesentlichen ablenken und uns vorgaukeln, dass wir etwas geschafft haben, das wir in Wirklichkeit noch leisten müssen. Das eigentliche Ziel ist ja nicht die Anzahl von Wörtern, sondern ein gutes Buch zu schreiben.
  • Am Ende hat man die Rohfassung seines nächsten Romans in der Hand. Aber die ist so roh, dass sie eigentlich kein Roman ist. 50.000 Wörter machen zumindest im Bereich fantastisches Jugendbuch, in dem ich unterwegs bin, keinen Roman.
  • Der Gruppenzwang treibt einen voran. Nur: Ein Buch sollte eigentlich nicht entstehen, weil man der Online-Öffentlichkeit angekündigt hat, dass man es schreiben wird. Sondern weil man eine Geschichte zu erzählen hat.
  • Die lokalen Treffen bringen einen in Kontakt mit einer gleichgesinnten Community. Trotzdem ist Schreiben letzten Endes leider doch eine einsame Tätigkeit: du und die Tastatur unter deinen Fingern. Da hilft auch die beste Community nichts: Den Text muss man selbst produzieren.

Meine Devise: Jeden Tag 300 Wörter weiter, egal, was kommt. Auch wenn ich das nur an 300 Tagen im Jahr einhalte, komme ich auf 90.000 Wörter langsam gewachsenen Text. Mir ist das lieber, als die 50.000, die ich unter Druck in einem einzigen Monat zusammenstricke.

Wie steht ihr dazu? Bekehrt ihr mich doch noch?

Alena


20 Gedanken zu “Warum der #NaNo15 super ist, und warum ich trotzdem nicht mitmache

  1. Ich mache dieses Jahr einen auf NaNo-Rebell. Das heißt: Ich nutze ihn nicht, um einen neuen Roman from the scratch in 50.000 Wörtern geschrieben zu haben (wenigstens einmal im Leben sollte man zwar auch genau das getan haben, aber das habe ich 2013 bereits abgehakt und brauche keine Wiederholung ^^), sondern um für das Mammutprojekt, an dem ich arbeite, noch einen ordentlichen Push von mindestens 50.000 Wörtern zu bekommen, um schneller fertig zu werden.
    Mir ist aufgefallen, dass es in letzter Zeit bei mir immer mehr an Selbstdisziplin gehapert hat. Das möchte ich mit dem NaNo wieder in den Griff kriegen und noch mal ordentlich durchziehen, damit die Motivation besser anhält und ich mir dann besser angewöhnt habe, größere Mengen zu schreiben.
    Und dazu ist so ein Gruppenzwang-Event perfekt. Ich werde von allen Seiten in den Hintern getreten, die Wörter, die ich LÄNGST im Kopf habe, aber nun mal endlich aufs Papier bringen sollte, auch wirklich fließen statt tröpfeln zu lassen. Also gebe ich mir auch viel mehr Mühe, als ich es nur für mich tun würde.
    Ziel ist es, meine Buchreihe abzuschließen. Also muss ich ranklotzen. Wenn Motivation von innen aus irgendeinem Grund nicht reicht, muss man auf die Event-Rakete aufspringen und sich wordcountmäßig in ungeahnte Höhen katapultieren lassen.

    Mein Tipp: Den NaNo nicht so furchtbar bierernst und wörtlich nehmen. Niemand ist gezwungen, tatsächlich wie laut Ursprungsidee vorgesehen, den neuen Roman in 50.000 Wörtern ohne Überarbeitung zu schreiben. Wer will, der kann. Wer an einem bestehenden Projekt weiterschreiben, nur einen halben Roman schreiben, die NaNo-Treffen ignorieren, sich von allen Diskussionen zum Schreiben fernhalten will… darf genau das tun. Es ist ein Spiel. Etwas Freiwilliges, das Freude machen soll. Jeder Aspekt daran ist freiwillig ^^.

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    1. Das hast du wirklich schön gesagt 🙂 Mein Problem mit dem Gruppenzwang: Da werde ich leider erst recht rebellisch 😛 Aber ich habe natürlich trotzdem die Hoffnung, dass all die Diskussionen rund um den NaNo motivierend sind, auch wenn ich offiziell nich mitmache. Ich bin mit meinem MS nämlich genau am anderen Ende der Skala als du: Es ist noch eine zarte Pflanze, die ich nicht mit zu viel Druck kaputtmachen und langsam gedeihen lasse will.

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      1. Du hast explizit zu Bekehrungsversuchen aufgefordert, von daher habe ich mir extra viel Mühe gegeben :).
        Ne, es ist okay. Ist ja für jeden Autoren anders. Mich spornt es an, andere nervt es oder bremst es aus, weil es Lieferdruck erzeugt und so.
        Awww… Viel Spaß mit deinem Pflänzchen. Ja, in der Anfangsphase braucht so ein Manuskript noch ganz viel Liebe und Schritttempo, damit es nicht zerbricht <3.
        Kenne ich. Ich bereite meine Schreibe ja (wenn auch auf kreative Discovery-Weise) teilweise jahrelang vor, damit das Durchrushen für die Rohfassung überhaupt möglich wird.

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  2. Nö, werde dich nicht bekehren. Mir geht es ebenso wie dir. Ich finde die Idee gut, aber das war es dann auch. Ich bin ein Anhänger (Hoffentlich habe ich diesen Begriff nicht selbst erschaffen..) des „slow writing“. Ich finde 300 Wörter, maximal 1000 pro Tag, absolut ausreichend, gut und vollkommen in Ordnung. Ich wünsche mir eine Generation aus Autoren, die sich ihre Absätze, Kapitel und Seiten immer und immer wieder selbst vorliest, und mit ihrem Text so vertraut ist, wie mit dem Schrankfach, in dem sich ihre Teetassen befinden. Ich habe das für mich selbst getestet: Ich kann das Pensum schaffen, aber meine Fehlerquote ist erschreckend hoch, die Zeilen sind dann nicht gefeilt, sondern zusammengestoppelt. Ich bin in meiner eigenen Story nicht daheim. Viele Personen kommen zu schnell ins Spiel, agieren zu hölzern und alles bleibt mir immer ein bisschen fremd.

    Nun habe ich nicht das Bestreben ein Buch rauszubringen, aber ich will eine Geschichte erzählen. In welchem Medium ist mir egal. Eigentlich möchte ich das als Blog machen, und es ist für mich durchaus ein Spiel mit Öffentlichkeit und Druck, aber die Abstände meines Langstreckenlaufs definiere ich selbst. Es gibt Tage, da fühle ich mich so in Form, dass ich mein Pensum locker steigere. Aber wenn ich es schaffe, etwas zu schreiben, das zu lesen, vorzulesen, mir selbst zu diktieren und dann noch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, dann gehört das, was ich geschrieben habe, wirklich mir. Und das ist als ob ich meine eigene Qualitätsprüfung bin, und nicht bloss durchkomme, sondern mir hin und wieder ein gehöriges Maß an Zufriedenheit hole.

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  3. Ich habe im letzten Jahr am NaNo teilgenommen und festgestellt, dass ich viel mehr kann als ich vorher geglaubt habe. Und das motiviert und inspiriert mich erstaunlicherweise bis heute. Zudem habe ich tolle Leute kennen gelernt, mit denen ich mich bis heute austausche. ABER ich nehme dieses Jahr auch nicht teil. Aus ganz ähnlichen Gründen, wie Du sie oben beschreibst. Trotzdem packt mich das Fieber auch so und ich haue ein wenig mehr in die Tasten als sonst. 🙂 Wie schön, dass es so viele Schreib-Wege gibt – da ist doch für jeden was dabei! 🙂

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    1. Dann viel Erfolg beim in die Tasten hauen 🙂 Und toll, dass du über den NaNo Leute zum Austauschen gefunden hast! Das finde ich ganz wichtig, und zwar das ganz Jahr über – sei es online oder offline! Ich glaube, die meisten netten Menschen zum Austauschen über das Schreiben habe ich bisher auf Twitter gefunden – ist einfach immer wieder schön, irgendwo auf Gleichgesinnte zu treffen 🙂

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  4. Ich habe auch überlegt, ob ich diesmal am NaNo teilnehmen sollte. Aber mein aktuelles Projekt ist gerade so gut wie fertig (steht nur noch die letzte Überarbeitung an) und vom nächsten habe ich bisher nur sehr vage Vorstellungen. Ich mag mich nicht unter Druck setzen. Ein Monat, in dem ich um jeden Preis 50.000 Wörter schreiben muss, verursacht mir unnötigen Stress, vor allem, wenn die Geschichte noch nicht einmal im Kopf steht. Außerdem habe ich im November zu viele andere Dinge zu tun, Januar wäre bei mir schon besser. Aber was nützt es mir in diesem oder einen anderen Monat, mir auf Teufel komm raus Text aus den Fingern zu saugen, von dem ich anschließend mehr als die Hälfte wieder streichen muss, weil er nicht passt? Das ist nicht effektiv. Da halte ich es lieber wie Du, Alena. Ich schreibe langsam und stetig das ganze Jahr hindurch und komme in akzeptabler Zeit auch zum Ziel. Auf diese Weise habe ich immerhin schon drei Romane fertiggestellt. Trotzdem ist der NaNo eine feine Sache, weil er das Gemeinschaftsgefühl stärkt – auch bei den KollegInnen, die nicht teilnehmen. 🙂

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    1. Ich wünsche dir viel Erfolg (und Durchhaltevermögen!) bei deiner letzten Überarbeitung! An manchen Tagen finde ich Überarbeiten furchtbar, aber eigentlich liebe ich es doch: Zu sehen, wie aus einem Text genau der Text wird, den man schreiben wollte, ist einfach toll 🙂

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      1. Danke. Manchmal finde ich es ausgesprochen schwierig, das, was ich ausdrücken will, in Worte zu fassen. Glücklicherweise klingt es zum Schluss meist doch endlich, wie es soll – und das ist wirklich ein tolles Gefühl. 🙂

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  5. Das schöne bei NaNo ist, dass man den Schwung, den es gibt, nutzen kann wie man möchte. Und, wie schon so schön gesagt wurde: das man ihn ja nicht bierernst angehen muss/sollte.
    Bei meinem ersten NaNo 2011 hab ich noch brav das klassische NaNo gemacht: 50.000 Wörter Rohfassung eines neuen Romans.
    Die Jahre drauf hab ich mal mehr, mal weniger erfolgreich mitgemacht oder eben auch nicht.
    Dieses Jahr nütze ich NaNo um in einem sehr turbulenten November am Schreiben dran zu bleiben.

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  6. Mir geht’s da ähnlich – bei mir sind’s im Schnitt auch eher 300 Wörter am Tag, und das ist dann immer noch eine Rohfassung, der mindestens 10% Wörter fehlen, damit aus dem Drehbuch eine lesbare Story wird. Außerdem habe ich keine Lust, mich nach irgendwelchen Themenmonaten auszurichten, und bislang war der November immer entweder für Überarbeitungen, Planungen oder Recherchen gut, aber viel geschrieben habe ich da noch nie.

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  7. Grundsätzlich ist der diesjährige NaNo für mich hilfreich gewesen, allerdings anders, als für die meisten: Mich wunderte, dass ich so unzufrieden mit mir selbst war, gelähmt von dem Wissen, dass ich neben meinem Studium + Arbeit + Privatleben nicht 50.000 Wörter in einem Monat schaffen würde. Mittlerweile weiß ich, dass ich mich selbst unzufrieden gemacht habe, mich von meinen eigenen Fehlern habe konsumieren lassen.
    Ich nehme immer noch nicht am NaNo teil, aber jetzt, wo ich seit Ende Oktober wieder täglich schreibe, geht es mir mit dieser Entscheidung auch wieder gut. Es ist schwer, sich aufgrund der von dir völlig richtig genannten Vorteile, aus soetwas rauszuziehen – gerade wenn gefühlt alle mitmachen. Auf der anderen Seite kann man über sich viel lernen, wenn man lernt, dass das völlig okay ist 🙂

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    1. Schöner Post zum Sich-nicht-konsumieren-lassen! Und gute Idee, Facebook & Co. nur einmal Tag für 30 Minuten insgesamt zu besuchen. Gerade während des NaNo könnte man bei all den interessanten Gespächen ja den ganzen Tag auf Twitter vertrödeln…

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