Layer Cake Cont’d: 5 Kriterien um festzustellen, dass ein Manuskript fertig ist

Layer Cake 1Heute ist bei Schreibwahnsinn mein Post Layer Cake. Warum Bücher wie Schichttorten sind erschienen. Die Überarbeitung des Manuskripts von der Roh- bis zur Endfassung ist ein Prozess, in dem in mehreren Durchgängen Schicht über Schicht gelegt wird – bis man am Ende das Manuskript wie eine Schichttorte vor sich hat. Wenn ihr wissen wollt, welche Schichten das sind, dann schaut euch den Post bei Schreibwahnsinn an!

Dann kommt aber irgendwann der Punkt, an dem man aufhören muss. Denn jede Schichttorte stürzt in sich zusammen, wenn man zu viele Schichten aufeinander legt. Ganz abgesehen davon, dass sie niemand mehr essen geschweige denn genießen kann.

Aber woher weiß man, wann das ist? Hier sind 5 Kriterien, die mir helfen festzustellen, dass mein Manuskript tatsächlich fertig ist:

Done is better than perfect

Wir Schriftsteller neigen dazu, unsere Texte wieder und wieder zu überarbeiten, und sei es, um einzelne Wörter hin und her zu schieben. An Texten feilen, in gefühlt unendlichen Überarbeitungsrunden, ist gut und wichtig. Aber dann muss man auch mal einen Punkt machen können. Und sich den Spruch aufsagen Done is better than perfect. Also als ersten Indikator dafür, dass man fertig ist, immer wieder hinterfragen: Braucht der Text wirklich noch eine Überarbeitungsrunde oder handelt es sich mittlerweile um fehlgeleiteten Perfektionismus?

Creative Killing ist nicht mehr möglich

Genauso wichtig wie das kontinuierliche Arbeiten am Manuskript, Schicht für Schicht, ist das skrupellose Streichen. In einem Buch muss jede Wendung, jede Handlung der Figuren, jede Dialogzeile, ja jeder einzelne Satz die Romanhandlung voranbringen. Wenn nicht, fliegt die Passage raus – das macht den Text schlanker und besser. Wenn man beim besten Willen nichts mehr findet, das man streichen könnte, ohne dass sich der Inhalt verändert – dann ist das der zweite Indikator.

Es ist auch ein Trade-Off

Jede Stunde, die ihr mit Überarbeitung verbringt, ist eine, die ihr nicht schreibt (= neuen Text produziert). Manchmal hilft es, sich das vor Augen zu führen. Ist das, was ihr euch von der Überarbeitung erhofft, so vielversprechend, das es das Nicht-Schreiben rechtfertigt? Meine Regel ist, dass ich mit der Überarbeitung langsam zum Ende kommen muss, wenn ich über mehrere Wochen nicht mehr dazu komme, mein Mindest-Limit von 300 Wörtern am Tag einzuhalten.

Länger ist nicht gleich besser

Manchmal verwechseln wir Überarbeitung mit Hinzufügen von Text. Manchmal ist das notwendig: Eine Szene wird einfach noch benötigt, um den Sinneswandel der Protagonistin zu verdeutlichen, oder das Ende ist nicht so rund. Aber vertraut auch auf den Text, den ihr ursprünglich geschrieben habt. Einfach noch mehr davon hinzuzufügen hat selten geholfen.

Die Phasen der Überarbeitung sind alle durch

Ihr habt den Text mit ausreichend Abstand noch mindestens einmal durchgesehen. Ihr habt Testleserkommentare abgearbeitet. Ihr hat das Feedback besonders kritischer Leser oder gar einer Lektorin umgesetzt. Wenn ihr ihn bei einem Kaffee ganz entspannt lest, fühlt er sich dicht und vielschichtig an. Dann herzlichen Glückwunsch – euer Manuskript ist fertig!

Was habt ihr für Tipps? Wie entscheidet ihr, ob ihr fertig seid mit einem Text?

Alena


10 Gedanken zu “Layer Cake Cont’d: 5 Kriterien um festzustellen, dass ein Manuskript fertig ist

  1. Also der letzte Tipp ist natürlich super: Wenn das entspannte-Kaffeetrinken-beim-Lesen sich einstellt. Bei den anderen bin ich mir nicht so sicher. Zum einen sind manche nicht wirklich „Kriterien“ (etwa wenn ich aufgrund der Überarbeitung nicht zum eigentlichen Schreiben komme), anderen stimme ich nur bedingt zu (bin kein Freund von „fehlgeleitetem Perfektionismus“. Ein Manuskript ist eben nie wirklich fertig. Irgendwann wird es, wenn wir Glück haben, gedruckt. Aber fertig? Die meisten Autoren, die aus ihren Büchern vorlesen, haben die Texte nochmals „verbessert“). Auch bei „es gibt nichts mehr zu kürzen oder hinzuzufügen“ wäre ich vorsichtig – so absolut sind meine Texte nicht. Natürlich finde ich (spätestens nach ein paar Monaten) wieder Möglichkeiten für Streichungen oder eine treffliche Hinzufügung. Mein Votum wäre: Gutes Gefühl haben (siehe Dein Kaffeetrinken) und ansonsten die Deadline. „Fertig“ ist ein Manu nie.

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    1. Für mich ist „fertig“ durchaus ein Gefühl und ein Zustand. Das hat nichts mit objektivem Perfektsein zu tun, sonder ich erreiche einen Punkt, an den es von mir aus tatsächlich nichts mehr hinzuzufügen gibt. Das ist für mich „fertig“. Dass jemand anders da vielleicht noch Änderungs- oder Verbesserungsbedarf sehen würde, steht natürlich auf einen anderen Blatt…

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  2. Ja, so ähnlich. Perfekt und damit „richtig fertig“ kann ein Text nie sein, aber er kann durchaus ein Stadium erreichen, wo mensch ihn in die Freiheit entlassen kann: Wenn ich nach den beschriebenen Runden das Gefühl habe, dass das Ding jetzt rund ist und ich absolut keinen Bock mehr habe, nochmal mit dem sprichwörtlichen Läusekamm nach Wiederholungen und Kommafehlern zu suchen.
    Nach Monaten bis Jahren lässt sich sicher noch was finden, aber wer will schon Jahre über dem gleichen Text brüten?
    Was Änderungen bei Lesungen angeht, das mache ich auch, aber bislang hauptsächlich aus Verständnisgründen. Gedruckt mag es völlig klar sein, wer gerade über wen redet, aber beim Zuhören für Menschen, die die Figuren noch nicht kennen, ist das wahrscheinlich anders.

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