Creative Killing: bessere, schlankere Texte schreiben

Fast jeder kennt den Ausdruck „kill your darlings“. Soll heißen: Streiche Passagen oder sogar Figuren aus deinem Buch heraus, wenn ihre einzige Daseinsberechtigung ist, dass sie dir am Herzen liegen.

Seite aus einem inspirierenden Programmheft des DNT (Deutsches Nationaltheater Weimar), 2012
Seite aus einem inspirierenden Programmheft des DNT (Deutsches Nationaltheater Weimar), 2012

Mein Creative Killing-Ansatz geht darüber hinaus, indem er sich nicht nur darauf beschränkt, geliebte aber sinnlose Teile aus dem Text zu streichen. Stattdessen geht es darum, den Text ganz allgemein nach Stellen abzusuchen, die wieder gehen müssen.

In einem Buch muss jede Wendung, jede Handlung der Figuren, jede Dialogzeile, ja jeder einzelne Satz die Romanhandlung voranbringen. Das kann bedeuten, dass er den Spannungsbogen gestaltet, dass er wichtige Informationen enthält, dass er die Figuren charakterisiert. Wenn er das nicht tut, fliegt er raus – so einfach.

Gerade Dialoge werden oft überladen, dabei ist es relativ einfach, dort Text herauszunehmen. (Wie das geht könnt ihr hier nachlesen.) Auch werden oft auf den ersten 10 Seiten zu viele Informationen geboten, die in diesem Stadium der Handlung völlig irrelevant sind. Lieblingsfarbe der Heldin? Who cares?!

Erst vor Kurzem habe ich in der Fortsetzung zu Geteiltes Blut dot Com eine ganze Szene, die ich kurz zuvor unter Hochdruck geschrieben hatte, komplett wieder herausgenommen. Ich mochte den Dialog, das Setting war toll (ein Burger-Restaurant!) aber im Überarbeitungsprozess habe ich gemerkt, dass die in der Szene steckenden Informationen ganz leicht auf mehrere andere Szenen verteilt werden konnten. Das schmerzt, aber es geht beim Schreiben ja nicht um mich und mein Ego! Es geht um den Text und um das bestmögliche Buch.

Deshalb hier meine Anleitung für Creative Killing, die zumindest mir sehr hilft, den Text stringent zu halten. In diesen Fällen setze ich so gut wie immer den Rotstift an:

  • Ihr liebt die Figur / Passage /  Wendung, aber ihr seid euch nicht sicher, welchen Zweck sie für die Gesamthandlung erfüllt.
  • Ihr konntet die Figur / Passage / Wendung noch nie ausstehen, aber es war wirklich harte Arbeit, sie zu schreiben. Ihr seid euch nicht sicher, welchen Zweck sie für die Gesamthandlung erfüllt.
  • Der Satz ist ein kleines bisschen unlogisch, aber er klingt wirklich gut.
  • Die Figur war mal wichtig und ihr habt sie liebgewonnen, aber in der finalen Version des Manuskripts steht sie eher im Weg.
  • Ihr habt einer Figur eine Eigenschaft verpasst, die ihr an euch selbst mögt oder an einer Person, die ihr gern habt, aber eigentlich tut diese Eigenschaft absolut nichts zur Sache und / oder steht der Handlung im Weg.
  • Die Szene ist toll und gut geschrieben, aber irgendwie nimmt sie den Drive aus der Handlung.
  • Die Szene ist toll und gut geschrieben, aber sie ist zu seicht für das Buch, das ihr schreibt. (Alternativ natürlich zu hart, zu aggressiv, zu romantisch etc. – natürlich immer in Bezug auf euer Buch.)
  • Klingt irgendwie komisch aber passt schon. (Nein, tut es nicht. Wenn etwas schon für euch „irgendwie komisch“ klingt, dann stimmt etwas nicht damit! Streichen oder verbessern.)
  • Ihr wolltet eben schon immer mal einen bunten Hund / fliegenden Buchverkäufer / Rennfahrer (die Liste ist beliebig erweiterbar) in ein Buch hineinschreiben, auch wenn es eigentlich nicht ganz so gut passt.
  • Der Text ist zu lang. Fünf Kapitel Einleitung, bevor irgendwas passiert? Drei Kapitel Epilog? Vergesst es.

Habt ihr andere Strategien, eure Texte stringent zu halten? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Alena


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