Warum wir dieses Update namens Fantasie brauchen

Wenn wir schreiben wollen, müssen wir viel lesen. Das ist kein Vorschlag und auch keine fixe Idee, sondern Fakt. Unsere Fantasie wird durch Lesen angeregt, unsere Gehirnwindungen nehmen die Sprache der Geschichten an und entwickeln daraus eine eigene. Nicht nur durch Worte, die Bilder in unseren Köpfen erzeugen, sondern auch durch Bilder selbst wird unsere Fantasie angeregt, zum Beispiel in Filmen und Serien. Am witzigsten wird es genau dann, wenn sich diese Fantasie in den Alltag einschleicht. Also nicht in unsere Geschichten, sondern in das, was wir tun, obwohl wir gar nicht daran gedacht haben. Bei mir sah das vor Kurzem so aus:

Foto: Pinterest.

Ich war in einem ziemlich schicken Gebäude auf einer ziemlich unschicken Toilette und musste Zeit schinden. Toiletten eignen sich super dafür, wenn gerade keine Schlange ist und man viel zu früh zu einem Termin ist, es gerade nicht mehr am Tisch mit dem Gegenüber oder der Gruppe aushält, es aber unhöflich ist, schon zu gehen, oder wenn man mal schnell vor dem Postkurier im Büro fliehen muss, der sich unsterblich in einen verliebt hat und das sehr hartnäckig kund tut – auch wenn die Liebe nicht erwidert wird. Möglicherweise traf einer dieser Gründe zu, als ich in diesem quadratsichen Raum stand und meinen Blick nach oben wandern ließ. Die Wand war wirklich sehr hässlich. Und zu guter Letzt befand sich in der sehr hohen Decke ein ziemlich großes Loch. Wenigstens so groß, dass ich locker durchgepasst hätte. So weit zur Realität. Jetzt kommt die Fantasie:

Es gibt eine Szene in White Collar (für alle, die sie nachsehen wollen: Staffel drei, Episode 10, Minute 27:00): FBI-Agent Peter Burke verdächtigt seinen mit einer elektronischen Fußfessel bestraften Consultant Neal Caffrey, einen millionenschweren Schatz gestohlen zu haben. Um zu verhindern, dass Neal einen Einsatz sabotiert, sperrt Peter ihn in einer Abstellkammer ein. Neal hat natürlich andere Pläne – er knackt das Türschloss und wickelt in der Zwischenzeit einen Deal ab. Als Peter ihn wenig später aus der Kammer abholt, verrät nur eine lose sitzende Deckenplatte, wie Neal wieder in den Raum zurückgekommen ist, während Peter bereits vor der Tür gestanden und die Schlüssel gesucht hat. Das ist ganz typsiche Neal-Manier, und für die Serie noch nichts Besonderes.

 

Aber: Was wäre, wenn Neal Caffrey gerade in diesem Gebäude herumturnen und Kunst rauben würde? Irgendwie spannend… Oder ein andere Kunsträuber – oder vielleicht auch ein Datenräuber, der die Netzwerke in dem Büro anzapft, um den nächsten Coup zu landen – so wie Edward Snowden? Auf einmal wirkte dieses kleine Räumchen gar nicht mehr so hässlich.

Ich vermute aber, dass einfach nur irgendeine Leitung kaputt war, und die Handwerker die Deckenverkleidung nur zerstört, aber nicht wieder repariert haben. Auch wenn ich es bedauere, dass die Realität manchmal nicht ganz so spannend ist wie die Geschichten, in denen wir uns immer mal wieder vergraben: Träumen darf man ja.

alexa


Ein Gedanke zu “Warum wir dieses Update namens Fantasie brauchen

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s