Achtung, Überlänge! Warum mehr Text nicht gleich besserer Text ist

Wenn wir einen Film im Kino sehen, dann sehen wir nur einen Bruchteil des Materials, das beim Dreh entstanden ist. Wir sehen einen Kino-Cut, der ausschließlich die für die Handlung relevanten Szenen enthält, und davon auch nur die, die am besten gelungen sind. Die Extended Edition von Der Herr der Ringe? Ist etwas für richtige Hardcore-Fans, für den Großteil von uns zieht sie sich aber wie Kaugummi. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil der Spannungsbogen durch die zusätzlichen Szenen nicht mehr so stringent ist wie in der Kino-Version.

Quelle: Pinterest.

Auch in unseren Geschichten sollten wir uns darauf beschränken, das Wesentliche zu erzählen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jede Szene sollte etwas zur Handlung beitragen – entweder direkt, indem sie unsere Figuren voranbringt, ihr persönliches Rätsel zu lösen. Oder indirekt, indem sie etwas zeigt: Wie sieht das Umfeld der Figuren aus, wie interagieren sie mit Freunden oder Familie? Idealerweise sollte sie beides verknüpfen.

Der erste Entwurf ist (zumindest bei mir) meistens eine Version, die viel zu viele Informationen enthält. Das ist nicht schlimm, man sollte nur nicht davor zurückschrecken, bei der Überarbeitung Zeile um Zeile aus dem Manuskript zu löschen. Sicher, wir haben diese Sätze geschrieben, sie sind unserer Fantasie entsprungen, wir haben Zeit in sie investiert. Aber das ist alles nicht wichtig, wenn sie nicht relevant sind. Passagen- oder seitenweise unwichtige Inhalte zu lesen, macht niemandem Spaß und langweilt unsere Leser.

Deswegen mein Tipp: Seid kritisch mit eurem Text und seid bereit, auch eure Lieblinge aus dem Manuskript zu löschen, wenn sie keinen inhaltlichen Mehrwert bringen. Es mag am Anfange weh tun, aber am Ende macht es die Geschichte nur besser.

 

alexa


5 Gedanken zu “Achtung, Überlänge! Warum mehr Text nicht gleich besserer Text ist

  1. Wahr. Wobei ich eher zu sparsam bin als andersrum. Paradebeispiel für überflüssiges Zeugs in der Story sind m.E. die „Hobbit“-Filme, wo ja irgendwie außer Verfolgungsjagden und Gemetzel kaum was passiert. Hab selten so oft im Kino auf die Uhr gesehen wie für diesen Dreiteiler, der als Duologie wesentlich besser aufgehoben gewesen wäre.

    Gefällt 1 Person

  2. nicht nur Geschichten, auch mehr sachbezogene Texte profitieren von der Konzentration aufs Wesentliche. Für mich steht am Anfang eine Materialsammlung , ganz altmodisch, papier und Stift, bevor mit dem richtigen Texten angefangen wird.

    Gefällt 1 Person

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s