Die Schönheit im Märchen oder das Märchen von der Schönheit?

Im Herbst habe ich mir eine neue Ausgabe von Grimms Märchen gekauft: Ich hatte mich der Tatsache stellen müssen, dass das zerfledderte Buch, das ich seit meiner Kindheit für mein Eigentum hielt (oder halten wollte), nur geliehen war und meine Mutter bestand darauf, dass ich es dem rechtmäßigen Eigentümer überlasse. Natürlich fügte ich mich nur unter großem Protest. Da ich mich aber nicht imstande sah, in einem Haushalt ohne eine Ausgabe Grimms Märchen zu leben, kaufte ich also die neue. Seitdem schmökere ich mich bevorzugt am Wochenende beim Frühstück durch die Märchen, die ich seit Langem kenne, und die, die mir bisher irgendwie entgangen sind.

 

Dabei fiel mir Eins auf: In regelmäßigen Abständen und immer wieder ist Schönheit Teil der Charaktereigenschaften der Figuren. Die gute Schwester ist schön, die böse hässlich. Königstöchter sollten grundsätzlich schön sein, und wer etwas Gutes tut, wird nicht selten mit Reichtum und – man ahnt es – Schönheit belohnt. Wenn Antagonisten schön sind, dann sind sie oft zugleich eitel oder eingebildet.

Als Alexa und ich vor Kurzem in einem Anfall Nostalgie alte Disney-Filme herauskramten, die wir in unserer Kindheit so oft geschaut hatten, dass wir heute noch manche Passagen mitsprechen können (Ich weiß! Ich weiß…), begegnete uns dasselbe Muster. Belle oder Jasmin sind gut, selbstverständlich auch schön, und am Ende kriegen sie ihren Prinzen.

Nun sind Disney-Prinzessinnen nicht gerade bekannt dafür, dass sie realistische Frauenbilder vermitteln. Und nun gut, Märchen sind eben Märchen. Aber wie umgehen wir die Schönheits-Falle in unseren Texten?

Eine Möglichkeit ist, sich nicht allzu sehr mit dem Äußeren der Figuren aufzuhalten. Ich bin kein Fan dieser Strategie, da ich genaue Beschreibungen der Figuren sehr schätze. Und dazu gehört auch, wie sie aussehen.

Eine andere Strategie ist, sich zu überlegen, bei welchen Figuren Schönheit tatsächlich einen Einfluss auf Handlung und Entwicklung hat und sie nur dort explizit zu benennen.

Eine dritte Strategie, die ich sehr mag: Einfach jeden als irgendwie schön bezeichnen, aber mit unterschiedlichen Begründungen. Jeder Mensch ist doch irgendwie attraktiv, sofern man über gängige Hollywood-Schönheitsideale hinausgeht. Man kann der einen Figur schöne Haare, der nächsten schöne Hände, der dritten ein schönes Gesicht verpassen.

Worauf es aber wirklich ankommt: Dass die Figur interessant ist. Und da ist ihr Aussehen ganz egal. Es kommt auf ihre Konflikte mit anderen Figuren an, auf Intelligenz, darauf, dass wir sie mögen können und dass sie uns interessiert.

Wie steht ihr zum Schönheits-Thema in Geschichten?

Alena

 


5 Gedanken zu “Die Schönheit im Märchen oder das Märchen von der Schönheit?

  1. Ich fahre ja Strategie drei – meine Vampire nehmen so ziemlich alles als schön wahr, weil sie so geflasht davon sind, was sie alles an einem Menschen für Winzigkeiten wahrnehmen können :D. Oder an einer Zimmerpflanze. Oder an einer Pfütze. Oder an sonstwas. Für die ist einfach alles auf der Welt schön…

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