Was tun, wenn unsere schriftstellerischen Vorbilder enttäuschen?

Es gibt diese Schriftstellerinnen und Schriftsteller, deren Bücher wir lieben. Bei denen allein die Ankündigung eines neuen Buchs uns für Monate in Aufregung versetzen kann. Unsere Vorbilder, unsere Helden – eben die, deren Fans wir sind, mit Haut und Haar.

Und dann passiert es manchmal, dass wir das neueste Werk mit großen Erwartungen aufschlagen – und es uns doch irgendwie enttäuscht.

So ging es mir kürzlich, als ich das neueste Buch einer Schriftstellerin,* deren Bücher ich sehr mag, deren Kreativität ich bewundere und deren Ideen mich immer wieder überraschen, einfach nicht besonders leiden konnte.

In der Hoffnung, dass das irgendetwas besser machen würde, besuchte ich kurz darauf eine ihrer Lesungen. Aber Fehlanzeige: Für mich blieben es die am schlechtesten investierten sechzehn Euro der letzten Wochen. Ich ärgerte mich nach der Lesung fast noch mehr, dass ich mein Geld nicht wenigstens auf eine Art verschwendet hatte, die nicht den Tod von Bäumen oder zumindest einen Cocktail involviert hatte. Mit den zwanzig Euro, die mich die Lesung gekostet hatte, wären da sogar noch mehr Drinks drin gewesen.

Quelle: Pinterest

Was also tun, wenn unsere schriftstellerischen Vorbilder versagen? Wenn wir ihre Bücher plötzlich nicht mehr ganz so intelligent, gewitzt oder unterhaltsam finden? Wenn uns der Stil, die Sprache, der Plot auf einmal nicht mehr beeindrucken können?

Ein Teil liegt darin begründet, dass wir uns, je länger und je mehr wir schreiben, unseren Vorbildern annähern. Wir werden immer mehr selbst zu Experten was Texte und die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, betrifft. Und so leicht wie damals, als wir noch naive Greenhorns waren, kann uns nichts mehr beeindrucken.

Aber unsere Vorbilder sind auch nur Schriftsteller wie wir. Vielleicht manchen von uns gegenüber mit dem Vorsprung, veröffentlichte Autoren zu sein, die von der Schriftstellerei leben können. Doch das heißt nur, dass sie genau da angefangen haben, wo einige von uns jetzt noch sind.

Was lernen wir daraus? Klar ist es ärgerlich, sechzehn Euro auf ein Buch zu verschwendet zu haben, das keinen Spaß macht. Und obendrein bei einer Lesung gewesen zu sein, die mich langweilte und bei der ich am liebsten vorzeitig gegangen wäre (was ich aus Respekt vor denjenigen auf der Bühne natürlich nicht getan habe).

Aber dann nehme ich mir einfach vor, es selbst besser zu machen. Besser als mein großes Vorbild zu schreiben, anders zu begeistern. Und das kann ja nur gut werden, oder?

Alena

 

 

 

* Um welche Schriftstellerin und und welches ihrer Bücher es sich handelt, möchte ich nicht verraten. Das Internet ist auch so oft unfreundlich genug – da will ich kein Buch schlechtmachen, das anderen sicher sehr gefallen hat.


2 Gedanken zu “Was tun, wenn unsere schriftstellerischen Vorbilder enttäuschen?

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