Heldinnen dürfen auch mal den Lippenstift nachziehen. Aber worauf es wirklich ankommt sind Mut und Cleverness!

DämmerschlafLetzte Woche war ich beim Friseur. Das interessiert euch Leser zwar wahrscheinlich nur mäßig, ist aber ein wichtiges Detail in dieser Geschichte. (Geduld!)

Ich nehme zum Friseur immer ein Buch mit, aber meistens läuft es dann doch darauf hinaus, dass ich mich über irgendeine Frauen-, Lifestyle- oder People-Zeitschift her mache. Man könnte jetzt sagen, selbst schuld – hättest du eben dein Buch gelesen.

Aber die Zeitschrift, die ich durchblätterte (und wie ihr wisst bin ich sehr gegen Schuldzuweisungen und Hate-Kommentare im Internet, sodass ich nicht verraten möchte, welche es war), enthielt einen Beitrag über Make-up und Styling fürs Büro. Teil der Aussage war, dass nur ein geringer Anteil dessen, was wir als Frauen (Menschen?) sagen, überhaupt wahrgenommen würde. Einen großen Teil des Gesamteindruckes mache unser Make-up und unser Outfit aus.

Nun weiß jeder, dass die non-verbale Kommunikation extrem wichtig ist, wenn es darum geht, mit Menschen zu kommunizieren oder sie gar zu überzeugen. Aber unser Make-up und unser Outfit?

Ich liebe Styling, Mode, Beauty-Tipps. Wie man sieht – ich gehe öfter mal zum Friseur. Ich interessiere mich für Klamotten und Schminktipps. Aber wenn ich etwas zu sagen habe, insbesondere in einem professionellen Rahmen, dann soll es doch bitte nicht mein Styling sein oder mein vermeintlich gutes Aussehen, das mir Gehör verschafft.

Es ist 2016, wie leben in einer freiheitlichen, westlichen Demokratie und das sind die Tipps, die wir Frauen mit auf den Weg geben? Kauft Kosmetikprodukte, damit ihr überzeugen könnt? Mich erschüttert so etwas. Und deshalb schreibe ich Bücher, in denen starke Heldinnen ihre eigene Meinung vertreten, sich mit Worten und Taten durchsetzen, sich vielleicht auch mal Gedanken um die Farbe ihres Lippenstifts machen, aber niemals dann, wenn’s gerade um etwas Wichtiges geht.

Denn dann zählt, was du im Kopf hast – Cleverness, Mut, Einsatzbereitschaft, Empathie – und nicht, ob dein Gesicht gut geschminkt ist.

Alena


4 Gedanken zu “Heldinnen dürfen auch mal den Lippenstift nachziehen. Aber worauf es wirklich ankommt sind Mut und Cleverness!

  1. Die Überschrift ist super! 😀 Sie trifft es ins genau ins schwarze. Und ich stimme dir da vollkommen zu. Es erstaunt mich wirklich immer wieder, wie viele meiner Kommilitoninnen mit perfekten Outfit und Make-up in der Vorlesung sitzen… wieso tun sie das? Klar, man sollte gepflegt sein. Egal ob nun Frau oder Mann. Gewaschene Haare, geduscht, saubere Klamotten. Aber wieso muss man mit einem Dreiteiler in der Vorlesung sitzen? Oder in den Pausen aufs Klo rennen um zu kontrollieren ob der Lippenstift noch richtig sitzt und nicht schon durch Schweiß „verrutscht“ ist.
    Und es kotzt mich an, dass in diesen Frauenzeitschriften es eigentlich nur um drei Themen geht. Sex (besser gesagt: Optimiere dein Sexleben), Klamotten/Styling (besser gesagt: Optimiere den Inhalt deines Kleiderschranks, deine Figur, dein Gesicht!) und Selbstverbesserung im Allgemeinen (Hey, optimiere dich mit Yoga, Pilates, versuchs mit Tiefenentspannung und immer schön lächeln!).
    Irgendwie kann ich mir null vorstellen, dass Virginia Woolf sich morgens einen grünen Smoothie gemacht hat um den Tag optimal mit Vitaminen versorgt zu starten oder Margaret Thatcher darüber grübelte, ob das grüne Top mit den Applikationen dafür geeignet ist, die Gewerkschaften mal wieder anzugehen. Und selbst Kate Middleton hatte sicherlich keine Zeit ständig sich über all das Gedanken zu machen, sonst hätte sie nämlich sicherlich keine Zeit gehabt, sich neben Studium und sportlicher Betätigung einen Kronprinzen zu angeln.
    Klar, ich interessiere mich auch für Klamotten, Kosmetik und bei meinen Haaren bin ich so eigen, dass nur ein ganz bestimmter Friseur dran darf… aber es sollte bei weitem doch nicht alles sein?!

    Gefällt 4 Personen

    1. Du sprichst mir aus der Seele! Und dabei liebe ich grüne Smoothies (finde die verdammt lecker) und mache seit mittlerweile vielen Jahren begeistert Yoga. Aber wenn das alles als zwingender Teil eines durchoptimierten, stylishen Lebensstils, dem wir uns bitteschön alle zu beugen haben verkauft wird – da bin ich nur noch ratlos.

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