Darf ich vorstellen? Der Schriftsteller: verschroben, einsam, staubig.

Vom Bild eines Schriftstellers – verschroben, einsam in seinem Kämmerlein, bedeckt von einer Staubschicht – hat bestimmt jeder schon mal gehört. „Stimmt doch gar nicht, das sind alles Vorurteile und Stereotype“, sind wir geneigt zu sagen. Denn wir sind doch nicht seltsam, und einsam schon gar nicht!

TravelJa und nein. Stereotype entwickeln sich ja aus der simplifizierten aber gleichzeitig überdrehten Form von Eigenschaften. Und, Tatsache ist, schreiben kann man nur allein. Was man machen kann, Alena und ich tun es häufig, sind Schreibcamps. Wir finden uns zusammen, schreiben an einem Ort. Aber nicht zwingend in einem Zimmer. Und jede mit der eigenen Musik auf den Ohren, oder auch in völliger Stille. (Wie genau das aussieht, könnt ihr in der aktuellen Ausgabe des Impress-Magazins in einem Interview mit uns lesen).

Wenn es sein muss, dann schreiben wir morgens vor der Arbeit und abends danach. Und am Wochenende. Und an Feiertagen. Und nach einem ganzen Tag im eigenen Text fällt es uns dann bisweilen schwer, uns unter Menschen zu mischen. Zu shoppen. Was trinken zu gehen. Tanzen zu gehen. Alles kommt einem unwirklich vor, denn die richtigen, die wahren Probleme löst doch gerade Figur X an Stelle Y! Je nachdem, wie sehr wir uns mit unserem Text identifizieren, tauchen wir ganz und gar darin ein. Manchmal passiert das ja auch beim Lesen: Nachdem ich zum Beispiel Krieg und Frieden gelesen hatte – was wirklich lang gedauert hat – kam ich mir plötzlich so leer vor ohne die Figuren.

Als Schriftsteller verbringt man unweigerlich viel Zeit allein mit seinem Computer. Ist man deswegen einsam? Das liegt an jedem selbst. Denn die Kunst ist, seine eigenen Grenzen abzustecken. Manchmal muss es sein, dass man auf einer harten Linie arbeitet, um ein Projekt abzuschließen. Aber dann muss es auch mal gut sein.

Was nicht heißen soll, dass wir die Ideen stoppen – denn das können wir nicht, und es gehört zu uns. Aber wir müssen uns Zeit nehmen, Abstand zum Projekt zu gewinnen. Uns daran gewöhnen, auch mal ein Wochenende lang nichts zu tun. Freunde zu treffen, zu shoppen, zu tanzen. Und dann sind wir nicht verschroben, sondern Menschen, die ihre Kreativität in Form von Büchern und Geschichten ausdrücken.

alexa


4 Gedanken zu “Darf ich vorstellen? Der Schriftsteller: verschroben, einsam, staubig.

  1. Was gibt es Schöneres, als mit seinen Protas Abenteuer zu bestreiten, zu lachen, zu weinen, sich zu fetzen oder sie klammheimlich einfach zu bewundern. Wenn man den Computer schließt, ist es als würde man den Wochenendbesuch bei Freunden beenden.

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