Warum Antagonisten heimliche Helden sind

antagonistManchmal frage ich mich, ob Bösewichter nicht eigentlich die besseren Helden sind (und habe mir auch selbst ein paar Antworten darauf geben).

Aber was macht Antagonisten überhaupt interessant? (Natürlich vorausgesetzt, es handelt sich dabei um tatsächliche Personen. Eine antagonistische Kraft im Roman muss nicht zwangsläufig eine andere Figur sein.) Was führt dazu, dass sie zu mehr werden als einem bloßen Hindernis, gegen das die Helden anrennen? Und was brauchen sie, damit sie glaubwürdig und vielleicht auch ein wenig Furcht einflößend wirken?

Für mich müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

1. Der Antagonist darf nicht durch und durch böse sein, denn das ist nicht realistisch. Sogar Voldemort hat gewisse Zuneigung zu Nagini gezeigt. Es muss also irgendwelche emotionalen Regungen geben, die über Bosheit hinausgehen.

2. Der Antagonist sollte über eine ebenso durchdachte und ausgereifte Psychologie verfügen wie der Protagonist. Wir müssen nicht jedes Detail seiner Geschichte kennen, aber es muss echte Motivatoren und Beweggründe seines Handelns geben.

3. Wenigstens ein paar kleine Hinweise über seine Vergangenheit sollte es schon geben. Wenn er wirklich sehr böse/psychopathisch/soziopathisch/grausam/… ist, dann möchte ich wissen, wie es dazu kam.

4. Wo ist seine Schwachstelle? Als Leserin suche ich nach Hinweisen, womit man ihn aufhalten könnte. Ist es eine andere Figur, die ihm am Herzen liegt? Ist es etwas, das er unbedingt verhindern will? Irgendwie muss sich zeigen, was das ist.

5. Der Antagonist ist in seiner Version der Welt – d.h. aus seiner Sicht – der Protagonist. Die Heldin ist für ihn eine Antagonistin. Das sollten wir beim Schreiben nicht vergessen – und den Antagonisten nicht als puren Stolperstein verstehen, der der Heldin im Weg liegt. Der Antagonist ist in gewisser Weise auch ein Held.

Was sind eure Tipps und Gedanken zur Entwicklung starker Antagonisten?

Alena

 


10 Gedanken zu “Warum Antagonisten heimliche Helden sind

  1. Sie dürfen auch mal vom Klischée weggehen, das macht sie noch spannender! Nicht jeder Bösewicht muss gleich schwarzes Leder tragen 😉

    Das fand ich an den Borderlands-Games so toll, die haben da auch die richtige Prise Humor: Deren Antagonist Handsome Jack (ein richtiger Fiesling, der aber auch eine Backstory hat) hat einen regelrechten Feldzug in einer Mission geführt, um die Farbe Geld – die Flagge seines Roboterimperiums – als neue Farbe des Bösen durchzusetzen!

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  2. Für mich ist der erste Punkt der wichtigste: Der Antagonist muss der Protagonist in seiner eigenen (Vorstellungs-)Welt sein. Das heißt, er muss ein Ziel haben, das darüber hinausgeht, den Protagonisten auszuschalten.
    Was ich dagegen gar nicht brauche, sind psychologisierende Backstories. Vielleicht bin ich da auch zu viele (schlechte, weil extrem platte) Thriller geschädigt, in denen der Mörder in seiner wahnsinnig schlimmen Kindheit von der bösen, kaltherzigen Mutter (oder wahlweise dem sadistischen ständig besoffenen Stiefvater) misshandelt wurde. Viel wichtiger finde ich, dass der Antagonist aufgrund eines (für ihn) konsistenten Gedankengebäudes handelt. Das muss dann aber auch konsequent auf- und ausgebaut sein.
    Das ist vermutlich auch das beste Rezept gegen die Klischeefieslinge: Wer aufgrund eines geschlossenen Weltbilds handelt, kann durchaus auch Tugenden entwickeln, die ihn dem Leser sympathisch machen.

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  3. Der Antagonist muss nicht unbedingt böse sein – im Sinne von Babykatzen zum Frühstück verspeisen – aber sein Ziel muss dem Ziel des Protagonisten entgegengesetzt sein. Plattes Beispiel: Er will den gleichen Job/Typen/Zauberstab wie der Protagonist.

    In dem *wie* der Antagonist (und der Prota) versuchen ihre Ziele zu erreichen, wird es dann spannend: Mit Köpfchen? Finsteren Intrigen? Brutaler Gewalt?
    Aber vor allem die Motivation vom Antagonisten muss für mich greifbar sein (nicht Ich bin evil, weil ich evil bin).

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