Brain Snack: Schreiben ist das coolste Hobby überhaupt! – Interview mit Marie Menke

Brain Snack featured ImageWir freuen uns ganz besonders, heute in unserer neuen Reihe Brain Snacks Marie Menke zu Gast zu haben! Marie ist Gründerin des Book Camps und Autorin. Ihr neuester Roman, Calliope Isle, erscheint am 2. Juni bei Impress.

Wir haben mit Marie über Inspiration zum Schreiben, das Feilen am Text und über starke Heldinnen gesprochen. Für alle angehenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller hat Marie uns noch ein paar Tipps rund ums Plotten verraten!

 

Du hast das Book Camp gegründet – eine Plattform für alle, die das Schreiben lieben und die dort Hilfe und Anregungen zu ihren Texten bekommen. Und noch besser: Sie können sich miteinander vernetzen und ihre Leidenschaft teilen. Wie bist du auf die Idee mit Book Camp gekommen? Wie hilfst du anderen Schriftstellern, aus Ideen Texte zu machen?

In meiner Schulzeit hab ich das Schreiben geliebt – ebenso wie alle Plattformen für Schreibbegeisterte. Etwas hat mir jedoch gefehlt: Ich war auf der Suche nach etwas, das persönlicher ist, keine Plattform, auf der Millionen User registriert sind. Das ist meine Idee hinter Book Camp: Auf meiner Website habe ich kleine Projekte, die es aber beispielsweise jugendlichen Autoren schon ermöglicht haben, ein Feedback von erfolgreichen Autoren zu bekommen – und das finde ich toll!

Generell bin ich der Meinung, dass Schreiben als Hobby oft unterschätzt wird. Wer Fußball spielt, der geht in den Sportverein, wer Gitarre spielt, der geht in die Musikschule. Und wohin geht jemand, der das Schreiben liebt? Ich kannte lange Zeit niemanden, der das Schreiben so sehr liebt wie ich, und hab mich damit selbst gefragt, ob dieses Hobby eigentlich „cool“ ist. Mit Book Camp möchte ich daher Nachwuchsschreibern zeigen, dass es auf jeden Fall cool ist – wenn nicht sogar das coolste Hobby überhaupt!

 


Calliope Isle – das ist der Titel deines Buches und auch die Tropeninsel, auf der deine Protagonistin Allie jeden Sommer das Arts Camp besucht und schreibt. Du hast zuletzt auch einige Zeit im Ausland verbracht – kommen deine Ideen vor allem dann, wenn du viel unterwegs bist?

Auf jeden Fall! Ich finde Orte super inspirierend. Die Idee zu Calliope Isle kam mir im vergangenen Sommer bei einer Radtour mit meiner Familie an der Ostseeküste. Wir sind den ganzen Tag lang gefahren und ich habe in meinem Kopf die Idee rund um Allie und ihre Freunde gesponnen. Seit Oktober wohne ich in Madrid und habe das vergangene Jahr genutzt, um fleißig zu reisen. Vor zwei Wochen war ich auf der Tabarca, einer kleinen Insel an der Küste vor Alicante, und habe dort einen Tag verbracht – heute bin ich sicher, dass die Insel noch in einem Roman, den ich unbedingt diesen Sommer schreiben möchte, vorkommen wird! Ich bin direkt nach dem Abitur nach Spanien gegangen, um ein „Gap Year“ zu machen – und möchte auch diese Erfahrung gerne bald in einen Roman verpacken, wenn auch diesmal ganz ohne Fantasy.

 

Als Allie in ihrem siebten Sommer wieder das Arts Camp besucht erfährt sie, dass sie adoptiert wurde. Dann flüstert ihr auf der Reise ausgerechnet der mysteriöse neue Junge im Camp zu, dass dieser Sommer alles in ihrem Leben verändern wird. Mit solchen Nachrichten muss man erst mal klar kommen. Durch welche bestechenden Charaktereigenschaften gelingt Allie das?

Allie ist eine Figur, die ich unendlich lieb gewonnen hab! Ein wenig habe ich bei ihr das Gefühl, dass sie das Leben einfach mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie nimmt. Sie nimmt sich selbst nicht zu ernst und weiß aber doch, was sie will – und das liebe ich an ihr. Sie hat eine Art und Weise, um über die noch so schrecklichsten Dinge zu lachen und Witziges in ihnen zu finden, auch wenn ich gestehen muss, dass auch ihr in ihrem siebten Sommer auf Calliope Isle mal das Lachen vergeht. Dennoch schafft sie es, sich durch das Chaos hindurchzubeißen, ohne selbst zu wissen, wie stark sie eigentlich ist und das macht sie für mich spannend.

 

Du schreibst schon länger über Frauen, die ihren Weg gehen, die ihre Begabungen verstecken oder die ein großes Geheimnis lüften müssen. Sind Heldinnenreisen ein Steckenpferd von dir?

In der Fantasy, ja. Mein Debütroman Tameha – Gene tanzen nicht hatte eine Protagonistin, die zwar ganz andere Charaktereigenschaften als Allie mit sich brachte, aber doch hatten beide eins gemeinsam: Sie hatten ihre Macken und ihre Stärken, hatten aber auch beide eine große Aufgabe zu meistern.

Ein erzählerisches Jugendbuch habe ich bisher noch nicht veröffentlicht, auch wenn ich es liebe, in diesem Genre zu schreiben. Sobald ich mich von der Fantasy wegbewege, bewege ich mich aber auch von den klassischen Heldinnenreisen weg.

Ob Fantasy oder nicht, ich möchte Romane über starke Protagonistinnen schreiben, die auch als Vorbild dienen können, niemals aber über perfekte Figuren, die nicht mehr reell sind und keine Fehler oder Macken mehr haben.

 

Wie ist das bei dir: Weißt du vorher genau, was in deinem Buch passiert oder schreibst du drauf los und lässt dich von der Geschichte dahintreiben?

Ich bin jemand, der System braucht. Als ich das erste Mal einen Text in Romanlänge schrieb, skizzierte ich vorher jede 100 Wörter – da blieb kaum noch Platz für Neues. Heute skizziere ich vorher kurz und knapp, was innerhalb von vier bis sechs Normseiten passieren soll, notiere mir oft auch Zitate, die ich einbauen möchte, weil ich finde, dass das der Kreativität hilft.

Einen Roman zu schreiben, ohne schon am Anfang der Geschichte das Ende zu kennen, das habe ich noch nie gemacht. Ich weiß gerne, wo es hingeht, und mir fällt es oft schwer, Spannung aufzubauen, wenn ich das Ende selbst noch nicht kenne.

 

Hast du Tipps für angehende Schriftsteller, denen das ganze Thema „Plotten“ wie ein Buch mit sieben Siegeln erscheint?

Ich finde bis heute den Gedanken viel zu oft verrückt: Wie soll ich einen Text skizzieren, der mal ganze 300 Normseiten haben wird?

Mein Tipp ist, vom Groben zum Feinen zu arbeiten: Schreibe ich einen Jugendroman, arbeite ich meist mit ca. 300 Normseiten. Zuerst teile ich den Roman dann in vier bis sechs Teile und notiere mir, was in diesen Teilen passiert, was für Veränderungen ausschlaggebend ist, was mein Protagonist oder meine Protagonistin in dieser Zeit empfindet. Dann nehme ich mir einen Teil nach dem anderen vor, unterteile sie wiederum in Kapitel, die Kapitel in Absätze etc.

Mein größter Tipp ist aber wohl, sich nicht daran festzuklammern: Wenn du eine Szene auf vier Normseiten skizziert hast und sie schließlich zehn braucht, dann lass es zu – oft entsteht gerade so Spannung!

Danke dir!

 

Marie MenkeMarie Menke wurde 1997 geboren und wuchs in einer Kleinstadt im Osten von NRW auf. Heute wohnt sie in der lebendigen Hauptstadt Spaniens und arbeitet im Rahmen eines EVS für die Universidad Autonomá de Madrid. Nach Veröffentlichungen in Zeitungen und Magazinen erschien im Dezember 2015 ihr Romandebüt Tameha – Gene tanzen nicht. Sie ist online zu finden auf ihrer Webseite www.mariemenke.com, bei Twitter, Instagram und natürlich auf Facebook.

Calliope Isle erscheint am 02. Juni bei Impress.

 

 


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